Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biochemiker der Saar-Uni entwickeln ein Superenzym

31.01.2013
Seit Jahrhunderten setzen die Menschen bei der Herstellung von Bier und Käse auf Biotechnologie. Sie nutzen dazu Enzyme von Bakterien und Hefen.

Auch heute setzt die Industrie zum Beispiel bei der Herstellung von Arzneimitteln auf Enzyme. Forscher um Biochemie-Professorin Rita Bernhardt von der Saar-Universität arbeiten in einem neuen Forschungsprojekt an einem Superenzym, das Produkte effizienter umsetzen soll.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben für drei Jahre mit etwa 1,3 Millionen Euro. Neben Biochemikern und Bioinformatikern der Saar-Uni sind auch Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie der Universität Leipzig beteiligt.

„Bei Enzymen handelt es sich um Proteine, die eine biochemische Reaktion katalysieren“, erklärt Biochemie-Professorin Rita Bernhardt, die das neue Forschungsprojekt koordiniert. Bei vielen biotechnologischen Prozessen, die in der Industrie zum Einsatz kommen, spielen Enzyme eine entscheidende Rolle. Wie im menschlichen Stoffwechsel auch sind meist mehrere Enzyme an komplexeren Prozessen beteiligt. So finden sich in Waschmitteln beispielsweise verschiedenen Typen von Enzymen, die Fette oder Eiweiße abbauen und so helfen, Schmutzrückstände zu entfernen.

Zusammen mit Saarbrücker Bioinformatikern um Privatdozent Michael Hutter und Wissenschaftlern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Professor Vlada Urlacher) sowie der Universität Leipzig (Professor Roger Gläser) wollen die Biochemiker um Bernhardt ein Superenzym herstellen. Das Enzym soll aus vielen Untereinheiten bestehen und mehrere Reaktionen parallel katalysieren. Damit die Industrie den Enzymkomplex besser handhaben kann, soll er auf einer speziellen Oberfläche aufgebracht werden.

Um effizient zu arbeiten, benötigen viele Enzyme außerdem sogenannte Koenzyme. Diese kleinen Moleküle haben oft ein sehr niedriges Reduktionspotential, das heißt, sie sind energiereich. Diese gespeicherte Energie können solche Koenzyme auf das Enzym übertragen, das so eine bestimmte biochemische Reaktion katalysieren kann. Damit das Enzym fortlaufend arbeiten kann, muss das Koenzym aber wieder „Energie tanken“.

Dies tut es, indem es Elektronen oder Protonen aufnimmt. Hier wollen die Saarbrücker Wissenschaftler und ihre Kollegen ansetzen und die Koenzyme in einer Art Käfig einsperren. „Der Enzymkomplex soll so gebaut sein, dass sich die Koenzyme möglichst schnell regenerieren können, um für die biochemische Reaktion wieder zur Verfügung zu stehen“, berichtet Bernhardt. „Auf diese Weise könnten biotechnologische Prozesse in der Industrie deutlich optimiert werden.“

Rita Bernhardt und ihr Team forschen bereits seit Jahren in der Enzymologie. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt für drei Jahre mit insgesamt 1,3 Millionen Euro, wovon über 600.000 Euro an die Saar-Uni gehen. Zum Projektstart treffen sich die Beteiligten am 5. Februar auf dem Saarbrücker Campus.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Rita Bernhardt
Lehrstuhl für Biochemie
Tel.: 0681 302 4241
E-Mail: ritabern(at)mx.uni-saarland.de

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie