Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Fledermäuse haben Herpes

21.09.2007
Wissenschaftler des IZW und Kollegen weisen acht neue Viren bei den Flattertieren nach

Weltweit sind Fledermäuse in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Wissenschaft gerückt, unter anderem um ihre Rolle als Reservoirwirt potenzieller Krankheitserreger besser einschätzen zu können.

In Europa gilt die Aufmerksamkeit bisher ausschließlich der Fledermaus-Tollwut. Das Vorkommen anderer Erkrankungen beziehungsweise infektiöser Erreger in diesen Tierspezies ist kaum bekannt.

Um den Einfluss von Fledermäusen auf die Verbreitung oder die mögliche Übertragung von Krankheitserregern auf andere Tierarten einschließlich des Menschen untersuchen zu können, hat das Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) eine Projekt- Studie initiiert (Dr. Gudrun Wibbelt, Pathologie; Dr. Stephanie Speck, Bakteriologie).

... mehr zu:
»Fledermaus »Herpesviren »Virus

Die Studie soll das Auftreten möglicher Krankheiten und Krankheitserreger bei einheimischen Fledermäusen klären. Im Rahmen dieser Studie wurden in Kooperation mit Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts (RKI) acht neue Herpesvirusstämme bei den untersuchten Fledermäusen entdeckt. Es handelt sich bei den neu beschriebenen Viren um die ersten Herpesviren, die jemals in Fledermäusen beschrieben wurden. Das Journal of General Virology veröffentlicht die Arbeit (J Gen Virol 2007; 88: 2651-2655).

Die Studie habe eine grundsätzliche Bedeutung, erläutert Gudrun Wibbelt: „Herpesviren wurden in vielen Säugetierarten sowie in Vögeln, Reptilien, Amphibien, Fischen und sogar in Weichtieren nachgewiesen. Aber ausgerechnet die Wirbeltierfamilie der Fledermäuse, die mit mehr als tausend Arten, nach der Gruppe der Nager, den zweitgrößten Artenreichtum aufweist, wurden bislang nicht untersucht.“ In ihrem Pilotprojekt untersuchten Wibbelt und Kollegen Tiere von acht europäischen Fledermausarten, die tot aufgefunden worden waren. Lungengewebe von 25 dieser Tiere wurde mittels molekularbiologischer Methoden auf Herpesviren (Dr. B. Ehlers und Dr. A. Kurth, RKI) untersucht; 21 dieser Individuen stammten aus dem Großraum Berlin, 4 aus der Gegend um Freiburg. Mehr als die Hälfte der toten Tiere wiesen Anzeichen einer Lungenentzündung auf.

Die Untersuchungen zeigten bei 15 Tieren eine Infektion mit bislang unbekannten Herpesviren, sieben davon Gamma-Herpesviren, eines ein Beta-Herpes-Virus. Weitere Analysen befassten sich mit den Verwandtschaftsverhältnissen der Viren. Es zeigte sich, dass das Beta-Herpesvirus entfernt mit jenen Erregern verwandt ist, die auch den Menschen befallen können. „Im Moment wissen wir nicht, ob die Viren bei den Tieren Erkrankungen hervorriefen“, sagt Wibbelt. Herpesviren können nach der Ursprungsinfektion in ein latentes Infektionsstadium übergehen; das weiß jeder, der unter Lippenbläschen leidet. Wibbelt: „Es könnte sein, dass auch bei den Fledermäusen eine latente Infektion im Körper vorhanden war.“ Andererseits könne man auch nicht ausschließen, dass die Befunde einer Lungenerkrankung mit den Viren zusammenhängen. Das sollen nun weitere Studien klären.

Generell rät Gudrun Wibbelt zur Vorsicht, weil Fledermäuse auch Tollwut übertragen können. Zugleich jedoch warnt sie vor Panik vor diesen nützlichen Tieren, von denen eines in einer einzigen Nacht bis zu viertausend Mücken verschlingen kann. „Es ist außerordentlich selten, dass sich jemand durch den Kontakt mit einer Fledermaus mit Tollwut ansteckt, für ganz Europa sind in den letzten Jahrzehnten nur vier Einzelfälle dokumentiert.“

Sie urteilt über die Gefährlichkeit der neuen Herpesvirusstämme für Menschen: „Herpesviren sind äußerst wirtsspezifisch. Sie haben sich in ihrer Evolution jeweils an eine bestimmte Tierart oder den Menschen streng angepasst, daher ist es unwahrscheinlich, dass diese Viren beim Menschen eine Erkrankung auslösen.“

Summary:

New viruses discovered in bats

Scientists from the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research in Berlin and colleagues detected eight new herpesviruses in bats, seven gammaherpesviruses (GHV) and one novel betaherpesvirus. The betaherpesvirus appeared to be a distant relative of human cytomegalovirus. These novel viruses are the first herpesviruses to be described in bats. IZW pathologist Dr. Gudrun Wibbelt says many of the bats that she dissected showed signs of pulmonary disease. She adds; “We cannot rule out that the newly detected herpesviruses are linked to diseases of the lung but we need further studies to clarify the role of these viruses.” Asked if the pathogens may pose a threat to humans, the pathologist says: “Herpesviruses are very host-specific. They evolved closely with their host-species. I think it’s unlikely that herpesviruses from bats cause any diseases in humans.”

Gudrun Wibbelt et al.: Discovery of herpesviruses in bats (in J Gen Virol 2007; 88: 2651- 2655).

Contact: Dr. Gudrun Wibbelt, +49-30-5168-211 (wibbelt@izw-berlin.de)

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Fledermaus Herpesviren Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics