Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besserer Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

28.09.2016

HZI-Wissenschaftler und Kliniker forschen gemeinsam, um Vorsorgestrategien für Infektionen mit humanen Papillomviren anzupassen

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Einige Virentypen können Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten verursachen. Braunschweiger Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) kooperieren jetzt in einer neuen Studie mit der Frauenklinik des Klinikums Wolfsburg, um ein HPV-Typ-spezifisches Modell für den Krankheitsverlauf von HPV-Infektionen zu entwickeln.


Modell eines humanen Papillomvirus

Quelle: Petry

Dazu werden klinische Daten aus großen populationsbasierten Studien der Frauenklinik in Zusammenarbeit mit einer epidemiologischen Arbeitsgruppe vom HZI ausgewertet. Die Studie wird von der Niedersächsischen Krebsgesellschaft mit 15.000 Euro gefördert und soll es zukünftig erlauben, die Vorsorge- und Screeningstrategien für HPV-Infektionen anzupassen.

Humane Papillomviren sind eine Gruppe von DNA-Viren, die Zellen der Haut und verschiedener Schleimhäute befallen und diese zu unkontrolliertem Wachstum treiben können. Bisher sind über 150 HPV-Typen bekannt. Sogenannte Niedrigrisiko-Typen verursachen vorwiegend harmlose Genitalwarzen, Hochrisiko-Typen können bei lang anhaltender Infektion Gebärmutterhalskrebs auslösen.

„Es ist nach aktuellen Untersuchungen sehr wahrscheinlich, dass die meisten Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses auf HPV-Infektionen beruhen, die vor dem 30. Lebensjahr erworben wurden. Später ist die Gefahr einer Neuinfektion relativ gering“, sagt Prof. Dr. Karl Ulrich Petry, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Wolfsburg.

Diese Ergebnisse stammen aus einem HPV-Screening-Pilotprojekt, welches seit 2006 am Klinikum Wolfsburg mit bisher 23.000 Teilnehmerinnen läuft. Seit 2009 koordinierte Petry außerdem zwei große epidemiologische Studien mit 2300 Frauen in Wolfsburg. Durch den dabei durchgeführten HPV-Test kann man feststellen, ob eine Frau mit Viren aus der Hochrisiko-Gruppe infiziert ist. Bei diesen Frauen ist es statistisch wahrscheinlicher, dass sich Veränderungen des Gebärmutterhalses entwickeln oder bereits vorliegen, die zu einer Krebsvorstufe oder Krebs führen könnten.

Bisher sind die genauen Zeitabläufe der HPV-Infektion für die meisten Genotypen aber noch ungeklärt. In der neuen Kooperation zwischen dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und der Frauenklinik in Wolfsburg wollen die Wissenschaftler jetzt untersuchen, wann Neuinfektionen mit den unterschiedlichen HPV-Genotypen in Abhängigkeit vom Alter erworben werden.

Zudem analysieren die Wissenschaftler, ob verschiedene Risikofaktoren, zum Beispiel das Alter, Tabakkonsum oder die Anzahl der Kinder, eine Infektion begünstigen könnten. „Wenn wir die Dynamik besser verstehen, mit der HPV-Infektionen je nach Genotyp zu Krebsvorstufen führen, können wir die Präventions- und Screeningstrategien anpassen“, sagt Petry.

„Durch die Wolfsburger Kohortenstudien haben wir eine hervorragende Datenbasis für eine epidemiologische Auswertung erhalten“, sagt Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe Epidemiologische und statistische Methoden am HZI. „Mit diesen klinischen Daten können wir jetzt den natürlichen Krankheitsverlauf einer HPV-Infektion simulieren und die Entwicklung der Krebsvorstufen und deren Voranschreiten gut abbilden.“

Die HZI-Arbeitsgruppe greift dabei auf umfangreiche Erfahrungen in der dynamischen Modellierung der potenziellen Auswirkungen der Impfung gegen humane Papillomviren zurück. Die Arbeiten wurden im Rahmen eines vom Robert-Koch-Institut geförderten Projektes durchgeführt. Die Ergebnisse stützten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Nun geht es den Forschern darum, den effektiven HPV-Test und die HPV-Impfung in einer sinnvollen Empfehlung zu kombinieren. „Das fertige HPV-Modell wird es uns erlauben, optimale Zeitpunkte für Screening-Untersuchungen und HPV-Impfungen festzulegen“, sagt Petry. „Dadurch wird es möglich sein, Gebärmutterhalskrebs in ein bis zwei Generationen in Europa weitestgehend auszuradieren. Die Ergebnisse aus der neuen Studie werden dazu beitragen.“

„Wir fördern diese sinnvolle Studie, weil sie ein exzellentes Beispiel dafür ist, wie Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz in die Klinik transportiert werden kann – für zukünftige präventive Maßnahmen“, sagt Prof. Jörn Hilfrich, Vorstandsmitglied der Niedersächsischen Krebsgesellschaft e.V.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. www.helmholtz-hzi.de

Die Niedersächsische Krebsgesellschaft e.V. wurde 1950 von Landespolitikern,
Ärzten, Vertretern von Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern gegründet.
Sie ist Mitglied der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), der größten wissenschaftlich-
onkologischen Fachgesellschaft in Deutschland, mit Sitz in Berlin. Die
wichtigsten Aufgaben und Ziele der Niedersächsischen Krebsgesellschaft umfassen
die Prävention und Aufklärung, Beratung und Information, Förderung der
Forschung und Qualitätssicherung sowie die Unterstützung von Krebsselbsthilfegruppen
und Krebsberatungsstellen in Niedersachsen.

Hintergrundliteratur:

Luyten A, Buttmann-Schweiger N, Luyten K, Mauritz C, Reinecke-Lüthge A, Pietralla M, Meijer CJ, Petry KU. Early detection of CIN3 and cervical cancer during long-term follow-up using HPV/Pap smear co-testing and risk-adapted follow-up in a locally organised screening programme. Int J Cancer. 2014 Sep 15;135(6):1408-16. DOI: 10.1002/ijc.28783. Epub 2014 Feb 27.

Petry KU, Luyten A, Justus A, Iftner A, Strehlke S, Reinecke-Lüthge A, Grunwald E, Schulze-Rath R, Iftner T. Prevalence of high-risk HPV types and associated genital diseases in women born in 1988/89 or 1983/84--results of WOLVES, a population-based epidemiological study in Wolfsburg, Germany. BMC Infect Dis. 2013 Mar 13;13:135. DOI: 10.1186/1471-2334-13-135.

Horn J, Damm O, Kretzschmar ME, Deleré Y, Wichmann O, Kaufmann AM, Garbe E, Krämer A, Greiner W, Mikolajczyk RT. Estimating the long-term effects of HPV vaccination in Germany. Vaccine. 2013 May 1;31(19):2372-80. DOI: 10.1016/j.vaccine.2013.03.006. Epub 2013 Mar 18.

Weitere Informationen:

https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/besserer...- Link zur Pressemitteilung

Susanne Thiele | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kieselalge in der Antarktis liest je nach Umweltbedingungen verschiedene Varianten seiner Gene ab
17.01.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

nachricht Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau