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Blütenduft ist von Insekten abgekupfert

12.03.2010
Pflanzen nutzen Sexual- und Abwehrsignale aus dem Tierreich

Der Blütenduft, den wir Menschen so schätzen, ist in Wahrheit das Ergebnis der Kopie der chemischen Kommunikation der Insekten durch die Pflanze. Diese schützt sich damit vor Fressfeinden und lockt Bestäuberinsekten an, berichtet Florian Schiestl von der Universität Zürich in der Fachzeitschrift "Ecology Letters". "Bisher wusste man, dass etwa Orchideen Sexualpheromone gezielt einsetzen. Derselbe Mechanismus dürfte jedoch für das gesamte Pflanzenreich gelten", so der Studienautor im pressetext-Interview.

Schiestl analysierte die flüchtigen Signalmoleküle - sogenannte Pheromone - von 96 Pflanzen- und 87 Insektenfamilien. Dabei zeigten sich wesentliche Parallelen in den chemischen Substanzgruppen der Monoterpene und Aromate. Monoterpene kommen außer bei Pflanzen bei pflanzenfressenden Insekten in der Verteidigung vor, Aromate bei Bestäuberinsekten als Sexuallockstoffe. "Blüten dürften somit Aromaten zum Anlocken der Bestäuber und Monoterpene zum Abschrecken der Fressfeinde einsetzen", schließt der Forscher.

Ergebnis der Evolution

Erklärbar sei dieses Phänomen durch die Evolution. "Einige kleine Moleküle kommen im primären Stoffwechsel sowohl bei Pflanzen als auch bei Insekten ident vor. Lockt die Ausbildung eines bestimmten Moleküls einer Pflanze mehr Bestäuber an oder schreckt Feinde ab, so wird dieses wegen des Erfolgs infolge der natürlichen Variation und Selektion im Laufe der Generationen stärker ausgebildet." Da Blütenpflanzen mit 130 Mio. Jahren wesentlich jünger seien als Insekten, dürften die Pflanzen die Insektenkommunikation kopiert haben und nicht umgekehrt.

Der Duft einer Blüte ist allerdings sehr viel komplexer als der eines einzigen Signals eines Insekts, gibt Schiestl zu bedenken. "Das Duftgemisch soll viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Für die Pflanze ist die Blüte der wertvollste Teil, da er die Samen produziert. Entsprechend gut verteidigt sie diesen Schatz und sorgt dafür, dass die Bestäubung erfolgt", erklärt der Züricher Biologe. Oft seien es auch die Abschreckmittel Tarpene, die vom Menschen als wohlriechender Duft wahrgenommen werden.

Duft für neue Medikamente

Die Bedeutung pflanzlicher Pheromone für den Menschen geht jedoch weit über die wohltuende Duftfunktion hinaus. "Auf dem pflanzlichen Abwehrmechanismus, der zum Beispiel auch gegen Pilze und andere Krankheitserreger wirkt, basiert etwa die Bachblüten-Therapie. Ebenso verwenden Kerzen, die Mücken fernhalten sollen, oft pflanzliche Substanzen." Jedoch auch für die Pharmaindustrie seien Pflanzendüfte ein Sammelsurium für neue Medikamente. "Da es so viele Pflanzen gibt und diese verschiedenste Düfte entwickelt haben, steht uns noch ein riesiges Ideenpool zur Verfügung", betont Schiestl.

Originalartikel unter http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/123317315/HTMLSTART?CRETRY=1&SRETRY=0

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

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