Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnell und erfolgreich: neue Technik in der Parasitenforschung

13.11.2007
Proteine von Krankheitserregern können gezielt auf- und abgebaut werden / Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg publizieren in "Nature Methods"

Wissenschaftler des Hygieneinstituts am Universitätsklinikum Heidelberg haben eine neue Technik erstmals erfolgreich an Parasiten angewandt, mit der sich Eiweißstoffe des Krankheitserregers gezielt und flexibel auf- und abbauen lassen. Mit Hilfe dieser bahnbrechenden Methode können Forscher innerhalb weniger Wochen zeigen, welche Funktion ein Protein im Lebenszyklus von Parasiten einnimmt. Die neue Technik beantwortet somit grundlegende Fragen der Parasitenforschung. Die Wissenschaftler können aber auch Eiweißstoffe ermitteln, die für den Krankheitserreger lebenswichtig sind und die sich somit als mögliche Angriffspunkte für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen eignen.

Die Arbeiten an Erregern der Toxoplasmose - eine auf den Menschen übertragbare Tierseuche - wurden jetzt, vorab online, in der bekannten Fachzeitschrift "Nature Methods" veröffentlicht. Sie standen unter Federführung von Dr. Markus Meißner, Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung Parasitologie und BioFuture-Preisträger, der mit durchschnittlich 1,5 Millionen Euro höchst dotierten Auszeichnung für junge Forscher in Deutschland. Die Ergebnisse entstanden in enger Zusammenarbeit mit einem zweiten BioFuture-Gewinner am Universitätsklinikum Heidelberg: Dr. Friedrich Frischknecht, ebenfalls Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung Parasitologie.

Auch bei Malariaparasiten funktioniert die neue Technik

... mehr zu:
»Eiweißstoff »Parasit »Protein

"Die Arbeiten bedeuten einen Durchbruch in der Analyse von essentiellen Proteinen in Parasiten des Stammes Apikomplexa, zu dem Toxoplasmose- und Malaria-Erreger gehören", erklärt Dr. Markus Meißner. Haben doch parallel Forscherkollegen aus den USA dieselbe Methode erfolgreich an Malariaparasiten angewandt und ebenfalls in "Nature Methods" veröffentlicht.

Bei der neuen Technik nutzen die Forscher gentechnisch veränderte Parasiten: Bei diesen ist das Protein, dessen Funktion untersucht werden soll, an ein zweites Protein gekoppelt. Im Doppelpack sind die Eiweißstoffe sehr instabil und werden nach kurzer Zeit abgebaut. Geben die Forscher jedoch eine chemische Substanz von außen hinzu, bindet diese an den Doppelpack und verleiht ihm Stabilität. Stabil oder nicht stabil - diese Effekte werden bereits nach einer Stunde deutlich. "Mit herkömmlichen Techniken braucht man dafür 12 bis 24 Stunden", erklärt Dr. Markus Meißner.

Ohne Aktivierungsprotein können Parasiten nicht in die Wirtszelle eindringen

Der Zeitgewinn ist bei Toxoplasmose essentiell: Außerhalb ihrer Wirtszelle überleben diese Parasiten nur wenige Stunden. "Mit Hilfe der neuen Technik können wir jetzt auch Prozesse außerhalb der Wirtszelle näher untersuchen. Wir wollen vor allem wissen: Welche Proteine braucht der Parasit, um von außen in seine Wirtszelle einzudringen?", sagt Dr. Markus Meißner.

Hier konnten die Forscher bereits dem ersten Eiweißstoff auf die Spur kommen: Ein "Aktivierungsprotein" (GTP-bindendes Protein) spielt eine Schlüsselrolle in der Signalweiterleitung innerhalb der einzelligen Parasiten. Ohne das Protein können sie nicht in die Wirtszelle eindringen.

BioFuture-Preisträger arbeiten sehr erfolgreich zusammen

Der Träger des BioFuture-Preises, einer Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, hat sein Preisgeld von rund 1,5 Millionen Euro erfolgreich in seine Forschungsarbeiten investiert. 2004 gehörte Dr. Markus Meißner, ebenso wie sein Kollege Dr. Friedrich Frischknecht, zu den Gewinnern, seitdem leiten beide ihre eigene Wissenschaftlergruppe.

"Wir arbeiten eng zusammen, gibt es doch bei Toxoplasmose- und Malariaparasiten viele Gemeinsamkeiten", sagt Dr. Meißner. Die Kooperation ist sehr erfolgreich: So konnten - unter Federführung von Dr. Frischknecht - mit Hilfe modernster Mikroskopietechnik im Nanobereich unbekannte Strukturen im Zellskelett beider Krankheitserreger entdeckt werden.

Kontakt:
Dr. Markus Meißner
Hygieneinstitut Heidelberg
Abt. Parasitologie
Im Neuenheimer Feld 324
69120 Heidelberg
Tel. 0 6221 / 56 65 18
E-Mail: markus.meissner@med.uni-heidelberg.de
Literatur:
Angelika Herm-Götz, Carolina Agop-Nersesian, Sylvia Münter, Joshua S Grimley, Thomas J Wandless, Friedrich Frischknecht & Markus Meissner : Rapid control of protein level in the apicomplexan Toxoplasma gondii. Published online: 11 November 2007 | doi:10.1038/nmeth1134
(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums
Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden.)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Eiweißstoff Parasit Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte