Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemikalien in der Umwelt - Gefährdungen unseres Trinkwassers und der arktischen Tierwelt

24.09.2007
Einen Bogen von Stoffumwandlungen in einzelnen Umweltkompartimenten bis hin zur Stoffbewertung und von lokalen bis hin zu globalen Problematiken spannt die Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 26. bis 28. September 2007 in Osnabrück.

In rund 70 Vorträgen und über 50 Posterbeiträgen werden von den erwarteten 200 Teilnehmern Methoden, Konzepte und Bewertungen vorgestellt und diskutiert. Für das Programm zeichnet das wissenschaftliche Komitee unter Vorsitz von Professor Dr. Michael Matthies, Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück, verantwortlich.

In den beiden Plenarvorträgen werden umweltchemische und ökotoxikologische Aspekte jeweils aktueller Problemfelder aufgegriffen, vor unserer Haustür und - bedingt durch den Ferntransport von Chemikalien in der Atmosphäre - weit entfernt, nämlich in der Arktis: Privatdozent Dr. Thomas Heberer vom Bundesinstitut für Risikobewertung, Fachgruppe "Rückstände von Arzneimitteln", Berlin, spricht zu Vorkommen, Verbleib und Bewertung von Human- und Veterinärarzneimittelrückständen in der Umwelt, und Professor Dr. Roland Kallenborn, Universitätszentrum auf Spitzbergen, Norwegen, erläutert Ursachen und Konsequenzen der Verschmutzung der Arktis mit Chemikalien, jeweils mit anschließenden Diskussionsforen.

In beiden Vorträgen werden schleichende Risiken thematisiert: Weil geringste Stoffmengen aus vielen Quellen sich zu signifikanten Mengen addieren und über lange Zeit in der Umwelt anreichern können, besteht Handlungsbedarf; denn zukünftige Generationen könnten vor unlösbare Probleme gestellt werden. Über Emissionen in die Umwelt können nicht nur die Ökosysteme, sondern auch die menschliche Gesundheit gefährdet werden.

Entsprechend wurde von den Vereinten Nationen 1992 anlässlich der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das Vorsorgeprinzip für Umweltchemikalien zur Umsetzung in nationales und internationales Recht empfohlen (Kapitel 19 der Agenda 21, der Blaupause für eine global nachhaltige und zukunftsverträgliche Entwicklung). Diesen Kontext thematisiert in einem Abendvortrag mit dem Titel "Umweltchemie und Nachhaltigkeit im Spannungsfeld von Politik und weltweitem Wettbewerb" Ernst Schwanhold, Leiter des Kompetenzzentrums Umwelt, Sicherheit und Energie der BASF, ehem. MdB und Vorsitzender der Enquête-Kommission des Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt".

Anlässlich der Tagung verleiht der Vorsitzende der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, Professor Dr. Gerhard Lammel, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, und Masaryk-Universität Brno (Tschechien), den Förderpreis für junge Wissenschaftler an Dr. Doris Völker, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Sie hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit ein Verfahren entwickelt, das hilft, die bislang notwendigen Fischtests für die Umweltrisikoprüfung in Zulassungsverfahren von Industriechemikalien, Pestiziden, Bioziden und Pharmaka deutlich zu verringern. Dies könnte für das europäische Verfahren zur Zulassung von Chemikalien, REACh, von Bedeutung werden.

In Vortragsblöcken und Postersitzungen werden auf der Tagung die Schwerpunkte chemische Umwandlungen und Verfrachtungen in Luft, Wasser und Boden, biologische Wirkungen in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen, Bioindikation, Risikobewertung, Umweltgesetzgebung und nachhaltig zukunftsverträgliche Konzepte der Chemiewirtschaft (sog. Nachhaltige Chemie) bearbeitet. Untersuchungen zu Umwandlung und Verfrachtung von Chemikalien in und zwischen Umweltkompartimenten umfassen Experimente im Labor, Probenahme während Messkampagnen oder im Rahmen von Messnetzen (sog. Monitoring) an Hotspots (z.B. Altlastenstandorten) oder an weniger belasteten Orten, Analytik im Labor oder auch im Feld und numerische Simulationen (d.h. Modellentwicklung und -anwendung). Unter Risikobewertung wird die Zusammenführung von Umweltexposition, biologischen Wirkungen und Schutzzielen verstanden. Die Tagung schließt mit der Prämierung der besten ausgestellten Poster.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit knapp 900 Mitgliedern. Anliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Berichte zu: Risikobewertung Umwandlung Umweltchemie Ökotoxikologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise