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Sicher auf die sanfte Tour: Wie RUB-Forscher Plasmasterilisation zur Marktreife bringen

20.11.2007
Maßgeschneiderte Plasmen gegen hartnäckige Keime

Ein einziger Fall der Creuzfeld-Jakob-Erkrankung ließ eine kanadische Klinik gleich sämtliche 20 000 medizinischen Instrumente vernichten. Bis heute gibt es kein Verfahren, das die verseuchten Scheren, Pinzetten oder Skalpelle zuverlässig sterilisieren könnte. Erste Erfolge selbst gegen die äußerst resistenten Prionen erzielen jetzt Forscher des europäischen Projekts BIODECON mit der Plasmasterilisation.

Das vom Center for Plasma Science and Technology (CPST) der Ruhr-Universität koordinierte Projekt (Prof. Dr. Achim von Keudell, Experimentalphysik) fertigt Plasmareaktoren, entwickelt und charakterisiert Plasmaprozesse für neue Sterilisationsverfahren, die Biomoleküle und Bakterien vernichten und die empfindlichen Instrumente schonen sollen.

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Plasmasterilisation: weder heiß noch giftig

Mit minimalinvasiven Operationstechniken, teuren empfindlichen Instrumenten oder neuen biokompatiblen Kunststoffen steigen die Ansprüche an die Sterilisationsverfahren. Konventionelle Verfahren stoßen schnell an ihre Grenzen: Extrem hohe Temperaturen schädigen moderne Kunststoffe und Chemikalien greifen die Oberflächen an. Im Plasmarektor - ein Behälter, in dem ein Gas durch Energie-Zufuhr elektrisch angeregt und in seine Bestandteile/Teilchen zerlegt wird - ist die Wärmebelastung gering. Die auf die Instrumente auftreffenden Teilchen reagieren mit den Keimen und inaktivieren sie. Durch die Art und Weise der Plasmaerzeugung und das ausgewählte Gas können die Forscher Plasmen je nach Verwendungszweck quasi maßschneidern.

Erfolgreich im Labor: Prionen inaktiviert

Die extreme Resistenz von Prionen (Auslöser von BSE bei Rindern und Creutzfeld-Jakob-Krankheit beim Menschen) gegenüber allen herkömmlichen Sterilisationsverfahren fordert die Wissenschaft besonders heraus. BIODECON-Forscher (Decontamination of biological systems using plasma discharges) konnten jetzt mit der Plasmasterilisation in Laborversuchen erste Erfolge erzielen: Bereits nach einer Behandlungsdauer von zehn Minuten war ein spezifischer Marker (PrPres), der im infizierten Gewebe nachweisbar ist und daher ans "Anzeiger" für eine Prionen-Infektion genutzt wird, nicht mehr vorhanden. Die Wirkung des Sterilisationsverfahrens wird derzeit unter natürlichen Bedingungen überprüft.

Klären, wie es funktioniert

Einen wesentlichen Teil des Projektes nimmt die Identifizierung der Wirkmechanismen der Plasmasterilisation ein, die Voraussetzung dafür ist, dass die Methode durch die entsprechende Zulassungsbehörde validiert werden kann. Denn erst wenn nachgewiesen ist, welcher reaktive Bestandteil des Plasmas für die konkrete Inaktivierung anhaftender Keime (DNA-Strang-Brüche bis vollständige chemische Umwandlung des Pathogens) verantwortlich ist, kann das Verfahren zum Einsatz kommen. Dabei unterscheiden die Forscher je nach biologischem System für das die Plasmasterilisation zum Einsatz kommen soll: von Bakterien über fieberauslösende Biomoleküle (Pyrogene) bis hin zu den Prionen.

Alle Themen auf einen Blick

Naturwissenschaften: Sicher auf die sanfte Tour (Plasmasterilisation für den medizinischen Einsatz), Geisteswissenschaften: Damit das Wissen nicht in Rente geht (Personalentwicklung für den Mittelstand), Medizin: Wo bleibt der HIV-Impfstoff? (Die Immunabwehr gegen HIV-Infektionen aktivieren), Ingenieurwissenschaften: Wie Biogas in die Pipeline kommt (EU-Forschung für kleine und mittelständige Unternehmen); Facetten: In den Gräbern der Etrusker (Forschung für ein virtuelles Museum), Wasserstoff aus eigenem Anbau (Mikroalgen als Wasserstofffabriken), Trennen und Umwandeln (Strahlungszeitraum von nuklearem Abfall verkürzen), Nur ein paar Zellen (Pankreaskrebs frühzeitig erkennen), Die Molekulare Zaubertafel (Chemiker schreiben und lesen im Nanobereich), Jahrmarkt der Religionen (Europas religiöse Vielfalt), Europa geht unter die Erde (Das größte Tunnelbauprojekt, das es je gab), Das Hirn des Torwarts beim Elfmeter (Wie das Gehirn Bewegungsabläufe steuert); RUBIN im Netz: http://www.rub.de/rubin

Weitere Informationen

Prof. Dr. Achim von Keudell, Experimentalphysik, insbesondere Physik reaktiver Plasmen, Fakultät für Physik und Astronomie der RUB, Tel. 0234/32-23680, E-Mail: Achim.vonKeudell@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

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