Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologisches Pestizid tötet Heuschrecken

09.06.2009
Zuckerverbindung setzt Immunsystem von Schädlingen außer Kraft

Eine Insektenplage ganz ohne giftige Chemikalien abzuwehren - das gelang Forschern des Massachusetts Institute of Technology. In der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten sie von einer Methode, mit der sie Termiten so manipulierten, dass deren Immunsystem tödliche Bakterien- und Pilzkrankheiten nicht länger abwehren konnte. Zum Einsatz kam dabei ein Zuckermolekül, das in der Natur vorkommt und bereits lange als Zusatzstoff von Lebensmitteln verwendet wird.

Anstoß für diese Entwicklung gab Grundlagenforschung rund um die Immunität der Insekten. Die Forschergruppe um Ram Sasisekharan untersuchte dazu spezielle Proteine, mit denen Termiten ihre Nester vor Pilzen und Bakterien schützen. Nähert sich ein derartiger Krankheitserreger dem Nest, wird dieser von den Proteinen zerkleinert, was auch die Immunabwehr der Termiten aktiviert. Schaltet man dieses Schutzprotein aus, haben die Termiten gegen Erreger keine Chance und sterben. Das gelang den Forschern, mit Hilfe einer in der Natur vorkommenden Zuckerverbindung, dem sogenannten Glucono-1,5-lacton. Einige Tage nachdem man die Termiten im Labor diesem Zucker ausgesetzt hatte, waren sie alle an Infektionen gestorben, im Gegensatz zu den nicht verzuckerten Tieren, denen ein doppelt so langes Weiterleben beschieden war.

Glucono-1,5-lacton ist ein Zusatzstoff für Lebensmittel (E 575), der in Wurstwaren, im Backpulver wie auch allgemein bei Nahrung als Säuerungsmittel vorkommt. Es ist billig, biologisch abbaubar und somit eine attraktive Alternative zu chemischen Pestiziden, zumal bisher keine unerwünschte Nebenwirkungen bekannt sind. Denn nur bestimmte Arten verfügen über den Abwehrmechanismus, der durch das Zuckermolekül ausgeschaltet wird, unter anderem Termiten, Heuschrecken und Kakerlaken. Nützliche Insekten wie Ameisen, andere Tiere oder Pflanzen bleiben jedoch verschont. Auch der Mensch könnte davon profitieren, da die heute verbreiteten Pestizide neben den Insekten auch ihm Schaden zufügen und beispielsweise die Spermaqualität von Männern mindern (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090119024/).

Die Anwendungsgebiete der Zuckerverbindung scheinen groß. Sie könnte Gebäude vor Termiten schützen, wenn man sie in Baumaterialien oder Malfarben integriert. Auf von Heuschrecken- und Termitenpest geplagten Feldern könnte man es versprühen, auch ein gezielter Einsatz in der Nahrungsverarbeitung und Lagerung ist laut Sasisekharan denkbar. Der umweltfreundliche Schutz vor Insektenplagen ist schon lange überfällig, denn allein der durch Termiten verursachte Ernte- und Hausschaden beträgt weltweit jährlich 30 Mrd. Dollar.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://web.mit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wegbereiter für Vitamin A in Reis
21.07.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Pharmakologie - Im Strom der Bläschen
21.07.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten