Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Partnerwahl hängt von den Genen ab

24.09.2007
Lemuren-Weibchen gehen oft fremd und optimieren so die genetische Ausstattung ihrer Kinder. Das zeigt eine Studie an Halbaffen in Madagaskar.

Demnach wählen Maki-Weibchen Sexualpartner aus, deren Erbgut besonders "gesund" ist. Die Autoren, ein Team aus dem Leibniz- Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und Kollegen, berichten über ihre Arbeit in der Fachzeitschrift Evolutionary Ecology.

Bei der Partnerwahl spielen Gene eine wichtige Rolle. Das ist aus Versuchen mit unterschiedlichen Tierarten seit längerem bekannt. Ob auch Menschen ihre Partner nach genetischen Merkmalen auswählen, ist nach wie vor offen. Vieles spricht aber dafür. Jetzt hat eine Studie an Halbaffen in Madagaskar gezeigt, dass Maki-Weibchen Sexualpartner auswählen, deren Erbgut besonders "gesund" ist. Die Autoren, ein Team aus dem Leibniz- Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und Kollegen, berichten über ihre Arbeit in der Fachzeitschrift Evolutionary Ecology (DOI 10.1007/s10682-007-9186-4). Es ist nach Aussage der Wissenschaftler die erste Studie dieser Art an frei lebenden Primaten.

Rund zehn Jahre lang sammelten Nina Schwensow und Prof. Simone Sommer vom IZW und ihre Kolleginnen Dr. Joanna Fietz und Dr. Kathrin Dausmann Daten in Madagaskar. Begonnen hatten sie ihre Arbeit als Forscherinnen der Universität Hamburg in der Arbeitsgruppe von Professor Jörg Ganzhorn. Sie untersuchten spezielle Immungene aus dem "Major Histocompatibility Complex", kurz MHC. Diese spielen auch eine Rolle bei der Ausprägung des individuellen Körpergeruchs. Studienobjekt war die Lemurenart Fettschwanzmaki Cheirogaleus medius . Diese pflegen eine lebenslange Partnerschaft; die Mithilfe des Männchens ist für eine erfolgreiche Jungenaufzucht unerlässlich. Allerdings gehen die Weibchen notorisch fremd: "Über 40 Prozent der Lemuren-Babys stammten nicht vom Sozialpartner", berichtet die Projektleiterin Simone Sommer. "Das ist ein ungewöhnlich hoher Anteil." Die Partnerwahl geht bei diesen Tieren von den Weibchen aus, die Männchen haben keine Möglichkeit, Partnerinnen gegen deren Willen zu begatten.

Welche genetischen Kriterien spielten nun eine Rolle bei der Wahl des Sexualpartners? "Es gibt hauptsächlich zwei Hypothesen, denen wir nachgegangen sind", berichten Nina Schwensow und Prof. Sommer. Zum einen könne es sein, dass die Weibchen versuchen, Partner zu finden, deren genetische Ausstattung möglichst verschieden von der eigenen ist. Dann wäre der Nachwuchs genetisch verschieden von beiden Eltern und eine hohe genetische Variabilität würde über Generationen weitervererbt werden. Die andere Hypothese besagt, dass Weibchen nach Partnern suchen, deren genetische Ausstattung möglichst "heterozygot" und damit "gut" ist. Das heißt, die Männchen besitzen in ihrem Erbgut viele unterschiedliche Ausprägungen ("Allele") der MHC Gene. Vereinfacht gesagt: Gefragt sind Männchen entweder wegen ihrer Verschiedenheit oder wegen eines besonders "gesunden" Erbguts.

"Beides ist der Fall", berichtet Simone Sommer. Die Maki-Weibchen wählen demnach als Lebenspartner bevorzugt Männchen mit möglichst unterschiedlicher genetischer Ausstattung und gleichzeitig mit einem hohen Grad an Heterozygotie. Bei den Seitensprüngen dagegen spielt die Verschiedenheit des Erbgutes des Männchens die tragende Rolle. "Wir gehen davon aus, dass die Weibchen mit dieser Strategie gleichsam das Erbgut ihrer Nachkommen optimieren und eine zu hohe genetische Ähnlichkeit zwischen den Lebenspartnern korrigieren", erläutert Simone Sommer. Denn Weibchen, die besonders ähnliche Partner haben, betrügen diese häufiger als Partnerinnen von unähnlichen Männchen. Da diese Variabilität der MHC-Gene eine zentrale Rolle im Immunsystem spielt, scheint das evolutionäre Ziel zu sein, eine möglichst hohe Parasitenresistenz der Nachkommen zu erreichen und die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen zu gewährleisten. Genau das schaffen die Maki-Weibchen mit ihrer Partnerwahl - und den Seitensprüngen.

Quelle: Nina Schwensow et al.: MHC-associated mating strategies and the importance of overall genetic diversity in an obligate pair-living primate (in Evolutionary Ecology; DOI 10.1007/s10682-007-9186-4).

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Erbgut Gen Maki-Weibchen Männchen Partnerwahl Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive