Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biber-Multikulti in Deutschland: Senckenberger befürworten Vermischung verschiedener Bibervorkommen

16.05.2014

Wissenschaftler des Forschungsinstituts Senckenberg haben mittels genetischer Methoden die Populationsstruktur von Bibern in Mitteleuropa untersucht. Molekulargenetische Analysen konnten erstmals zeigen, dass sich Biber verschiedener Herkunft erfolgreich vermischen und dabei eine erhöhte genetische Vielfalt im Vergleich zu reinen Reliktpopulationen aufweisen. Die Biologen befürworten diese Vermischung und stellen gleichzeitig die bisherige Unterteilung in Unterarten für Mitteleuropa in Frage. Die zugehörige Studie ist in der Fachzeitschrift PLoS ONE erschienen.

Sie bauen Burgen und Dämme, fällen Bäume und sind die größten Nagetiere Europas: Nachdem der Biber Mitte des 20. Jahrhunderts kurz vor der Ausrottung stand, sind die Nager nun in mehreren Teilen Deutschlands wieder auf dem Vormarsch.


Der Biber ist wieder da! Die Nager sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch.

Christof Angst


Ein Europäischer Biber – ob West- oder Ostlinie sieht man den Tieren nicht an.

Christof Angst

„Durch die Einstellung der Biberjagd, verschiedene Wiederansiedlungsprojekte und Schutzmaßnahmen konnten die Biber in Deutschland wieder Fuß fassen“, erklärt Erstautorin der Studie Christiane Frosch, die im Senckenberg Forschungsinstitut in Gelnhausen ihre Doktorarbeit angefertigt hat. Dabei hat sie 235 Biberproben aus fünf ausgewählten Regionen in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg und Belgien mit verschiedenen genetischen Methoden untersucht.

Der invasive Nordamerikanische Biber Castor canadensis konnte lediglich in den Grenzgebieten von Rheinland-Pfalz, Belgien und Luxemburg nachgewiesen werden. Dr. Robert Kraus, Mitautor der Studie ergänzt: „Mit einem intensiven Management in diesen Regionen sollte der Nordamerikanische Biber dort aber in Kürze nicht mehr in freier Wildbahn anzutreffen sein.“

Der eingewanderte Biber ist etwas größer, als sein europäischer Verwandte Castor fiber und steht im Verdacht seinen Artgenossen aus dessen Lebensraum zu verdrängen.

Die Taktik zur Wiederansiedlung und zum Management der nagenden Vegetarier sollte aber den neuen Erkenntnissen angepasst werden, sagen die Gelnhäuser Biologen.

„Unsere Untersuchungen in Mitteleuropa zeigen, dass in allen Gebieten die ursprünglich ansässige Westlinie dominiert“, erläutert Frosch. Bisher war man davon ausgegangen, dass auch zahlreiche Tiere der Ostlinien durch Wiederansiedlungsprojekte aus Russland zur heutigen Population beigetragen haben. Die molekulargenetischen Untersuchungen bestätigen jedoch, dass in vielen Gebieten Europas Biber der westlichen Linie – aber verschiedener Herkunft – ausgewildert wurden.

„Kein wirkliches Problem“, meint Kraus, „die Unterarten können sich uneingeschränkt mischen und unsere Forschung zeigt, dass diese Mischung sogar zu einer höheren Vielfalt im Erbgut der Tiere führt.“

Die Empfehlung, nur ursprünglich ansässige Biberunterarten anzusiedeln, halten die Senckenberger deshalb für überholt: „In Hessen wurden beispielsweise 18 Elbebiber aus der deutschen Reliktpopulation ausgewildert. Unsere Studie zeigt, dass die Tiere dieser Region die geringste genetische Diversität aufweisen und damit einem erhöhten Inzuchtrisiko ausgesetzt sind“, erklärt Frosch.

Die Wissenschaftler empfehlen vielmehr ein Überdenken des derzeitigen Biber-Managements: „Es gibt keinen Grund Eurasische Biber verschiedener Herkunft im Untersuchungsgebiet zu trennen oder deren Vermischung zu vermeiden, im Gegenteil scheint die Vermischung sogar Vorteile mit sich zu bringen.“ Außerdem sollte diskutiert werden, ob eine Unterscheidung in „Unterarten“ – zumindest für Biber in Mitteleuropa – überhaupt sinnvoll ist, resümiert Frosch.

Kontakt
Christiane Frosch
Forschungsinstitut Senckenberg Gelnhausen
Tel. 069- 20791820
Christiane.Frosch@senckenberg.de

Dr. Carsten Nowak
Forschungsinstitut Senckenberg Gelnhausen
Tel. 06051- 61954-3122
Carsten.Nowak@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Frosch C, Kraus RHS, Angst C, Allgöwer R, Michaux J, et al. (2014) The Genetic Legacy of Multiple Beaver Reintroductions in Central Europe. PLoS ONE 9(5): e97619. doi:10.1371/journal.pone.0097619

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Weitere Informationen:

http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=5206&year=0&kid=2&i...

Judith Jördens | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics