Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krokodile verfügen über perfekte Orientierung

01.10.2007
Satelliten überwachtes Reptil findet trotz extremer Distanzen nach Hause

Krokodile gelten bei Europäern häufig als träge und lethargische Tiere. Eine neue Studie von Forschern der australischen University of Queensland zeigt klar, dass die Reptilien genau das Gegenteil davon sind. Mit Hilfen von Satellitensendern konnten die Forscher zeigen, dass Salzwasserkrokodile (Crocodylus porosus) epische Distanzen zurücklegen können, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Der Forscher Craig Franklin und der inzwischen verstorbene Krokodilexperte Steve Irwin haben zwischen August und September 2004 drei Salzwasserkrokodile an Plätzen, die 56, 99 und 126 Kilometer Luftlinie von ihrem Heimatgebiet entfernt lagen, ausgesetzt und sie mit Sendern versehen. Alle drei Tiere verhielten sich ziemlich ähnlich: Zunächst erkundeten sie für einige Wochen ihr neues Habitat, ehe sie sich auf den Weg nach Hause machten. Zwischen fünf und 20 Tagen dauerte die Wanderung der Krokodile ehe sie wieder in ihren heimischen Gewässern waren. Alle drei Tiere hatten den Weg in ihre Heimat problemlos gefunden, wobei das Krokodil, das den weitesten Weg zurücklegte, die außergewöhnlichste Heimreise hatte, denn es musste, um nach Hause zu kommen, die Cape York Halbinsel an der Nordspitze Australiens umschwimmen. Die gesamte Distanz, die das Tier in 20 Tagen zurückgelegt hatte, betrug insgesamt 411 Kilometer.

"Die meiste Zeit, wenn man Krokodile beobachtet, liegen sie faul in der Sonne, daher kommt man leicht zum Schluss, dass sie sehr träge sind", meint Franklin. Für viele sei es erstaunlich, dass die Krokodile tagelang schwimmen können. Das wiederum werfe einige Fragen des Metabolismus bei den Echsen auf. Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass sie einen aneroben Stoffwechsel - das ist eine Energiegewinnung durch den unvollständigen Abbau von Nahrungsstoffen in Abwesenheit von Sauerstoff - nutzen. Dieser Stoffwechsel stellt schneller Energie her als der aerobe, ist aber weniger effizient. Das bedeutet, dass die Reptilien große Energieschübe haben, dann aber rasch ermüden.

Die Studie widerlegt allerdings die bisher gemachten Entdeckungen, denn die Anstrengungen, die das Tier mit der Distanz von mehr als 400 Kilometern gemacht hat, legen nahe, dass der Stoffwechsel während der langen Reise umgestellt wurde. Bereits in anderen Untersuchungen haben Wissenschaftler gezeigt, dass Krokodile sehr weit ins Meer getragen wurden und den Weg zurück mühelos geschafft haben.

Rätselhaft bleibt auch das Navigationssystem der Krokodile. Die Forscher gehen davon aus, dass die Tiere wahrscheinlich mehrere Faktoren wie etwa die Position zur Sonne, das magnetische Feld, ihre Augen und ihren Geruchssinn zu ihrer Orientierung nutzen. "Krokodile sind enger mit Vögeln verwandt als alle anderen Reptilien. So ist es auch möglich, dass sie ein ähnliches Navigationssystem nutzen wie Vögel", meint der Forscher. Die Salzwasserkrokodile - auch Leistenkrokodile genannt - sind mit einer Länge von bis zu 7,5 Metern die größten lebenden Panzerechsen der Erde. Das Verbreitungsgebiet der Tiere ist sehr groß und reicht von Ostindien über Südostasien bis nach Australien und Teilen von Ozeanien. Auch auf den Palau-Inseln, in Vanuatu und Fidschi wurden einzelne Tiere gesichtet.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uq.edu.au/

Weitere Berichte zu: Krokodil Reptil Salzwasserkrokodil Stoffwechsel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise