Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blockade des Immunsystems brechen - neue Ansätze zur Glioblastomtherapie

24.05.2013
Glioblastome zählen zu den bösartigsten Hirntumoren. Trotz modernster Behandlungsmethoden bricht die Erkrankung meist wieder aus.

Ein Grund dafür ist, dass das Umfeld des Tumors, Forscher sprechen von Mikromilieu, das Immunsystem blockiert. Auf der Tagung „Brain Tumor 2013“ im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch berichtete Prof. Michael Platten (Universitätsklinikum Heidelberg und Deutsches Krebsforschungszentrum, DKFZ) über neue Forschungsansätze, die die Blockade des Immunsystems durchbrechen, es aktivieren und die Hirntumore bekämpfen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 4 500 Menschen an einem Glioblastom, dem häufigsten Hirntumor bei Erwachsenen. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie haben Betroffene häufig nur eine geringe Überlebenszeit von ein bis zwei Jahren. Wissenschaftler und Kliniker suchen deshalb nach neuen Möglichkeiten, diese Hirntumore besser behandeln zu können.

Vor kurzem hatte Prof. Platten einen neuen Stoffwechselweg in besonders aggressiven Glioblastomen entdeckt. Zusammen mit seinen Mitarbeitern konnte der Neurologe und Forscher in Krebszellen von Mäusen und Patienten zeigen, dass die Aminosäure Tryptophan – ein überall im Körper vorkommender und mit der Nahrung aufgenommener Proteinbaustein – im Mikromilieu von Glioblastomen zu so genannten Kynureninen abgebaut wird. „Diese Kynurenine lähmen das Immunsystem und hindern es daran, gegen den Tumor vorzugehen“, erläuterte Prof. Platten auf der Tagung in Berlin. Sie aktivieren darüber hinaus den Dioxinrezeptor, der eine Kaskade in Gang setzt, die letztlich das Wachstum der Glioblastome ankurbelt. Die Heidelberger Forscher identifizierten auch das Schlüsselenzym (Tryptophan-2,3-Dioxygenase, TDO), das Tryptophan zu Kynureninen abbaut.

Zwei Angriffspunkte
„Unsere Arbeiten zeigen zwei mögliche Angriffspunkte für neue Therapien“, sagte Prof. Platten. Zum einen wollen wir das Schlüsselenzym TDO blockieren, um zu verhindern, dass es Tryptophan zu Kynureninen abbaut. Inhibitoren dieses Schlüsselenzyms sind in der präklinischen Entwicklung.“ Zum anderen suchen Prof. Platten und seine Mitarbeiter nach Substanzen, die in der Lage sind, den Dioxinrezeptor zu blockieren.

Klinische Studie für Impfung in Vorbereitung
Doch nicht nur die Hemmung des fatalen Stoffwechsels von Tryptophan im Tumorumfeld haben die Forscher im Auge. Sie arbeiten auch an der Entwicklung einer Impfung gegen Vorstufen von bestimmten Glioblastomen, den niedergradigen und anaplastischen Astrozytomen. In diesen Tumoren ist das Protein Isozitratdehydrogenase 1 (IDH1) häufig verändert (mutiert). Die Mutation besteht darin, dass eine Aminosäure ihren Platz wechselt. Dieses mutierte Protein (IDHR132H) ist dann in allen Tumorzellen nachweisbar, nicht aber in anderen Körperzellen.

Prof. Platten und seine Mitarbeiter konnten zeigen, dass das Immunsystem bei einigen Patienten mit Astrozytom das mutierte Protein erkennt und spezifische Abwehrzellen aktiviert und Antikörper bildet. Bei Mäusen löste eine Impfung gegen das mutierte Protein eine gezielte Reaktion des Immunsystems aus und stoppte das Wachstum der Tumoren mit IDH1R132H. In Berlin wies Prof. Platten in diesem Zusammenhang darauf hin, dass seine Abteilung für Neuroonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg und das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen am DKFZ im Rahmen des Deutschen Konsortiums für translationale Krebsforschung (DKTK) eine klinische Studie zur Impfung von Patienten mit Astrozytomen vorbereitet, deren Krebszellen diese Mutation haben.

An dem zweitägigen Kongress, der am 22. Mai begonnen hatte, nehmen rund 200 Wissenschaftler aus China, Europa, Lateinamerika und den USA teil. Organisatoren der Tagung sind Prof. Helmut Kettenmann vom MDC, Prof. Rainer Glaß vom Klinikum der Universität München, Prof. Frank Heppner und PD Dr. Michael Synowitz von der Charité - Universitätsmedizin Berlin sowie Prof. Jürgen Kiwit (HELIOS Kliniken GmbH). Ziel der seit dem Jahr 2000 in zweijährigen Rhythmus veranstalteten Fortbildungstagung ist es, den Austausch zwischen Grundlagenforschern und Klinikern zu fördern, um die Tumortherapie zu verbessern.

Kontakt:
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
E-Mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Michael Platten
Ltd. Oberarzt, Neurologische Klinik, Abteilung Neuroonkologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Nationales Zentrum für Tumorerkrankungen Klinische Kooperationseinheit Neuroimmunologie und Hirntumorimmunologie Deutsches Krebsforschungszentrum INF 400
69120 Heidelberg
Sekretariat: Silvana Caruso
Tel.: +49 (0) 6221 56 - 71 07
Fax: +49 (0) 6221 56 - 75 54
E-Mail: silvana.caruso@med.uni-heidelberg.de

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten