Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH-Forscher finden "Schalter" von Stammzellen

01.11.2007
Eine genetische Grundlage der Selbsterneuerung des blutbildenden Systems entschlüsselt

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben gemeinsam mit portugiesischen Kollegen die Stammzell-Forschung des blutbildenden Systems vorangetrieben. Dank ihrer Arbeit, bei der sie die genetischen Grundlagen der Regeneration der Stamzellen erforschten, ergeben sich neue Angriffspunkte für die Entwicklung von Medikamenten oder gentherapeutischen Eingriffen.

Die Arbeit mit dem Titel "HOXB4's Fahrplan zur Stammzellexpansion" ist jetzt in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" veröffentlicht worden (http://www.pnas.org/cgi/content/full/104/43/16952).

Vorstufe aller Blutzellen sind adulte Stammzellen des blutbildenden Systems, die so genannten hämatopoetischen Stammzellen. Diese Stammzellen können sich entweder in reife Blutzellen differenzieren oder sich ständig selbst erneuern. Sie sind damit die Garanten der lebenslangen Blutbildung. Welchen Weg die Stammzellen einschlagen, hängt zum einen von der Aktivität bestimmter Gene in den Stammzellen selbst ab; zum anderen wird die Entscheidung gesteuert durch unterschiedliche Signale, die verschiedene Zellen in ihrer unmittelbaren Umgebung aussenden. Bisher sind nur wenige Gene bekannt, die wesentlich an der Regulation der Selbsterneuerung der blutbildenden Stammzellen beteiligt sind. Eines dieser Gene ist HOXB4 aus der so genannten Homeobox-Genfamilie. Genetisch modifizierte, veränderte Blutstammzellen der Maus mit erhöhter HOXB4-Dosis schlagen bevorzugt den Weg der Selbsterneuerung ein.

Dr. Bernhard Schiedlmeier und Dr. Hannes Klump aus der Abteilung Experimentelle Hämatologie der MHH ist es nun in Kooperation mit Wissenschaftlern der Arbeitsgruppe von Dr. Moises Mallo am Instituto Gulbenkian de Ciencia (Portugal) gelungen, erste Einblicke in die molekularen Mechanismen der Regeneration von Stammzellen zu erhalten, die vom HOXB4-Protein vermittelt werden.

Die Forscher konnten molekulare Schaltstellen identifizieren, über die das HOXB4-Protein wirkt. Dazu analysierten sie, welche Regenerationssignale von HOXB4 beeinflusst werden. Daraus ergeben sich Angriffspunkte für die Entwicklung von Medikamenten oder gentherapeutischer Eingriffe, um die Regeneration von Blutstammzellen klinisch nutzbar zu machen. "Das könnte für Patienten mit angeborenen oder erworbenen Störungen der Blutbildung von besonderem Interesse sein, weil gegenwärtig verfügbare Alternativen suboptimal oder sogar potenziell toxisch sind", sagt Professor Dr. Christopher Baum, Leiter der Abteilung Experimentelle Hämatologie der MHH.

Die Arbeit wurde mit einer Projektförderung der Deutschen Krebshilfe und durch das DFG-geförderte Exzellenzcluster Rebirth der MHH finanziert.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Bernhard Schiedlmeier, schiedlmeier.bernhard@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-9590.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/cgi/content/full/104/43/16952
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: MHH Medikament Regeneration Selbsterneuerung Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie