Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biotopinseln in der Großstadt

22.09.2000


... mehr zu:
»Biotopinseln »Stadtrand
Durch die zunehmende Ausweitung von menschlichen Siedlungen und intensiv genutzten Flächen kommt es zu einer Verdrängung und Zerstückelung ursprünglich zusammenhängender naturnaher Lebensräume, die viele Tier- und
Pflanzenarten beherbergen. In einer sonst ungeeigneten Umwelt werden die verbleibenden Flächen zu kleinen Inseln, die für viele Tierarten schwer zu erreichen sind. Ein Beispiel dafür ist der öffentlich nicht zugängliche Garten des erzbischöflichen Priesterseminars in Köln, der mit seiner Grünfläche ein einzigartiges Rückzugsgebiet in der Innenstadt bildet. Erhöhte Schadstoffbelastung, hohe Nutzungsintensität, Stadtklima und Flächenversiegelung in der Stadt tragen mit dazu bei, das nur wenige Arten und Individuen einen Lebensraum in einer Stadt finden können. Dies ist das Ergebnis einer Studie über Laufkäfer, die von Beate Huckenbeck am Zoologischen Institut der Universität zu Köln durchgeführt wurde.

Biotopinseln in der Großstadt
Der Garten des Priesterseminars als Refugium

Der Garten des Priesterseminars ist eines der wenigen innerstädtischen Grundstücke in Köln, die bis heute offenbar nie bebaut waren. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mutmaßlich seit 1758, befindet sich hier eine mehrfach umgestaltete Gartenanlage. Diese historische Entwicklung stellt im Zusammenhang mit seiner für die Innenstadt ungewöhnlichen Größe (20.000 qm) eine Erklärung dar, warum nur an diesem Platz in der Stadt der bis zu drei cm große flugunfähige Goldlaufkäfer beobachtet wurde. Sonst kommt er nur am Stadtrand in Gärten oder auf freien Flächen wie den Feldern vor. Vermutlich lebt dieser Käfer bereits sehr lange in diesem innerstädtischen Garten, da diese Art den Garten nur "zu Fuß" erreichen kann. Er ist in seiner Besiedelungsart vergleichbar mit Lebensräumen am Stadtrand.

An elf verschiedenen Standorten, teils in der Innenstadt, teils am Stadtrand, bestimmte die Kölner Zoologin die Artenvielfalt. Darunter finden sich in der Innenstadt auch Plätze wie der Innenhof des Regierungspräsidiums und der Garten der Kaufhofverwaltung. Das Artenspektrum an diesen Orten ist eher gering. Trotzdem sind für einige wenige Spezies wie z.B. den Eilkäfer und den Ahlenläufer genügend Ressourcen vorhanden, um ihm dort ein Überleben zu ermöglichen.

Diese Vertreter sind besser an die in der Stadt herrschende Trockenheit angepasst und haben eine geringere Körpergröße als andere Arten, die in Stadtrandgebieten vorkommen. Insgesamt nimmt die Artenvielfalt der gefundenen Insekten mit zunehmender Entfernung vom Dom und damit der Innenstadt zu. Am Stadtrand finden sich auch solche Laufkäfer, die weitgehend flugunfähig sind und es deshalb schwer haben, abgegrenzte Biotope in der Innenstadt zu erreichen.

Die Erhaltung zahlreicher innerstädtischer Grünflächen, sowie deren reichhaltige Gestaltung sind nach Ansicht der Kölner Zoologin aus ökologischer Sicht unerlässlich. Grünanlagen in der Innenstadt sind wichtige Biotope zur nachhaltigen Entwicklung und Förderung einer artenreichen Fauna. Der Erhalt ursprünglicher Lebensräume in der Stadt wie den Garten des Priesterseminars ist ein sinnvolles Ziel, um ursprüngliche Lebensräume gegen den innerstädtischen Bebauungsdruck weiterhin zu bewahren.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Wolfgang Wipking unter der Telefonnummer 0221/470-3120, der Fax-Nummer 0221/470-6704 und unter der Email-Adresse Wolfgang.Wipking@uni-koeln.de
 zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm

Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Biotopinseln Stadtrand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

nachricht „Flora Incognita“ – Pflanzenbestimmung mit dem Smartphone
15.12.2017 | Technische Universität Ilmenau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

15.12.2017 | Medizin Gesundheit

Moos verdoppelte mehrmals sein Genom

15.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria

15.12.2017 | Informationstechnologie