Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit vereinten Kräften gegen Schimmel

16.10.2007
Münstersche Forscher entwickeln gemeinsam mit Kollegen Nachweismethoden für Schimmelpilze in der Nahrung

Giftstoffe aus Schimmelpilzen geraten in unsere Nahrung, das lässt sich kaum vermeiden. So schimmelt Getreide bei ungünstigen Witterungsverhältnissen häufig bereits auf dem Feld, und die befallenen Ähren gelangen in die Nahrungskette.

Wissenschaftler des Instituts für Lebensmittelchemie der WWU Münster entwickeln in einem Gemeinschaftsprojekt mit Kollegen aus Dortmund und Bonn Nachweismethoden, mit denen der Pilzgiftgehalt in der Nahrung und in Futtermitteln bestimmt werden kann.

Es gibt viele verschiedene Pilzgifte, so genannte Mykotoxine, die für den Menschen mehr oder weniger schädlich sind. Ein besonders starkes Mykotoxin wird vom Mutterkorn-Pilz gebildet: Bei geringer Dosierung verursacht es schwere Bauchkrämpfe, in hoher Dosis führt es zum Tod. Der Pilz, der auf Getreide wächst und dabei die Form von Getreidekörnern annimmt, muss in einem aufwändigen Verfahren aussortiert werden, bevor das Getreide in die Nahrungskette gelangt.

Andere Pilze lassen sich gar nicht aussortieren, da sie äußerlich nicht erkennbar sind. Ein Mengennachweis von Mykotoxinen im verarbeiteten Getreide könnte dann dafür sorgen, dass Lieferungen, bei denen als unbedenklich eingestufte Grenzwerte überschritten werden, nicht in den Handel gelangen.

"Es gibt viele gut untersuchte Mykotoxine. Aber ein Mengennachweis scheitert oft an dem Problem, dass es bestimmte dazu notwendige Vergleichs- beziehungsweise Referenzsubstanzen nicht im Handel gibt", erklärt Prof. Dr. Hans-Ulrich Humpf, der den münsterschen Teil des Projekts leitet. Seine Arbeitsgruppe hat sich darauf spezialisiert, isotopenmarkierte Standards als Referenzsubstanzen herzustellen. Diese gleichen jeweils den Pilzgiften bis auf kleine Unterschiede in der Ladung der einzelnen Moleküle. Die Methode der Massenspektrometrie erlaubt es, von der bekannten Menge dieser Referenzsubstanzen Rückschlüsse auf die in einer Lebensmittelprobe enthaltenen Mengen an Pilzgiften zu ziehen.

Die münstersche Arbeitsgruppe arbeitet an der Entwicklung neuer Referenzsubstanzen, um das Spektrum der quantitativ nachweisbaren Mykotoxine zu erhöhen. Wissenschaftler vom Institut für Umweltforschung der Universität Dortmund unterstützen das Gemeinschaftsprojekt: Mit einem hoch auflösenden Massenspektrometer, das mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW angeschafft wurde, können sie Mykotoxine in Mengen von weniger als einem milliardstel Gramm nachweisen. "Die Dortmunder verfügen über eine größere Messkapazität als wir hier in Münster und können in kurzer Zeit mehrere hundert Proben untersuchen", so Prof. Humpf. Die Münsteraner wiederum führen auch Untersuchungen zur Stabilität der Toxine bei der Lebensmittelverarbeitung durch. Einige der Substanzen sind chemisch instabil und zerfallen bei der Erhitzung, zum Beispiel beim Backen von Brot.

Als weitere Partner sind an dem Gemeinschaftsprojekt Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsphysiolgie der Universität Dortmund und des Instituts für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn beteiligt. "Die Kollegen des Instituts für Arbeitsphysiologie untersuchen die Wirkung verschiedener Mykotoxine in Kombination", so Prof. Humpf. Im Gegensatz zur Wirkung einzelner Gifte ist dazu bislang noch wenig bekannt. Die Bonner, die das Projekt angestoßen haben, sind im Team die Experten für Schimmelpilze und untersuchen Faktoren, die das Wachstum von Schimmelpilzen in der Natur beeinflussen. "Das schöne an diesem Projekt ist, dass die verschiedenen Arbeitsgruppen gut zusammenpassen und sich ergänzen", erklärt Prof. Humpf. "Wir forschen mit vereinten Kräften."

| Uni Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Chemie.lc/

Weitere Berichte zu: Gemeinschaftsprojekt Getreide Mykotoxin Nahrung Referenzsubstanzen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie