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Moose: Klimainformanten im Regenwald

30.08.2007
Entwicklungsgeschichte gibt Aufschluss über die ökologische Stabilität

Ein deutsch-britisches Forscherteam hat die Entstehungsgeschichte einer Gruppe von Moosen im tropischen Südamerika entschlüsselt. Diese Moose, die vor 100 Mio. Jahren entstanden sind, und vorwiegend in den tropischen Regenwäldern vorkommen, geben Aufschluss über die ökologische Stabilität der Regenwälder, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Biology Letters.

Mithilfe molekularer Analysen ist es dem Forscherteam um Jochen Heinrichs und Rosemary Wilson vom Albert-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften an der Universität Göttingen einen umfangreichen Stammbaum der Moos-Familie der Lejeuneaceae zu erstellen. "Die nun vorliegenden Informationen zu Artbildungsraten und Zeiträumen der Diversifikation dieser Pflanzengruppe können einen wichtigen Beitrag sowohl zur aktuellen Klimadiskussion als auch zur Einschätzung der ökologischen Stabilität unserer heutigen Regenwälder liefern", so Heinrichs. "Da Moose eine große Familie sind und einen großen Teil der Biodiversität der tropischen Regenwälder ausmachen, sind sie auch gute Indikatoren", erklärt Wilson gegenüber pressetext. Die Familie der Lejeuneaceae, die zu den Lebermoosen gehören, umfassen weltweit rund 1.000 Arten. "Darunter befinden sich die wahrscheinlich ältesten lebenden Landpflanzen", erklärt die Forscherin.

Die verschiedenen Moos-Arten wachsen einerseits als Aufsitzerpflanzen auf der Borke von Bäumen und Sträuchern, andererseits als sogenannte "Epiphylle" direkt auf ihren Blättern. Um die stammesgeschichtliche Entwicklung der Lejeuneaceae zu erforschen, haben die Wissenschaftler die DNS-Sequenzen zahlreicher Arten dieser Pflanzengruppe analysiert. "Über die Variation der Sequenzen und des Alters der jeweils untersuchten Fossilien konnten wir ein Chronogramm erstellen, das die Aufspaltung in verschiedene Arten innerhalb der Lejeuneaceae in einen zeitlichen Rahmen stellt", so die Forscherin. Danach gehe die Entstehung der heutigen Diversität der Lejeuneaceae auf die späte Kreidezeit zurück. "Nach unseren Rekonstruktionen kam es seither zu einer bemerkenswert stetigen Zunahme von Diversität durch die Zeit", meint Heinrichs. Daraus schließen die Forscher, dass die Artenvielfalt der Lejeuneaceae von den Klimaänderungen während der vergangenen 100 Mio. Jahre wenig beeinflusst worden ist und die Tropen ein "Museum" für diese Pflanzengruppe darstellen. "Daraus kann man auch ableiten, dass diese Pflanzengruppe relativ stabil und robust auf die Temperaturschwankungen reagiert", meint Wilson abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.journals.royalsoc.ac.uk
http://www.uni-goettingen.de

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