Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genom eines Tumors entschlüsselt

09.11.2007
Forscher hoffen auf neue therapeutische Ansätze

Einem internationalen Wissenschaftsteam um Matthew Meyerson vom Broad-Institute am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard Universität in Cambridge ist es erstmals gelungen, die genetischen Veränderungen eines humanen Tumors zu kartieren. Die Forscher konnten dabei die Anzahl der Genkopien auf den Chromosomen von normalen und entarteten Zellen miteinander vergleichen. Mitgestaltet und finanziert wurde das Projekt an dem auch Wissenschaftler aus Deutschland und Japan mitarbeiteten durch das National Human Genome Research Institute und durch das National Cancer Institute. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht.

"Diese Arbeit ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Vertiefung des Verständnisses über die Biologie von Krebserkrankungen", so Studien-Co-Autor Roman Thomas, Leiter einer selbstständigen Nachwuchsgruppe am Kölner Max-Planck Institut für Neurologische Forschung http://www.nf.mpg.de . "Die systematische Dechiffrierung des Krebsgenoms ist der erste Schritt zu diesem Verständnis." Da sehr viele unterschiedliche Tumore untersucht worden seien und das experimentelle Vorgehen auch sehr kleine Genveränderungen sichtbar gemacht habe, könnte sich diese Studie als Standard für weitere Untersuchungen etablieren, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft.

Das Forscherteam hat mehr als 500 Biopsieproben von Patienten mit einem Adenokarzinom der Lunge gesammelt und mit so genannten SNP-arrays untersucht. Diese Methode ermöglicht es, mithilfe von Sonden fast 250.000 Positionen auf dem Genom abzutasten. Neben bereits bekannten genetischen Veränderungen fanden die Wissenschaftler auch zahlreiche bisher unbekannte. Die Forscher konnten etwa eine hochgradige Vervielfältigung eines Gens namens TITF1 feststellen, das für einen Lungen-Entwicklungsfaktor kodiert. Genetisch veränderte Mäuse, denen TITF1 fehlt, weisen schwere Störungen in der Lungenentwicklung auf. Um die Funktion von TITF1 genauer zu verstehen, schalteten die Wissenschaftler es in den Tumoren mit einer erhöhten Anzahl an Kopien aus. Als Folge wuchsen die Tumorzellen schlechter und bildeten keine Kolonien mehr. Offenbar begünstigt die Vervielfältigung von TITF1 im Tumor das Tumorwachstum. Da diese Mutation in etwa zwölf Prozent der untersuchten Tumorproben vorhanden war, könnten einige Patienten mit einem Adenokarzinom der Lunge von einer therapeutischen Hemmung des TITF1-Gens profitieren.

... mehr zu:
»Adenokarzinom »Genom »Lunge »TITF1

An der Untersuchung nahmen Onkologen, Pathologen, Biostatistikern, Molekular- und Zellbiologen und Genomforscher teil. In einem ähnlich groß angelegten Projekt sollen in Zukunft bis zu 1000 menschliche Lungentumore genomweit untersucht werden. "Unser neues Konsortium baut ganz wesentlich auf den Erfahrungen der nun veröffentlichten Studie auf. Wir versprechen uns von der gemeinsamen Untersuchung klinischer und genetischer Variablen, Patienten in Zukunft gezielter behandeln zu können." Erklärtes Ziel ist es, die Genomforschung direkt ans Krankenbett zu bringen. Technologisch und konzeptionell sind die Weichen hierfür nun bereits gestellt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.broad.mit.edu
http://www.genome.gov
http://www.cancer.gov

Weitere Berichte zu: Adenokarzinom Genom Lunge TITF1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen