Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Bruder als Vorbild für Vaters Gesang

12.06.2013
Junge Zebrafinkenmännchen können den Gesang des Vaters von ihrem Bruder lernen

Vogelgesang wird ähnlich wie die menschliche Sprache meist von Generation zu Generation durch Imitationslernen weitergegeben. Obwohl der Gesang in der Regel von einem erwachsenen Vorbild erlernt wird, gibt es auch Hinweise zu aktivem Lernen unter jungen Geschwistern.


Sing Brüderlein, sing! Junge Zebrafinken, die vaterlos aufwachsen, können Gesang indirekt von ihren Brüdern lernen, die kurzzeitig Kontakt zum Vater hatten. Ein Jungvogel kann demnach genauso als Gesangsvorbild dienen wie ein schon älteres Tier. © Huet des Aunay

Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben beobachtet, dass junge Zebrafinken, die ohne Väter aufwuchsen, ihren Gesang indirekt von ihren Brüdern lernen konnten, die kurzzeitig Kontakt zum Vater hatten. Die Gesänge der Geschwister waren sich dabei sogar ähnlicher als die des Bruders und des Vaters. Somit kann ein Jungvogel genauso als Gesangsvorbild dienen wie ein Alttier.

Soziales Lernen von Gleichaltrigen ist bei Tieren und Menschen sehr häufig. Je größer die Gruppe, desto intensiver kann der Kontakt das eigene Verhalten beeinflussen. Ein bekanntes Beispiel ist die Ausbildung einer eigenen Sprache bei heranwachsenden gehörlosen Schülern in zwei großen Schulen in Nicaragua in den 1980-er Jahren. Die taub geborenen Schüler entwickelten eine eigene Zeichensprache, die kreolische Elemente enthielt. Sie emanzipierten sich dadurch gewissermaßen von ihren erwachsenen Lehrern, die ihnen lediglich die übliche Gebärdensprache beibrachten. So kann unter gewissen Umständen ein gleichaltriger Vertrauter dieselbe oder sogar eine größere Vorbildfunktion erfüllen wie ein Erwachsener.

Sébastien Derégnaucourt und Manfred Gahr vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun an jungen Zebrafinken das Gesangslernen unter gleichaltrigen Vögeln untersucht. Die Forscher ließen junge Männchen bis zum Alter von 14 Tagen von beiden Eltern aufziehen. Danach wurde die Mutter mit den Jungvögeln vom Vater getrennt, da die jungen Männchen ab einem Alter von ungefähr zwei Wochen beginnen, seine Gesänge zu erlernen. Im Alter von einem Monat brachten die Forscher einen der Söhne für eine Woche wieder mit dem Vater zusammen, damit er dessen Gesänge hören konnte. Der andere Sohn wurde hingegen ohne Kontakt zum Vater gehalten. Eine Woche später wurden beide Brüder wieder zusammengesetzt.

Es zeigte sich, daß die Söhne, die Kontakt zu ihrem Vater hatten, wie erwartet dessen Gesänge lernten, jedoch gab es dabei große individuelle Unterschiede. Dies lag zum Teil an der teilweise relativ kurzen Zeit, die die Söhne mit ihrem Vater verbrachten. Diese Söhne konnten ihre Gesänge dann an ihre vom Vater isolierten Brüder weitergeben. Jedoch waren deren Gesänge dem Bruder ähnlicher als dem Vater, den sie ab dem 14. Lebenstag nicht mehr gehört hatten. Die Studie zeigt, daß ein Jungvogel ein ebenso gutes Gesangsvorbild sein kann wie ein erwachsenes Tier, und dass dem Gesangslernen eine starke soziale Komponente zugrunde liegt.

Ansprechpartner
Prof. Dr. Manfred Gahr
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Telefon: +49 8157 932-276
Fax: +49 8157 932-285
E-Mail: gahr@­orn.mpg.de
Dr. Stefan Leitner
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Telefon: +49 8157 932389
Fax: +49 8157 932285
E-Mail: leitner@­orn.mpg.de
Originalpublikation
Sébastien Derégnaucourt and Manfred Gahr
Horizontal transmission of the father’s song in the Zebra Finch (Taeniopygia guttata)

Biology Letters, June 12, 2013; doi: 10.1098/rsbl.2013.0247

Prof. Dr. Manfred Gahr | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/7305135/zebrafink-gesang

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält
22.05.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus
22.05.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie