Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaft im Watt

21.07.2000


Hinter zwei Deichen liegt die Station mit

dem traditionellen friesischen Walnussbaum auf dem Hof. Foto:

bn


Aus dem Watt frisch unters Mikroskop: Der

Student Jens Waldeck untersucht die Proben, die er im Gelände

gesammelt hat. Foto: bn


... mehr zu:
»Organismus »Wattenmeer »Wattstation
Meeresbiologische Station der Universität Münster in Carolinensiel bietet bessere Arbeitsbedingungen

Biologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erforschen nicht nur die heimatlichen Rieselfelder, ein Schwerpunkt des Fachbereichs ist auch die Meeresforschung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Hilfreich dabei ist die eigene Wattstation in Carolinensiel, nördlichster Außenposten der Universität Münster, die nach Umbau und Erweiterung jetzt deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler und Studierende bietet.

Die Universität kaufte das Gelände 1970 und baute 1972 die erste Wattstation für zehn Personen. Nach einer ersten Hoch-Zeit der Station in den 70er Jahren platzte die Station in den 80er Jahren aus allen Nähten, als sich die Universität am Verbundprojekt "Ökosystemforschung Wattenmeer" beteiligte. Als Mitte der 80er Jahre der "Nationalpark Wattenmeer" eingerichtet wurde, fand sich die Station plötzlich in der am intensivsten geschützten Zone wieder und damit vom direkten Zugang zum Meer abgeschnitten. Inzwischen erfreut sich das Gebäude wieder steigender Beliebtheit, sowohl bei Universitätsangehörigen wie auch bei Gastwissenschaftlern, erläutert Dr. Hans Ulrich Steeger vom Institut für Zoophysiologie der Universität Münster, der die Wattstation verwaltet.

Durch einen Anbau wurde vor zwei Jahren Raum geschaffen, um auch gegenläufige Interessen befriedigen zu können, und außerdem die veraltete Geräteausstattung auf den neuesten Stand gebracht. Zum Beispiel die Meerwasseranlage, notwendig, um die gesammelten Proben aus dem Watt adäquat lagern zu können. Im neu ausgehobenen Keller stehen acht 650 Liter Wasser fassende Tanks, durch die das mit künstlichen Meersalzen angereicherte Wasser immer wieder gepumpt, gereinigt und auf eine der Nordsee entsprechende Temperatur gebracht wird. Die alte Anlage, in der Garage auf dem Hof untergebracht, konnte vor allem im Sommer das Wasser nicht genug herunterkühlen, was Kleintieren und Pflanzen nicht eben gut tat. Auch ein Nasslabor hat den Komfort wesentlich erhöht: So müssen jetzt die schlammspritzenden Eimer mit den Proben nicht mehr durch das ganze Haus geschleppt werden, sondern können bequem im gekachelten Raum aufbereitet werden.

Von Luxus ist die Station allerdings immer noch weit entfernt. So werden beispielsweise vier Studierende auf zusammen gut zwölf Quadratmetern untergebracht. Die Jugendherbergs-Betten stammen noch aus der Erstausstattung, aber immerhin konnten inzwischen neue Matratzen angeschafft werden. Selbstversorgung ist nicht nur in der Küche, sondern auch im Labor angesagt, denn Spezialgeräte, wie besonders hochauflösende Mikroskope, müssen die einzelnen Gruppen selber mitbringen.

Hier geht es nicht einfach nur darum, dass die Studierenden lernen, wie sie Wasserproben filtrieren oder Bakterienrasen auf Nährböden zum Wachsen bringen: "Wir wollen vor allem ein vernetztes Biotop zeigen, in dem der eine Organismus produziert, was der andere benötigt. Im Labor bekommen die Studierenden ja immer nur Rein-Kulturen zu sehen", erläutert Dr. Ingo Reiff, der eine Exkursion des Instituts für Mikrobiologie der Universität Münster unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Steinbüchel betreut.

Für Wissenschaft und Lehre beginnt die Saison in Carolinensiel im Frühjahr mit dem Beginn der Algenblüte. Wenn das Wasser durch die Frühjahrsstürme durchmischt und erwärmt wird, beginnt Leben zu brodeln, bilden Fischlarven, Krebse, Krabben, Pfeilwürmer, Manteltierlarven und einzellige Organismen wie die Protozoen einen Cocktail, dessen Schönheit sich nur dem Spezialisten unter dem Mikroskop erschließt. Das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Organismen lässt sich nur mit dem Biotop Regenwald vergleichen. Doch dort wird kaum neue Biomasse produziert, sondern fast nur recycelt. Anders im Watt: Es ist eine der produktivsten Lebenszonen, weil hier ständig Biomasse aus anorganischem Material aufgebaut wird.

Aber nicht nur Biologen nutzen die Wattstation für zoologische oder botanische Beobachtungen, auch Geographen, Chemiker oder Mediziner mieten sich hier ein, um fernab der Hochschule ungestört Tagungen und Seminare durchführen zu können. Die Kosten liegen für Universitäts-Angehörige bei sieben Mark pro Tag und Bett, die Meeresluft gibt es gratis dazu. Mitarbeiter der Universität können hier auch Urlaub machen, wenn gerade keine Studierenden oder Wissenschaftler die Station belegen.

Eine Station wie Carolinensiel ist in Deutschland fast einmalig, nicht einmal die Hochschulen an der Küste haben laut Steeger Vergleichbares vorzuweisen. Deshalb hofft er, mit den verbesserten Bedingungen auch verstärkt Wissenschaftler anderer Universitäten in die Wattstation der Universität Münster nach Carolinensiel locken zu können.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Brigitte Nussbaum |

Weitere Berichte zu: Organismus Wattenmeer Wattstation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie