Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bochumer Forscher "tunen" Mikroorganismen für die industrielle Produktion

15.12.2009
Zwei RUB-Projekte werden vom BMBF gefördert
Hefen als Hersteller von Lipiden, Bakterien als Lieferanten von L-Lysin

Hefen und Bakterien noch fitter und leistungsfähiger für ihren Einsatz in der industriellen Produktion zu machen ist Ziel einer Arbeitsgruppe um PD Dr. Ansgar Poetsch am Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen der Ruhr-Universität Bochum.


Mikroskopische Aufnahme von Corynebacterium glutamicum

Im Projekt "MetaZyme" wollen sie Hefen zur effizienteren Lipid-Produktion verhelfen; in einem Teilprojekt von "FlexFit" geht es darum ein L-Lysin herstellendes Bakterium stressresistent zu machen. Ein Schwerpunkt der Projekte ist - passend zum etablierten Proteinnetzwerk der RUB - die Funktionsuntersuchung von Proteinen.

Insgesamt erhalten die Forscher dafür im Rahmenprogramm "Anwendungsorientierte Forschung an nicht-pathogenen Mikroorganismen für ressourceneffiziente Industrieproduktion" des Bundesforschungsministeriums (BMBF) 900.000 Euro.

Hefen produzieren Lipide für Kosmetika

Unter anderem für Kosmetika werden Lipide genutzt, die industriell von Hefen hergestellt werden. Diesen Herstellungsprozess nehmen die Forscher im Projekt "MetaZyme" genau unter die Lupe. Es wird eine Nachwuchsgruppe eingerichtet, die grundlagenorientierte Forschungsansätze zum Zell-Stoffwechselweg der Hefe bearbeitet. Das Projekt ist - wie auch der Name - eine Verbindung aus Metabolit- und Enzymkinetik-Forschung. Die Arbeitsgruppe wird neue Methoden entwickeln, um deutlich verbesserte kinetische Modelle für Stoffwechselwege zu erhalten. Alle beteiligten und bislang unbekannten Enzyme und Transporter, sowie Metabolite im Lipidstoffwechselweg der Hefe sollen dazu identifiziert und charakterisiert werden. Die Etablierung der notwendigen Techniken ist Teil des Projekts. Durch die Analyse wird ein detailliertes Modell der Lipid-Biosynthese in der Hefe erstellt. "Dadurch können wir Veränderungen simulieren und neue Ansatzpunkte finden, die wir zur Entwicklung von besseren Hefestämmen mittels genetischer Veränderungen nutzen können", erklärt Ansgar Poetsch.

Fitte Bakterien lassen sich nicht stressen

Das zweite Projekt ist Teil des Verbundvorhabens "FlexFit: Verbesserung der Flexbilität und Fitness von Corynebacterium glutamicum für die industrielle Produktion". Das untersuchte Bakterium wird industriell dazu genutzt, durch Fermentation L-Lysin herzustellen, eine Aminosäure, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss und vor allem als Tierfuttermittelzusatz verwendet wird. Zusammen mit dem Co-Antragsteller Dr. Christian Trötschel untersucht die AG von Dr. Poetsch Proteinschäden in C. glutamicum und deren physiologische Rolle. Solche Schäden treten z.B. bei Sauerstoff-Stress (oxidativem Stress) auf und können die Fermentationsergebnisse negativ beeinflussen. Durch den Einsatz von Methoden der Proteomik sollen die Art der Schäden und die geschädigten Proteine identifiziert werden. Ausgehend von den Ergebnissen lassen sich Bakterienstämme mit verbesserter Fitness konstruieren. Beide Projekte werden in Zusammenarbeit mit der Firma Evonik Degussa GmbH durchgeführt.

Weitere Informationen

Dr. Ansgar Poetsch, Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen der Ruhr Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28419, ansgar.poetsch@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften