Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Professorin erforscht Ursachen des Haarausfalls

07.01.2011
Die Humangenetikerin Regina Betz bekleidet an der Universität Bonn eine neu eingerichtete Heisenberg-Professur für Dermatogenetik. Zentrales Forschungsgebiet der 40-jährigen sind die Ursachen genetisch bedingter Formen des Haarausfalls. Diese Arbeiten wird sie in den kommenden fünf Jahren mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) weiter intensivieren.

Es beginnt meist unspektakulär mit einer kleinen kahlen Stelle am Kopf, die langsam größer und größer wird. Bei manchen Menschen ist nur das Haupthaar betroffen, andere büßen nach und nach ihre komplette Körperbehaarung ein – bis hin zu den Augenbrauen und den Wimpern. Oft wachsen die Haare mit der Zeit nach. Einige Patienten bleiben jedoch kahl.

Die Krankheit heißt Alopecia areata und ist gar nicht mal so selten: Etwa eine Million Menschen in Deutschland erfahren die Symptome zumindest einmal in ihrem Leben am eigenen Leibe. Der „kreisrunde Haarausfall“ – so die deutsche Bezeichnung – ist eine Autoimmunerkrankung: Die körpereigene Abwehr richtet sich gegen die Zellen im Haarfollikel, die den Haarschaft produzieren. „Bei Autoimmunerkrankungen tragen genetische Ursachen und Umweltfaktoren zur Krankheitsenstehung bei“, erklärt Professor Dr. Regina Christine Betz. „Beispiele sind Rheuma oder Asthma. Bei der Alopecia areata ist das nicht anders.“

Größtes Patientenkollektiv weltweit

Die gebürtige Münchnerin untersucht zusammen mit Kollegen aus ganz Deutschland, welche Erbanlagen für den Haarausfall verantwortlich sind. Dazu haben sie inzwischen 1.800 Betroffene mit einer Alopecia areata gesammelt. "Das ist weltweit das größte Patientenkollektiv“, betont Betz nicht ohne Stolz.

Schon seit den 80er Jahren ist bekannt, dass bei der Erkrankung unter anderem der so genannte HLA-Komplex eine wichtige Rolle spielt. Das ist eine Genregion, die beim Menschen für die Erkennung „fremder“ Moleküle verantwortlich ist. Wenn die Unterscheidung zwischen „fremd“ und „selbst“ nicht richtig funktioniert, kann sich das Immunsystem gegen eigene Strukturen richten.

Regina Betz hat zusammen mit ihren Kollegen in den letzten Jahren bereits einige weitere Gene identifiziert, die zur Entstehung der Alopezia areata beitragen. Diese Suche wollen sie nun mit Hilfe des großen Patientenkollektivs ausweiten. Die DFG stellt dafür unabhängig von der Heisenberg-Professur Fördermittel zur Verfügung. "Damit ist es uns möglich, die Patienten mit der so genannten Chip-Technologie zu analysieren", sagt die 40-Jährige. "Diese Technik erlaubt es, sich bei jedem Patienten gleichzeitig über eine Million Orte auf dem Genom anzuschauen."

Die Alopecia areata ist eine so genannte genetisch komplexe Erkrankung: Es sind viele verschiedene Gene, die zu dem Krankheitsbild beitragen. Es gibt aber auch so genannte „monogene“ Formen des Haarausfalls, für die jeweils nur eine einzige Erbanlage verantwortlich ist. Ein Beispiel ist die Hypotrichosis simplex, die Regina Betz ebenfalls erforscht. "Wir untersuchen zudem weitere seltene Hypotrichose-Formen", sagt sie. "Das Problem dabei: Die Zahl der Betroffenen ist häufig so klein, dass wir mit den bisherigen Methoden keine neuen Krankheitsgene identifizieren können."

Abhilfe verspricht die so genannte Exom-Sequenzierung. Mit dieser Methode lassen sich zu vergleichsweise geringen Kosten nahezu alle Gene eines Menschen analysieren. Mit ihrer achtköpfigen Arbeitsgruppe versucht die Heisenberg-Professorin derzeit, auf diese Weise mehreren Erbanlagen auf die Spur zu kommen, die für seltene Hypotrichose-Formen verantwortlich sind. "Wir beschränken uns aber nicht auf die Suche nach neuen Genen", betont sie. "Wenn wir eine Erbanlage identifiziert haben, wollen wir auch herausfinden, was sie im Körper bewirkt. So hoffen wir, bisher unbekannte Stoffwechselwege aufzuklären, die für den Haarwuchs eine Rolle spielen. Das ist das eigentlich Spannende an unserer Arbeit."

Hoher Leidensdruck

Mit diesem Verständnis, so die Hoffnung, könne man mittelfristig vielleicht neue Medikamente entwickeln. Denn so harmlos sich Haarausfall in Vergleich zu manch anderen Krankheiten anhören mag: Für die Betroffenen ist der Leidensdruck oft enorm. Sogar psychiatrische Störungen können die Folge sein. "Wir untersuchen momentan zusammen mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, welche Menschen besonders unter dem Haarverlust leiden", sagt Professor Betz. "Möglicherweise spielen auch hierbei bestimmte Erbanlagen eine wichtige Rolle."

Kontakt:
Prof. Dr. Regina C. Betz
Heisenberg-Professur für Dermatogenetik (DFG)
Institut für Humangenetik, Universität Bonn
Telefon: 0228/287-51023
E-Mail: regina.betz@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Biologischer Lichtsensor in Aktion gefilmt
15.06.2018 | Paul Scherrer Institut (PSI)

nachricht Belohnung fürs Gehirn
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics