Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf ins All: Weltraumabenteuer für Hohenheimer Forschungsfische

06.09.2007
Am Freitag, 14. September 2007, werden 30 Buntbarsche von der Universität Hohenheim mit einem russischen Satelliten für zwölf Tage ins All geschickt
Abfahrt: 8. September 2007, 8:00 Uhr, Tierhaus, Universität Hohenheim
Pressefotos unter www.uni-hohenheim.de/presse
Für Touristen ist ein Weltraumflug noch immer eine teure und komplizierte Angelegenheit. 30 Buntbarsch-Larven der Universität Hohenheim erhalten die einmalige Gelegenheit, unsere Erde von oben zu betrachten. Der Weltraumflug, initiiert von den Wissenschaftlern um Prof. Dr. Reinhard Hilbig und PD Dr. Ralf Anken vom Zoologischen Institut der Universität Hohenheim, soll neue Aufschlüsse über Gleichgewichtsstörungen von der Reise- bis zur Weltraumkrankheit liefern.
Und so wird der russische Weltraumbahnhof Baikonur am 14. September 2007 zum Sammelpunkt für Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie und Physik, denn der Satellit, der für ungefähr zwei Wochen ins All fliegen wird, ist neben den Fischen von der Universität Hohenheim noch Träger weiterer Experimente.

Am 1. Februar 2003 verglühte mit der Raumfähre Columbia auch ein Experiment der Universität Hohenheim. Die Wissenschaftler PD Dr. Ralf Anken und Prof. Dr. Reinhard Hilbig wollten an 50 Fischen die Entwicklung der Gleichgewichtsorgane in der Schwerelosigkeit untersuchen. Nach diesem Misserfolg haben die Forscher eine Vielzahl gravitationsbiologischer Experimente (z.B. im Parabelflug) durchgeführt und beantragten auf der Grundlage vertiefter Erkenntnisse, den Raumflug zu wiederholen. In diesem September ist es soweit und es heißt für 30 Buntbarsch-Larven: Auf ins All! Als Lebenserhaltungssystem haben die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Ökophysiologie der Pflanzen in Erlangen sowie der Firma Kayser-Threde in München ein neues aquatisches Lebenserhaltungssystem (Spezialaquarium) entwickelt. Darin befinden sich neben den Fischen noch Algen, die den lebensnotwendigen Sauerstoff für die Fische produzieren sollen.

Ziel der Forschung sind neue Erkenntnisse, die unter anderem das Phänomen von Gleichgewichtsstörungen einer Klärung näher bringen sollen. Damit ließen sich möglicherweise Therapiemöglichkeiten für bisher weitgehend unerklärbare Krankheiten wie dem Menière?schen Syndrom liefern, von dem laut Schätzungen mehr als ein Prozent der Menschen betroffen sind. Bei dieser Krankheit leiden die Patienten unter schlagartig auftretendem Schwindel und Orientierungslosigkeit. Verantwortlich dafür sind vermutlich winzige Steinchen im Innenohr, die sogenannten Otolithen.

"Für unsere Grundlagenforschung am Innenohr führen wir die Untersuchungen allerdings an Fischen durch", erklärt Reinhard Hilbig. "Grund dafür ist, dass der Bereich im Ohr, der für die Schwerkraftwahrnehmung verantwortlich ist, bei Fischen genau wie beim Menschen funktioniert - nur dass Ohrsteinchen beim Fisch wesentlich größer sind, da er sich unter Wasser orientieren muss".

Im Weltraum-Experiment wollen die Forscher nun klären, welche Prozesse für die Entwicklung der Otolithen zuständig sein könnten: "Wir nehmen an, dass sich die Steine in der Schwerelosigkeit unkontrolliert vergrößern und asymmetrisch wachsen und wenn wir nachweisen könnten, dass das Gehirn diesen Wachstumsprozess steuert, wäre dies der Ansatz für ganz neue Therapiemöglichkeiten", so Ralf Anken.

Anken hat den Weltraumflug bereits im Jahr 1998 beantragt und so sind nun nach der langen Vorbereitungs- und Wartezeit sowie dem Columbia-Absturz die Erwartungen an diesen Flug ins All besonders hoch. Am 8. September 2007 machen sich die Wissenschaftler in Richtung Baikonur auf, um - nach diversen Sicherheitskontrollen und einem Umweg über Holland - ihre Fische per "Baikonurexpress" der ESA pünktlich am 14. September 2007 am Weltraumbahnhof verabschieden zu können. Da bleibt nur noch, den Fischen einen guten Flug sowie eine glückliche Landung zurück auf der Erde zu wünschen.

Kontaktadresse:
apl. Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Hilbig, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie

Tel. 0711 459-23349, E-Mail: rhilbig@uni-hohenheim.de

Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Ralf Anken, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie

Tel. 0711 459-24020, E-Mail: anken@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Anken Weltraumbahnhof Weltraumflug Zoologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie