Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit für Hochdruck-Patienten

11.10.2007
Bei Bluthochdruck nehmen Patienten oft das Medikament Nifedipin ein. Dieses wirkt jedoch nicht nur in den Gefäßen, sondern auch direkt am Herzen. Hier ändert es genetische Informationen, die für die Herzfunktion wichtig sind. Das kann zu unerwünschten Wirkungen führen.

Bluthochdruck und seine Folgen sind in den westlichen Industrieländern die Todesursache Nr. 1. Um sie zu behandeln, gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, unter anderem eine Arznei namens Nifedipin. Sie blockiert die Kalzium-Kanäle an den Gefäßen und senkt so den Blutdruck.

Doch nicht nur das, wie Carolin Zwadlo während ihrer Doktorarbeit unter der Leitung von Professor Dr. Jürgen Borlak am Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM in Hannover herausfand: "Bisher ging man davon aus, dass das Medikament nur über Veränderungen an den Gefäßen wirkt. Das Herz, so die Lehrmeinung, stellt keinen direkten Angriffspunkt des Medikamentes dar", sagt Zwadlo.

"Wie meine Untersuchungen zeigen, stimmt das allerdings nur für ein gesundes Herz. Bei Tieren, die an Bluthochdruck leiden, verändert Nifedipin die genetischen Informationen zur Bildung von Transportproteinen." Durch Transportproteine lassen sich die verschiedenen Ionen in die Zellen transportieren. So wird das natürliche Gleichgewicht der Zelle aufrecht erhalten und eine Kontraktion der Zelle ermöglicht.

Diese Veränderungen am Herzen sind nicht unbedingt zum Guten des Patienten: Zwadlo verglich die Muster der an- und abgeschalteten Gene von Tierherzen, die durch Nifedipin verändert wurden, mit den Mustern, die in erkrankten menschlichen Herzen gefunden wurden. "Dabei zeigt sich eine überraschende Übereinstimmung, was vermuten lässt, dass Nifedipin unerwünschte Wirkungen am Herzen entfalten kann. Zum Schutz der Patienten sollte deshalb der langfristige Einsatz dieses Wirkstoffes kritisch hinterfragt werden."

Ein weiteres wesentliches Ergebnis ihrer Doktorarbeit ist die Erkenntnis, dass Nifedipin am gesunden Herzen - im Gegensatz zum kranken - zu keiner Veränderung führt. "Allgemein wird die Sicherheit von Medikamenten an gesunden Tieren geprüft. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht immer übertragen", so die Wissenschaftlerin. Für ihre Doktorarbeit wurde die Forscherin mit dem 1. Hugo-Geiger-Preis ausgezeichnet, der mit 3 000 Euro dotiert ist.

Einen möglichen Grund für die negativen Folgen einer Langzeittherapie mit Nifedipin sieht Zwadlo in den unterschiedlichen Wirkungen von Nifedipin im gesunden und erkrankten Herzen. Warum diese Veränderungen jedoch nur am kranken Herzen auftreten, am gesunden hingegen nicht, können die Forscher bislang noch nicht erklären.

Dr. Janine Drexler | idw
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/10/Mediendienst10s2007Thema5.jsp

Weitere Berichte zu: Bluthochdruck Medikament Nifedipin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht UVB-Strahlung beeinflusst Verhalten von Stichlingen
13.12.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mikroorganismen auf zwei Kontinenten studieren
13.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften