Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biomedizinische Pionierarbeit zur Trockenlagerung von Zellen und Gewebe

25.03.2014

Wissenschaftler erforschen neue Methode, um Biomaterial zu konservieren

Ein Forschungsteam am Institut für Mehrphasenprozesse (IMP) der Leibniz Universität Hannover arbeitet an neuen Wegen, um Zellen und Gewebe von Säugetieren in getrocknetem Zustand in Bio-Banken dauerhaft einzulagern.

Ziel ist es, das Biomaterial für therapeutische medizinische Anwendungen jederzeit abrufbar zur Verfügung stellen zu können. Das Projekt ist Teil des Exzellenzclusters REBIRTH (From Regenerative Biology to Reconstructive Therapy) und läuft in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Es wird von der CORTISS-Stiftung mitfinanziert.

Gängig ist bislang das Verfahren, Zellen und Gewebe bei Niedrigsttemperaturen von unter -130 Grad Celsius unter Einsatz von flüssigem Stickstoff einzulagern. Von dieser Methode möchten sich die Medizin und medizintechnische Wirtschaftsunternehmen lösen. Die Vorteile von trocken gelagerten Biomaterialien bei Raumtemperatur liegen auf der Hand: Der Energieeinsatz zum Erzeugen von Flüssigstickstoff und zum Betreiben großer Kühlgeräte entfällt. Lagermöglichkeiten für Biomaterialien bei Raumtemperatur lassen sich nahezu überall einrichten.

Wenn es gelingt, Zellen und Gewebe in getrocknetem Zustand bei Raumtemperaturen dauerhaft einzulagern, ohne dass sie bis zu ihrem therapeutischen Einsatz Schaden nehmen, hätte das große praktische Vorteile: Nimmt man beispielsweise das Blut aus Blutspenden und kann es in trockenem Zustand einlagern, ohne die Blutzellen zu beschädigen, könnten Patienten ihr eigenes Blut für einen Einsatz im Notfall bei sich tragen.

Prof. Wim Wolkers und sein Team arbeiten am Institut für Mehrphasenprozesse (Institutsleiterin Prof. Dr.-Ing. Birgit Glasmacher) aktuell an Methoden, Herzklappenmatrices trocken einzulagern, ohne dass dieses Gewebe beschädigt wird. Die REBIRTH-Kooperationspartner von der MHH, die Arbeitsgruppe „Tissue-engineered Valves“ unter der Leitung von Dr. Andres Hilfiker in der Abteilung von Prof. Axel Haverich, konzentrieren ihre Forschung darauf, diese Herzklappengewebe von Zellen zu befreien.

Das dient dazu, möglichen Abstoßungsreaktionen von Implantaten bei Patienten vorzubeugen. In diese von Zellen befreiten Gewebestrukturen sollen nach Implantation neue spendereigene Zellen einwachsen. Diese Biomaterialien dienen Herzpatienten, bei denen die eigenen Herzklappen nicht richtig schließen, als Herzklappenersatz. Wenn sich körpereigene Zellen an der implantierten Klappenmatrix richtig anlagern, kann sich das Herzklappengewebe anschließend regenerieren. Im Tierversuch wird zu untersuchen sein, ob trocken gelagertes Biomaterial genauso gut zu verwenden ist wie nicht getrocknetes oder das in Stickstoff tiefgefrorene.

Die Forschung am IMP läuft in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen Cook General BioTechnology (Dr. Erik Woods). Gemeinsam sollen Methoden der Gefriertrocknung zum Einlagern von Stammzellen erforscht werden. Das Unternehmen plant, sich auf die Trockenlagerung von Zellen und Geweben zu konzentrieren und die Gefrierlagerung in Flüssigstickstoff aufzugeben. In einer weiteren Kooperation mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule (Prof. Harald Sieme) werden momentan zudem auch Methoden der Gefriertrocknung von Spermien erforscht.

Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Wim Wolkers unter Telefon +49 511 762 19353 oder per E-Mail unter wolkers@imp.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise