Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bioinformatiker simulieren erfolgreich Anlagerungsprozess zweier Proteine

24.11.2008
In weltweit führender Fachzeitschrift ausgezeichnet

Saarbrücker Bioinformatiker haben zum ersten Mal den spontanen Anlagerungsprozess zweier Proteine im molekularen Bereich am Computer simuliert.

Für diese Arbeit wurden Mazen Ahmad und Wei Gu aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Volkhard Helms geehrt. Die Fachzeitschrift Angewandte Chemie hat den Artikel kürzlich unter die besten 10 Prozent der eingereichten Arbeiten eingestuft; die 3-D-Grafik erhielt den Status eines Innen-Titelbildes. Die Simulation solcher molekularer Interaktionen kann beispielsweise zum Verständnis der Entstehung von Krebs beitragen.

Die Bioinformatik arbeitet eng mit den Lebenswissenschaften Biologie, Medizin und Pharmazie zusammen. Die dort in sehr großer Zahl anfallenden Daten tragen Bioinformatiker zusammen und simulieren auf dieser Grundlage am Computer Prozesse, die sonst einzelne, von Menschen durchgeführte Experimente im Labor erfordern. Erst die Bearbeitung am Computer mit seiner enormen Rechenleistung ermöglicht dabei, die große Vielzahl von parallel laufenden Prozessen der Zelle abzubilden und deren Ergebnisse zu analysieren.

Die von der Arbeitsgruppe um Professor Helms ausgewählte Interaktion ist ein Prototyp für biologische Adhäsions-, also: Anlagerungs-Prozesse auf molekularer Ebene. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Regulierung zellulärer Prozesse. Simuliert wurde die Anlagerung eines Peptids an ein bestimmtes Eiweißmolekül, die so genannte SH3-Domäne (Src homology domain 3). Viele dieser Proteindomänen vermitteln Wechselprozesse zwischen zellulären Bausteinen. Störungen in den Wechselwirkungen mit der SH3-Domäne wurden bisher unter anderem mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht.

Durch Zugabe von kleinen Wirkstoffmolekülen kann jedoch die Bildung solcher Proteininteraktionen gezielt verhindert werden. Hierin liegt eine wichtige Bedeutung von Computersimulationen wie aus dieser Forschungsarbeit: Indem man nachvollzieht, wie diese "molekularen Türstopper" funktionieren, kann man gezielt in die komplizierten Netzwerke biologischer Zellen eingreifen, um Fehlfunktionen zu unterdrücken und gewünschte Interaktionen zu verstärken. An dieser Grundlagenforschung ist z.B. auch die Pharmaindustrie interessiert - bis zur Anwendung in einem bestimmten Medikament ist es dann allerdings noch ein Weg von vielen Jahren.

Kontakt:
Prof. Dr. Volkhard Helms
Zentrum für Bioinformatik
Tel. 0681 302-64164
E-Mail volkhard.helms@bioinformatik.uni-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie