Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF Think-Tank fordert eine engere Verknüpfung von Pflanzen-, Ernährungs- und Gesundheitsforschung

17.12.2010
Mangelernährung und ungesunde Ernährung sind globale Herausforderungen unserer Zeit. Der Pflanzenforschung wird oftmals eine zentrale Rolle in der Lösung dieser globalen Probleme zugeschrieben. Doch der Kampf gegen den Hunger erfordert ebenso wie die Eindämmung der ernährungsbedingten Erkrankungen ein breites Spektrum von sich ergänzenden Maßnahmen. Diese müssen in neuen, interdisziplinären Ansätzen von Forschung und Entwicklung erarbeitet und aufeinander abgestimmt werden. Zu diesem Schluss kommen die Teilnehmer des BMBF-Fachforums „Pflanzenforschung, Ernährung & Gesundheit“, das am 15. und 16. Dezember in Berlin stattfand.

Auf Initiative der BMBF-Fördermaßnahme „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“ und des BioÖkonomieRats diskutierten am 15. und 16. Dezember Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und Politik Forschungsansätze zur Lösung globaler Ernährungs- und Gesundheitsprobleme. Im Rahmen verschiedener Vorträge und Workshops wurden Erkenntnisse der Pflanzen-, Ernährungs- und Gesundheitsforschung in einen breiten wissenschaftlichen Kontext gestellt und Schnittstellen zwischen den Forschungsfeldern definiert.

Aspekte der Nachhaltigkeit flossen ebenso in die Diskussion ein wie gesellschaftliche und ethische Fragestellungen. Die Experten betonten, dass es zur Lösung der anstehenden Herausforderungen notwendig sei, ganzheitliche und interdisziplinäre Forschungsansätze zu etablieren, die internationale Zusammenarbeit zu stärken sowie die Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auszubauen.

Die Pflanzenforschung steht vor enormen Herausforderungen: Zum einen muss sie Lösungen finden, um den steigenden Nahrungsmittelbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen und damit Hunger und Mangelernährung zurück zu drängen. Zum anderen kämpfen Industrieländer und zunehmend auch Schwellen- und Entwicklungsländer mit den Folgen von Überernährung bzw. anderen ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten. Diesen widersprüchlichen Anforderungen kann die Pflanzenforschung nur gerecht werden, wenn sie die externe Expertise der Ernährungs- und Gesundheitsforschung in die eigenen Forschungsansätze einbezieht. „Damit können mögliche Synergieeffekte zwischen Pflanzen-, Ernährungs- und Gesundheitsforschung frühzeitig genutzt werden“, erklärt Dr. Nils Stein, Pflanzenforscher am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben.

Die Ernährungsforscher forderten eine verbesserte Verbraucheraufklärung. Professor Dr. Hans-Georg Joost, Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, verweist in diesem Zusammenhang auf die Komplexität des Themas: „Um zu verstehen, warum Ernährungsempfehlungen bislang schwer umzusetzen sind, benötigen wir eine bessere Kenntnis darüber, welche Mechanismen die Nahrungsauswahl beeinflussen“.

Bislang hatte die Ernährungsforschung in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem das Image einer „Versorgungswissenschaft“. Für die globale Sicherung einer gesunden Ernährung bleibt dies auch weiterhin so. „In hochentwickelten Gesellschaften mit Problemen der Fettsucht und den Folgeerkrankungen wird die Ernährungsforschung in Neubestimmung Teil der Gesundheitsforschung. In diesem neuen Auftrag bewegt sich die Ernährung in das Zentrum der Lebenswissenschaften. Wie diese nutzt sie die Genetik, Molekular- und Zellbiologie zum besseren Verständnis der Wechselwirkungen zwischen dem menschlichen Genom und der Ernährungsweise, auch in Hinblick auf die damit verbundenen Erkrankungen“, so Professor Dr. Hannelore Daniel, Ernährungsphysiologin an der Technischen Universität München.

Die anwesenden Wissenschaftler forderten eine ganzheitliche Betrachtung der komplexen Beziehung zwischen Pflanzenforschung, Ernährung und Gesundheit. Alle Akteure der Wertschöpfungskette, von der landwirtschaftlichen Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung von Lebensmitteln, müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen. Hierbei sei eine stärkere Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft essentiell. Um Hunger und Fehlernährung auf globaler Ebene einzudämmen, reiche nach Ansicht der Experten eine erhöhte Agrarproduktion allein nicht aus.

Um den Bedarf an gesunden Lebensmitteln auch langfristig zu sichern, müsse die Landwirtschaft und die Ernährungsindustrie zukünftig noch effizienter, ressourcenschonender und umweltverträglicher wirtschaften. Dass diese mit dem Schutz der Biodiversität und dem Umwelt- und Klimaschutz ebenso vereinbar sein sollten wie mit einem angemessenen Einsatz von Ressourcen, ist ein weiteres wichtiges Ergebnis des Fachforums. Das Leitbild einer nachhaltigen Landwirtschaft ist für die Ernährungssicherung in den Entwicklungs- und Schwellenländern ebenso wichtig wie für die intensive Landbewirtschaftung in den Industrieländern. Zudem müsse eine breite gesellschaftliche Debatte zur Technologieoffenheit angestoßen werden, betonten die Teilnehmer des Diskussionsforums.

Mit der Veranstaltung „Pflanzenforschung, Ernährung, Gesundheit“ fand bereits das zweite Fachforum statt, das die Pflanze als Lebensbasis begreift und die Pflanzenforschung mit anderen Forschungsbereichen verknüpft, um Lösungsansätze für herausragende Probleme unserer Zeit zu finden. „Mit unserer Forschung übernehmen wir auch international Verantwortung für die Welternährung, die Rohstoff- und Energieversorgung aus Biomasse sowie den Klima- und Umweltschutz. Die Fachforen erlauben durch ihren interdisziplinären Ansatz eine ganzheitliche Betrachtung der Herausforderungen Ernährung und Gesundheit. Sie liefern wichtige Impulse für nachhaltige Lösungsansätze“, betont Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF anlässlich der Veranstaltung. Die Foren sind dabei zugleich Diskussionsplattform und Ideengeber. Unter Federführung des BMBF ist es gelungen, auch Vertreter des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für die Denkfabrik „Pflanzenforschung, Ernährung, Gesundheit“ zu gewinnen.

Kontakte

Pflanzenbiotechnologie der Zukunft
Dr. Dirk Büssis
Geschäftsstelle Pflanzenforschung
c/o Max-Planck-Institut für Molekulare
Pflanzenphysiologie Potsdam
Am Mühlenberg 1
14476 Potsdam
Tel. 0331-56 78 301
Mail: buessis@mpimp-golm.mpg.de
Web: http://www.gabi.de
BioÖkonomieRat
Dr. Claus Gerhard Bannick
Geschäftsstelle des BioÖkonomieRats
Charlottenstraße 35-36
10117 Berlin
Tel. 030 - 76 77 18 910
Mail: bannick@biooekonomierat.de
Web: http://www.biooekonomierat.de
Fördermaßnahme „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“
Die Fördermaßnahme „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“ baut auf den Ergebnissen des Genomforschungsprogramms GABI auf. Es wird im Rahmen einer "Public-Private-Partnerschaft" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammen mit der Privatwirtschaft finanziert. Zahlreiche Unternehmen von Familienbetrieben bis zu globalen Konzernen beteiligen sich weit über ein finanzielles Engagement hinaus aktiv an Forschungs- und Entwicklungsprojekten. „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“ steht als Leuchtturm auch für eine international erfolgreiche Zusammenarbeit.

Weitere Informationen zu „Pflanzenbiotechnologie der Zukunft“ unter: http://www.gabi.de und http://www.pflanzenforschung.de

Zum BioÖkonomieRat
Der BioÖkonomieRat ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung zu Fragen der Bioökonomie. Ihm gehören Experten aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, der Ressortforschung des Bundes und der privatwirtschaftlichen Forschung an. Der Rat ist bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) angesiedelt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) unterstützt. Er erarbeitet seine Gutachten und Stellungsnahmen unabhängig und vertritt sie eigenverantwortlich.

Weitere Informationen unter: http://www.biooekonomierat.de

Dr. Dirk Büssis | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.biooekonomierat.de
http://www.pflanzenforschung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscherteam der Universität Bremen untersucht Korallenbleiche
24.04.2017 | Universität Bremen

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung