Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magdeburger und Züricher Forscher stellen in Nature Neuroscience ihre gemeinsamen Ergebnisse vor

11.12.2007
In der renommierten Fachzeitschrift Nature Neuroscience 10, 1515 - 1517 (2007) stellen Magdeburger und Züricher Forscher um Prof. Dr. Dr. Georg Northoff von der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Magdeburg ihre neuesten Ergebnisse bei der Untersuchung neurochemischer Vorgänge unter Anwendung verschiedener Verfahren der funktionellen Bildgebung vor.

Perspektivisch könnten sich aus diesen Erkenntnissen neue Ansätze für die Diagnose und Therapie affektiver Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen oder Angsterkrankungen, ergeben.

Zunächst einmal haben die Wissenschaftler um Georg Northoff die Aktivität bestimmter Hirnareale im Verlaufe einer emotionalen Aufgabe - die Wahrnehmung und Beurteilung von emotionalen Bildern - unter Einsatz der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) bei gesunden Probanden untersucht. Dabei fanden sie so genannte negative Signalveränderungen, die auch negative BOLD-Effekt (NBE) genannt werden, in einer speziellen Region, dem perigenualen anterioen zingulären Kortex (PACC).

Anschließend haben sie bei genau denselben gesunden Probanden in genau derselben Region, dem PACC, die Konzentrationen von verschiedenen neurochemischen Metaboliten unter Einsatz der Magentresonanzspektroskopie (MRS) gemessen. Bei diesen handelte es sich u.a. um GABA, ein Überträgerstoff im Gehirn, der vorwiegend hemmende Wirkung auf die neuronale Aktivität ausübt, sowie um Glutamat und Glutamin, die vor allem eine erregende bzw. exitatorische Wirkung auf die neuronale Aktivität ausüben. Dabei fanden Georg Northoff und seine Kollegen einen direkten Zusammenhang zwischen der Konzentration von GABA im perigenualen anterioren zingulären Kortex und dem Ausmaß der negativen Signale in genau derselben Region unter emotionaler Stimulation. Im Unterschied dazu fand sich weder ein Zusammenhang von Glutamat und Glutamin noch von anderen Substanzen, wie z.B. Aspartat, mit der neuronalen Aktivität im perigenualen anterioren zingulären Kortex.

Zusammenfassend legen diese Befunde nahe, dass die im fMRT gerade in diesen Regionen beobachteten negativen Signaleffekte möglicherweise direkt in einem Zusammenhang mit GABA und somit mit einer Hemmung der Hirnaktivität stehen. Je stärker die negativen Signalveränderungen sind, desto stärker offenbar auch die neuronale Hemmung. Die vorliegenden Ergebnisse tragen somit erheblich zu einer Aufklärung der bisher nur wenig bekannten neurochemischen Mechanismen der negativen Signalveränderungen im fMRT bei.

Darüber hinaus ergänzen die vorliegenden Befunde Untersuchungen bei Tiermodellen, in denen gezeigt wurde, dass die neuronale Aktivität in dieser Region speziell durch GABA-erge Substanzen wie z.B. Benzodiazepine moduliert werden kann. Hieran anknüpfend tragen die vorliegenden Befunde auch zu einem besseren Verständnis von affektiven psychiatrischen Erkrankungen bei. Tiermodelle zeigten, dass Veränderungen von GABA-Rezeptoren in diesen Regionen zu einem stark ängstlichen Verhalten führt.

Zusammenfassend weisen die vorliegenden Befunde erstmals nach, dass offenbar ein direkter Zusammenhang zwischen der Konzentration von GABA und der durch emotionale Stimulation ausgelösten Signalveränderungen in diesen Regionen besteht. Eine Veränderung dieses Zusammenhanges könnte, so wird vermutet, ursächlich bei der Entstehung von affektiven Störungen, also Stimmungsstörungen, wie der Depression oder bei Angsterkrankungen, beteiligt sein. Schlussfolgernd aus diesen Erkenntnissen plant die Gruppe um Prof. Northoff, die weltweit von ihnen erstmalig durchgeführte Kombination der beiden Messtechniken, fMRT und MRS, auch bei Patienten mit diesen Erkrankungen einzusetzen. Die Neurowissenschaftler hoffen, dass sich daraus möglicherweise Aussagen zu neuen diagnostischen und therapeutischen Ansätzen und spezifischen Markern für die Diagnose und Therapie dieser Erkrankungen ergeben könnten.

Nähere Informationen unter: http://npgjournals.com/neuro/index.html

Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Georg Northoff
Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Magdeburg
Tel.: 0391-67 13479, -15029
Fax: 0391-67 15223
E-mail: georg.northoff@med.ovgu.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://npgjournals.com/neuro/index.html
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Berichte zu: GABA Kortex Nature Neuroscience Signalveränderungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik