Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plankton: Klimaschutzhilfe mit erheblichen Risken

13.11.2007
CO2-Aufnahme durch Meeresplankton beschleunigt Versauerung der Tiefsee

Die Simulation des Ozeans der Zukunft sieht trotz der erheblichen CO2-Bindung alles andere als rosig aus. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel hat entdeckt, dass das Meeresplankton eine bis zu 39 Prozent erhöhte CO2-Aufnahme schafft. Allerdings ist diese unerwartete Hilfe im Klimaschutz mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen für die marinen Ökosysteme verbunden, wie das Forscherteam um den Biogeochemiker und Meeresbiologe Ulf Riebesell festgestellt hat. Die Wissenschaftler berichten darüber in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature".

Das Plankton - die mikroskopisch kleinen Organismen im Meer - erhöht seine CO2-Aufnahme mit steigenden Konzentrationen des Gases und trägt somit dazu bei, den Treibhauseffekt zu vermindern. "Eine verstärkte CO2-Aufnahme durch das Meeresplankton beschleunigt die Versauerung der tiefen Ozeane, führt dort zu verstärkter Sauerstoffzehrung und könnte die Qualität des Planktons als Grundlage im marinen Nahrungsnetz verschlechtern", so Riebesell gegenüber pressetext. "Ohne ein grundlegendes Verständnis des biologisch getriebenen Kohlenstoffkreislaufs im Meer und dessen Empfindlichkeit gegenüber Umweltänderungen lässt sich die Rolle des Ozeans im zukünftigen Klimageschehen nicht zuverlässig abschätzen", schließt der Forscher.

Die Kieler Meeresforscher haben gemeinsam mit ihren norwegischen Kollegen vom Bjerknes Centre for Climate Research in Bergen sowie vom Geophysical Institute der Universität Bergen Simulationen im Raune Fjord in neun Mesokosmen durchgeführt. In den zehn Meter tiefen Schläuchen haben sie die heutigen und die für 2100 und 2150 prognostizierten CO2-Werte simuliert. "Dem Plankton schmeckt das zusätzliche CO2", beschreibt der Forscher die simulierte Situation. Doch die Folgen des erhöhten CO2-Eintrags hatten das bisher als konstant angenommene Verhältnis von Phosphor, Stickstoff und Kohlenstoff gehörig verändert. Dieses so genannte Redfield-Verhältnis beschreibt die Anteile der atomaren Zusammensetzung vom maritimen Phytoplankton und beträgt 106 Mol Kohlenstoff zu 16 Mol Stickstoff zu einem Mol Phosphor. "Der Düngungseffekt ließ den Kohlenstoffanteil beträchtlich in die Höhe schnellen. Durch den erhöhten Kohlenstoffgehalt verbraucht das Plankton, wenn es zum Meeresboden absinkt und abgebaut wird, entsprechend größere Mengen an Sauerstoff. Die Folge wäre einerseits eine deutliche Versauerung auch jener Ozeanregionen, die bisher davon verschont geblieben sind, sowie eine deutliche Sauerstoffverringerung in der ohnehin sauerstoffarmen Tiefsee", so Riebesell. Die Folgen für die Ozeane und ihre Biodiversität könne man nicht abschätzen, subsumiert der Forscher.

"Die von uns erzielten Erkenntnisse sind in dieser Hinsicht vermutlich erst die Spitze des Eisberges", erklärt Riebesell, der damit rechnet, dass Forscher bald auf weitere biologisch getriebene Rückkopplungsprozesse stoßen werden, die den Ozean und seine Rolle im zukünftigen Klimageschehen nachhaltig beeinflussen könnten. Die Untersuchungen in Bergen sind im Rahmen des EU-Projekts CARBOOCEAN durchgeführt worden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.bjerknes.uib.no
http://www.carboocean.org

Weitere Berichte zu: CO2-Aufnahme Meeresplankton Ozean Plankton Versauerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Fighting drug resistant tuberculosis – InfectoGnostics meets MYCO-NET² partners in Peru

28.04.2017 | Event News

Expert meeting “Health Business Connect” will connect international medical technology companies

20.04.2017 | Event News

Wenn der Computer das Gehirn austrickst

18.04.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie