Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Max-Planck-Forschungsgruppe Stammzellalterung gestartet

15.11.2007
Granit-Fliesen, Sichtbeton, viel Glas und edle Hölzer: "Die Architektur ist schon eine Besonderheit", sagt Professor Karl Lenhard Rudolph über das neue Forschungsgebäude der Universität Ulm. Anfang September hat der mit hohen Erwartungen berufene Stammzellforscher an der jüngsten Uni des Landes den Lehrstuhl für Molekulare Medizin übernommen.

Inzwischen hat er sich in dem attraktiven Neubau eingerichtet. Mehr noch: "Der Betrieb läuft, unsere Versuche sind schon im Gange", freut sich der von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach Ulm gewechselte Wissenschaftler, der hier eine Max-Planck-Forschungsgruppe zum Thema Stammzellalterung aufbauen soll. Der Anfang ist gemacht. Auch personell.

Nicht weniger als 16 Mitarbeiter hat er aus Hannover mitgebracht. Inzwischen sind es schon 22, Doktoranden vor allem, Postdocs und Technische Angestellte. Ein junges Team und mit ihrem gerade mal 38-jährigen Chef auf das ehrgeizige Ziel fixiert, die Ursachen der Stammzellalterung aufzuklären. Die molekularen Mechanismen dieses Prozesses vor allem als Basis für neue Lösungsansätze, eben diese Alterungsprozesse zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen und geschädigte Zellen zu regenerieren. "Daran werden wir wohl in den nächsten zehn Jahren arbeiten", vermutet Rudolph, der seine Ergebnisse schon seit langem in den renommiertesten internationalen Journalen publiziert.

Wie unlängst in der amerikanischen Fachzeitschrift "Cell" etwa, nur wenige Tage nach seinem Dienstantritt in Ulm übrigens. Thema dabei: Die Rolle der Dysfunktion der Telomere bei chronischen Erkrankungen. Jener spezifischen Nukleoproteinkomplexe also, die eine Art von Schutzkappen an den Enden von Chromosomen darstellen und die sich bei jeder Zellteilung verkürzen. Sie gelten, da wichtig für die Stabilität von Chromosomen, als wesentliche Strukturelemente der DNA.

Bekannt sei, dass die Telomere durch die Verkürzungen ihre Schutzfunktion verlieren, erklärt Rudolph, auch dass die DNA dadurch geschädigt werde. Aber was passiere als Folge der DNA-Schädigung? "Mit dem Exonuclease-1 haben wir ein Enzym identifiziert, das in der geschädigten DNA Signale aktiviert, die den programmierten Zelltod oder Seneszenz - einen irreversiblen Verlust der Teilungsfähigkeit- auslösen", so Professor Rudolph. Gelinge es indes, das Enzym auszuschalten, könne das Überleben der Zellen verlängert werden.

Demnach führe eine DNA-Schädigung als solche nicht unmittelbar zum Ende der Zelle. Vielmehr begrenze erst das Enzym die Überlebenszeit. Die Schlussfolgerung des Wissenschaftlers: "Im Prinzip ist es denkbar, dass eine Verminderung der Enzymaktivität die Lebensspanne von Zellen und damit den Organerhalt verlängert, die Regeneration im Alter und bei chronischen Erkrankungen verbessert."So könnte dieser Ansatz eine mögliche neue Therapie bei chronischen Erkrankungen darstellen.

Relevant ist dies insbesondere für teilungsaktive Organe, in denen adulte Stammzellen zu finden sind. Im Knochenmark etwa und in der Haut. Stammzellen gibt es allerdings auch in Organen, die keine oder nur wenig Zellteilungsaktivität aufweisen wie zum Beispiel im Gehirn, in der Leber oder in der Bauchspeicheldrüse. Dann könnte Rudolph zufolge auf den Einsatz embryonaler Stammzellen verzichtet werden. "Wir müssten nur die vorhandenen Stammzellen schützen und regenerieren."

Auch externe Experten sehen den Ulmer Wissenschaftler dabei auf einem viel versprechenden Weg. "Karl Lenhard Rudolph hat sich auf seinem Forschungsgebiet der Alterungs-, Regenerations- und Tumorforschung eine in Deutschland wohl unvergleichbar hohe Kompetenz und international anerkannte Reputation erworben", bescheinigte ihm die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften im Zusammenhang mit einer der zahlreichen Auszeichnungen, die er für seine Arbeiten bereits erhalten hat.

Keine Frage, dass der erste in Deutschland von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einer Heisenberg-Professur geadelte Wissenschaftler diese in Ulm erfolgreich fortsetzen will. "Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen", sagt Rudolph, "aber wir arbeiten daran, sie noch zu verbessern". Durch eine intensive Vernetzung mit verschiedenen klinischen Abteilungen zum Beispiel, aber auch durch gezielte Neuberufungen. In die von den Professoren Klaus-Michael Debatin und Simone Fulda geleitete Forschungsgruppe zum programmierten Zelltod (Apoptose) sei er bereits eingebunden, bei weiteren Gruppen arbeite er mit. "Zudem will ich mich beim Aufbau eines neuen Sonderforschungsbereiches mit engagieren". "Den brauchen wir unbedingt, er wäre enorm wichtig für Ulm", betont Professor Rudolph. Ausbauen wolle er überdies die internationale Zusammenarbeit. Bereits im Aufbau befindet sich Rudolph zufolge eine Partnergruppe in Peking.

Von großem Vorteil für seine Forschungsgruppe sei die Betreuung durch die Max-Planck-Gesellschaft. Deren Experten fungierten indes nicht nur als ständige Ansprechpartner: "Alle zwei bis drei Jahre werden sie unsere Arbeit auch evaluieren", weiß der Wissenschaftler. Abhängig von den Ergebnissen werde dann über die weitere Perspektive entschieden. Professor Karl Lenhard Rudolph jedenfalls sieht seiner Ulmer Mission zuversichtlich entgegen. Das gilt auch für die nächste Runde der Exzellenzinitiative: "In drei bis fünf Jahren wollen wir mit einem eigenen Projekt ins Rennen gehen."

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Berichte zu: DNA Enzym Max-Planck-Forschungsgruppe Stammzellalterung Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie