Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bioökonomie: Insektenmehl als nachhaltiges Aquakultur-Futter

19.04.2017

Rund die Hälfte des weltweit verzehrten Fisches stammt schon jetzt aus Aquakultur. Doch um die Ökosysteme zu entlasten, muss die Fischzucht dringend nachhaltiger gestaltet werden. Eine große Rolle spielen alternative Futtermittel, die auf Fischmehl und Fischöl aus Wildfang verzichten. Eiweißreiche Insektenlarven haben dafür großes Potenzial. Doch neue Ansätze müssen technisch und wirtschaftlich tragfähig sein, um sich durchzusetzen. Daher wird das Zuchtkonzept für die „Schwarze Soldatenfliege“ (Hermetia illucens) des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) jetzt im BMBF-Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“ mit rund 48.000 Euro gefördert.

„Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege können mit organischen Reststoffen ernährt werden, zum Beispiel Abfällen und Nebenprodukten aus der Landwirtschaft. Bisher ungenutzte Nährstoffe werden so recycelt und einem intelligenten Stoffkreislauf zugeführt, der sich an der Natur orientiert“, erklärt Projektleiter Martin Tschirner, der in der IGB-Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur an alternativen Proteinfuttermitteln forscht.


Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) haben großes Potenzial für alternatives Aquakultur-Futter.

Foto: Pixabay

Auf Basis des IGB-Forschungswissens soll in der jetzt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Sondierungsphase von „InProSol – Innovative Protein Solutions“ ein tragfähiges Grundkonzept für die wirtschaftliche Großproduktion von insektenbasierten Futtermitteln entwickelt werden.

Analysiert wird dafür der gesamte komplexe Herstellungsprozess, unter anderem durch ein neues Input-Output-Berechnungsmodell. Am Projektende wird ein Anforderungskatalog stehen, der zum Beispiel die Standortanalyse, Produktionstechnik, Produktaufbereitung und Stoffstromplanung berücksichtigt.

Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltverträglichkeit werden verknüpft

„Gelingt die großskalige Produktion von Insektenmehl, dann erhalten wir ein nachhaltiges Futtermittel mit dauerhafter Verfügbarkeit, kontrollierter Qualität und Sicherheit sowie stabilen Preisen“, erklärt Prof. Dr. Werner Kloas, Leiter der IGB-Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur. „Hier können Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit im Sinne der Bioökonomie ideal verknüpft werden.“

Neben den Futtermitteln gebe es zudem Nebenprodukte, die wirtschaftlich interessant seien, ergänzt Tschirner: „Das Restsubstrat kann als organischer Dünger vermarktet werden, das gewonnene Insektenöl ist auch für technische Anwendungen geeignet.“

Schnittfläche von Forschung, Wirtschaft und Politik wird gestärkt

Entwickeln sich Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse sowie die europäische Rahmengesetzgebung weiter positiv, soll die IGB-Produktidee auch kommerziell verwertet werden. Ebenso sollen die Kernergebnisse den politischen Akteuren als evidenzbasierte Entscheidungsgrundlage für die weiteren Strategien in der Bioökonomie dienen.

Bei der wirtschaftlichen Verwertung und Politikberatung wird das Vorhaben von der IGB-Transferstelle unterstützt. Mit diesem Bioökonomie-Projekt baut das IGB sein Engagement an der Schnittfläche von Forschung, Wirtschaft und Politik weiter konsequent aus.

Ansprechpartner:

Martin Tschirner
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur
E-Mail: tschirner@igb-berlin.de
Telefon: +49 (0)30 64181-683

Über den BMBF-Ideenwettbewerb:

Mit der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ soll Deutschland zu einem führenden Forschungs- und Innovationsstandort in der Bioökonomie entwickelt werden. Die Bioökonomie verfolgt die Vision einer nachhaltigen bio-basierten Wirtschaft und umfasst alle Bereiche, die biologische Ressourcen produzieren, verarbeiten oder nutzen. Um die Möglichkeiten zu identifizieren und zu erschließen, die der Wandel zu einer Bioökonomie für die Entwicklung neuer Produkte bietet, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“ aufgelegt.

Über das IGB:

www.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://www.igb-berlin.de IGB-Website
http://www.igb-berlin.de/news/biooekonomie-insektenmehl-als-nachhaltiges-aquakul... Ausführliche IGB-Pressemitteilung

Johannes Graupner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften