Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biodiversitäts-Hotspot in Flammen

12.01.2017

Die tropischen Anden Südamerikas sind eines der wichtigsten Zentren der biologischen Vielfalt unseres Planeten. Dabei hebt sich besonders die Grenzregion zwischen Ecuador und Peru hervor. Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit wüteten Ende 2016 dort, im Norden Perus, verheerende Waldbrände. Wissenschaftler des Nees-Instituts für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn erforschen seit Jahren gemeinsam mit lokalen Kollegen diese abgelegenen Gebiete. Im renommierten Journal „Nature“ veröffentlichten die Wissenschaftler des Nees-Instituts nun einen Weckruf an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft.


Das Tal von Kañaris im November 2014: Auch in dieser Gegend hat es 2016 großflächig gebrannt.

(c) Foto: Tim Böhnert

„Eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren kommen weltweit ausschließlich dort vor“, sagt Prof. Dr. Maximilian Weigend, Direktor der Bonner Botanischen Gärten, welcher selbst seit 20 Jahren regelmäßig Expeditionen in diese Region unternimmt. Für die Artenvielfalt des Gebietes befürchtet er aufgrund der Brände das Schlimmste. Eigentlich herrscht in den Wäldern ganzjährig feuchtes Klima. Selbst in der Trockenzeit bildet sich täglich Nebel, so die Forscher. Dies habe die Wälder über Jahrtausende vor Waldbränden geschützt.

Jedoch wurde die Region 2016 von einer der stärksten Dürren seit Jahrzehnten getroffen. Dabei handele es sich offenbar um eine Überlagerung des El Niño-Zyklus und der zunehmenden Erderwärmung, schreiben die Forscher. Bedingt durch die Trockenheit entstanden zwischen Oktober und Dezember 2016 hunderte von Waldbränden, die fast alle Reliktwälder betrafen und ganz oder zumindest teilweise zerstörten.

Mehrere Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Landesweit wurden über 12.000 Hektar Wald zerstört. Große Feuer wüteten in Naturschutzgebieten im Norden Perus, wie dem Nationalpark Cerros de Amotape, dem Schutzwald Pagaibamba und dem Schutzgebiet Laquipampa. Auch der Nationalpark Cutervo, das älteste Naturschutzgebiet des Landes, wurde ein Opfer der Flammen.

Wenige Hektar große Waldfragmente beherbergen einzigartige Spezies

Wissenschaftler nennen das am stärksten betroffene Gebiet aufgrund seiner Lage „Amotape-Huancabamba-Zone“. Die Natur besteht dort aus einem Mosaik von offenen Grasflächen und dichten, geschlossenen Wäldern. Diese Waldstücke sind oft nur wenige Hektar groß und beherbergen Pflanzenarten, welche nur in einem einzigen dieser Waldfragmente vorkommen.

„Im November 2014 haben wir eine wissenschaftliche Exkursion zusammen mit peruanischen Kollegen in das große Waldgebiet bei Sinchihual gemacht und umfangreiche Sammlungen mitgebracht. Wir haben so viele unbekannte Arten gefunden, dass wir bis heute deren wissenschaftliche Beschreibung noch nicht abgeschlossen haben“, erklärt Prof. Weigend. Dieser Wald ist seit November 2016 von der Erdoberfläche verschwunden. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass einige der neu entdeckten Arten nun ausgestorben sind“, fürchtet Dr. Jens Mutke, welcher die Verbreitung andiner Pflanzen erforscht.

„Eine eingehendere Untersuchung der letzten Wälder dieser Region und gezielte Programme zur Wiederaufforstung mit dort heimischen Arten sind jetzt von größter Dringlichkeit“, sagt Prof. Weigend. Die Brände dürften, obwohl sie nur wenige Wochen gewütet haben, viele dieser äußerst seltenen und kaum erforschten Pflanzenarten ausgerottet oder zumindest an den Rand des Aussterbens gebracht haben. Dies könnte einer der ersten Fälle sein, wo die menschgemachte Erderwärmung direkt das Aussterben einer Vielzahl von Arten innerhalb weniger Monate zur Folge hatte, lautet die Einschätzung der Wissenschaftler.

Publikation: Save last cloud forests in western Andes, Nature: Correspondence, DOI: 10.1038/541157e

Weitere Informationen:

Mutke, J., Jacobs, R., Meyers, K., Henning, T. & Weigend, M. (2014) Diversity patterns of selected Andean plant groups correspond to topography and habitat dynamics, not orogeny. Frontiers in Genetics, 5. http://dx.doi.org/10.3389/fgene.2014.00351

Weigend, M. (2002) Observations on the Biogeography of the Amotape-Huancabamba Zone in Northern Peru. Botanical Review, 68: 38–54. http://dx.doi.org/10.1663/0006-8101(2002)068[0038:OOTBOT]2.0.CO;2

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Maximilian Weigend
Universität Bonn
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen
Tel. 0228/732526
E-Mail: mweigend@uni-bonn.de

Dr. Jens Mutke
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen
Tel. 0228/732124
E-Mail: mutke@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.nasa.gov/image-feature/goddard/2016/fires-still-heating-up-ecuador-an... Die NASA hat am 22.11.2016 die Brände in Ecuador und Peru mit einem Satelliten-Bild dokumentiert

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen
20.09.2017 | Veterinärmedizinische Universität Wien

nachricht Molekulare Kraftmesser
20.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik