Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutkrebs: Risikofaktor dominant vererbbar

24.01.2011
Die Arbeitsgruppe um Professor Michael Pfreundschuh und Dr. Sandra Grass am Universitätsklinikum Homburg/Saar haben den ersten molekularen Risikofaktor für das Plasmozytom, einer bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks, identifiziert.

Bei Risikopatienten liegt eine Veränderung im Erbgut vor, die bewirkt, dass das Eiweiß namens „Paratarg-7“ in abgewandelter Form gebildet wird. Dieses veränderte Paratarg-7 verursacht das krankhafte Wachstum von Plasmazellen – den Blutkrebs. Die Mediziner konnten zeigen, dass Paratarg-7 als Risikofaktor dominant vererbbar ist. Ihre Untersuchungen wollen sie nun auf weitere ethnische Gruppen ausweiten.

Das Plasmozytom, auch Multiples Myelom genannt, ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, die durch ein unkontrolliertes Wachstum von Plasmazellen entsteht. Plasmazellen gehören dem Immunsystem an. Sie produzieren Antikörper gegen vermeintlich fremde oder kranke Partikel im Körper. Zu einer bösartigen Entartung dieser Zellen kommt es vermutlich, indem bestimmte Eiweiße, so genannte Antigene, im Körper verändert vorliegen und das Immunsystem andauernd stimulieren.

Ein solches gefährliches Stimulans scheint das Eiweiß Partag-7 zu seine. Die Arbeitsgruppe um Dr. Sandra Grass und Professor Michael Pfreundschuh konnten erstmals zeigen, dass bei etwa 15 Prozent der untersuchten Plasmozytom-Patienten Antikörper vorliegen, die spezifisch gegen dieses Eiweiß gerichtet sind. Weitere Untersuchungen haben ergeben, das bei Plasmozytom-Patienten das Paratarg-7 gegenüber dem gesunder Personen verändert ist: Es trägt eine zusätzliche Phosphatgruppe. Für Träger dieses Eiweißes besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plasmozytom zu erkranken. Damit ist das veränderte Paratarg-7 der erste molekulare Risikofaktor, der für die Entstehung des Plamozytoms identifiziert werden konnte.

Familienanalysen zeigen, dass Menschen mit einem veränderten Paratarg-7-Molekül diese Eigenschaft dominant an ihre Kinder vererben. Damit liefern die Ergebnisse der Homburger Mediziner auch eine Erklärung für das familiär gehäufte Auftreten von Plasmozytomen.

Gefördert durch die Wilhelm Sander-Stiftung will die Arbeitsgruppe nun untersuchen, ob sich entsprechende Ergebnisse auch bei anderen ethnischen Gruppen, wie etwa bei Afrikanern oder Japanern, zeigen. Des Weiteren wollen die Mediziner klären, ob Paratarg-7 auch bei ähnlichen Blutkrebsformen wie dem Immunozytomen (Morbus Waldenström) eine Rolle spielt. Im Interesse steht dabei auch, ob das Eiweiß bei den jeweiligen Patienten – wie im Falle der Plasmozytom-Patienten – eine zusätzliche Phosphatgruppe trägt und somit verändert vorliegt. Durch weitere Familienanalysen in den jeweiligen Patientengruppen soll dann geklärt werden, ob auch bei diesen Blutkrebsarten das veränderte Paratarg-7 dominant vererbt wird. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen könnten das Wissen um die Entstehung des Morbus Waldenström beziehungsweise des Immunozytoms und des Plasmozytoms wesentlich erweitern und gegebenenfalls sogar zur Entwicklung von vorbeugenden Maßnahmen führen, die die Entstehung dieser Erkrankungen verhindern könnten.

Nachdem bei Brust- und Darmkrebs schon längere Zeit Gene bekannt sind, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen, stellt der in der Arbeitsgruppe von Professor Pfreundschuh identifizierte Risikofaktor Paratarg-7 erstmals einen entsprechenden Hinweis für bösartige Blutkrankheiten dar. Künftig könnte bei Familienmitgliedern viel besser unterschieden werden, bei wem ein erhöhtes Erkrankungsrisiko vorliegt und bei wem nicht.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 130.00 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Die Projektleiterin Frau Sandra Grass arbeitet als Assistenzärztin in der Abteilung Klinik für Innere Medizin I, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und Infektionsmedizin zusammen mit Herr Dr. rer. nat. Klaus-Dieter Preuss, unter der Leitung von Herrn Professor Michael Pfreundschuh (Klinikdirektor) im Labor des Jose-Carreras-Zentrums.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Sandra Grass: sandra.grass@uniklinikum-saarland.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise