Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Winterschlaf soll Fettleibige dünner machen

30.08.2007
Molekularbiologen patentieren Fatburner von Bären

Ähnlich wie Tiere, die Winterschlaf halten und dabei ihre Fettreserven aufbrauchen, könnten fettleibige Menschen in Zukunft ihre überschüssigen Kilo verlieren, meinen US-Forscher. Der Molekularbiologe Cheng Chi Lee von der Texas Houston Medical School hat eine Substanz patentieren lassen, die Mäuse in einen winterschlafähnlichen Zustand gebracht hat und dafür gesorgt hat, dass die Tiere Fett verbrannten und Gewicht verloren, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

Das Forscherteam hatte zunächst den Stoffwechsel von typischen Winterschläfern untersucht. Bären und Murmeltieren gelingt es während dieser Phase Fettdepots in nützlichen Zucker umzuwandeln. An der Fettverbrennung sind bestimmte Gene beteiligt, darunter auch die chemische Substanz 5-Adenosin-Monophosphat (5-AMP), die wie ein Regler wirkt. Die Wissenschaftler injizierten Mäusen in anschließenden Versuchen 5-AMP in hohen Dosen. Daraufhin fielen die Tiere in einen winterschlafähnlichen Zustand: Die Aktivität und die Körpertemperatur sanken, die Tiere fuhren ihren Stoffwechsel nach unten und stellten ihn auf Fettverbrennung um und nutzten die vorhandenen Reserven.

Ob es nun auch gelingt, bei Menschen eine ähnliche Reaktion hervorzurufen, ist fraglich. Bei den Mäusen stellte sich der "Fatburner-Effekt" bereits nach einigen Tagen in Dunkelheit ein. Sie verloren an Gewicht, weil sie offenbar mehr Fett verbrannten. Fraglich ist auch, wie hoch die 5-AMP-Dosen für einen ausgewachsenen Menschen sein müssten, damit sich ein solcher Effekt einstellt. Ob sich in Zukunft damit Fettleibige behandeln lassen können, stehe in den Sternen. Das sieht die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Petra Rust von der Universität Wien im pressetext-Interview eher skeptisch. "AMP-5 ist aus dem Energiestoffwechsel bekannt", so Rust. Übermäßig zugeführtes AMP-5 könnte schon zum Abbau von Fettsäuren führen, wenn keine Nahrung zugeführt wird. "Da allerdings eine Reihe von verschiedenen Stoffwechselzyklen dabei eine Rolle spielen, ist es fraglich, ob es dabei auch zu einem Abbau der Fettdepots kommen kann", meint Rust. Es sei zwar denkbar, aber eben noch nicht bewiesen, meint die Ernährungswissenschaftlerin.

Die texanischen Wissenschaftler glauben, dass es für 5-AMP aber auch zahlreiche andere Anwendungen im notfallsmedizinischen Bereich geben könnte: Etwa bei Schwerverletzten zur Genesung, nach Organtransplantationen oder Herzinfarkten zur Vermeidung von Folgeschäden. Denkbar wäre auch eine Anwendung unmittelbar nach einem Schlaganfall.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uth.tmc.edu
http://www.univie.ac.at/nutrition

Weitere Berichte zu: 5-AMP Fettleibige Molekularbiologe Mäuse Winterschlaf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse
21.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik