Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Wissenschaftler entdecken zahlreiche neue Tierarten auf Madagaskar

29.08.2007
Biologen entdecken im Südosten Madagaskars 43 der Wissenschaft unbekannte Arten von Tausendfüßern und Insekten. Dieses Projekt des Museums Koenig, Bonn und des Biozentrum Grindel und Zoologischen Museums der Universität Hamburg hat das Ziel zumindest Teile der einzigartigen und bedrohten Vielfalt für die Wissenschaft zu erfassen.

Trotz der hohen und weltweit einmaligen Artenvielfalt ist Madagaskar immer noch in vielen Bereichen unerforscht, erst in den letzten Jahren konnten sogar einige neue Affenarten entdeckt werden. Demnach kam es nicht überraschend, dass zwei Doktoranden, Kai Schütte aus dem Zoologischen Institut und Museum Hamburg und Thomas Wesener aus dem Museum Koenig in Bonn, bei einem aktuellen durch die Universität Antananarivo koordinierten Inventurprojekt im Südosten Madagaskar ebenfalls neue, der Wissenschaft nicht bekannte Arten von Tausendfüßern und Insekten entdeckten.

Die gefundene Vielfalt war dennoch einmalig: Thomas Wesener fand insgesamt 29 neue Arten von Tausendfüßern, davon 11 neue Arten von Riesenkugeltausendfüßern. An Insekten entdeckte Kai Schütte 8 neue Arten Stabschrecken, 2 Gottesanbeterinnen und 4 Libellen.

Nur durch Zufall wurde eine der Stabschreckenarten gefunden, die sich in einer handvoll Laubstreu befand, welches als Futter für eine spektakuläre neue Art eines 15 Zentimeter langen, blutrot- schwarz gefärbten Feuertausendfüßers gesammelt wurde. Viele der erfassten Libellenarten werden Bestandteil der Roten Liste gefährdeter Arten sein, die von der Weltnaturschutzunion (IUCN) herausgegeben wird. Neue Libellen wurden vor allem in einem abgelegenen Tieflandregenwald entdeckt. Diese Lebensräume sind selten geworden, da sie oft am einfachsten vom Menschen genutzt werden können.

Die Tausendfüßer Madagaskars sorgen nicht nur durch das Fressen von totem Laub und Holz für eine unverzichtbare Humusproduktion als Nährstoff für den Wald, viele der neu entdeckten Arten kommen auch nur in einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet vor, sind also mikroendemisch. Häufig fanden sich bereits im nächsten, wenige Kilometer entfernt liegenden Wald andere Arten. Als Besonderheit Madagaskars gelten die sich zu einer kompletten Kugel einrollenden Riesenkugeltausendfüßer. Diese sehr alte Tiergruppe, deren Vorfahren bereits zur Zeit der Dinosaurier lebten, kommt mit besonders vielen einmaligen Arten auf Madagaskar vor. Die Tiere erreichen auf Madagaskar in einigen Arten die Größe einer Apfelsine und damit den Größenweltrekord. Weiterhin besitzen alle auf Madagaskar lebenden Arten in beiden Geschlechtern Zirporgane, die wahrscheinlich der Partnerfindung und Fortpflanzung dienen.

Ein besonders hoher Anteil an Arten kommt nur auf Madagaskar vor und ist stark gefährdet. Daher gehört der Inselstaat zu den 10 größten Brennpunkten der Artenvielfalt. Die Biodiversität ist im Untersuchungsgebiet besonders bedroht, da von den hier einzigartigen, verschiedenen Lebensräumen meist nur noch mosaikartige Reste existieren.

Leider sind fast alle Wälder Madagaskars stark gefährdet. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 90 % der natürlichen Vegetation Madagaskars seit Besiedlung der Insel durch den Menschen vor 2000 Jahren zerstört wurde. Die Folgen für die Menschen und die Natur sind katastrophal. Die 20 besuchten Wälder sind häufig sehr klein und durch große, abgeholzte Bereiche voneinander getrennt. Große Flächen bestehen nur noch aus lebensfeindlicher Steppenlandschaft, die für Pflanzen und Tiere der Restwaldfragmente unüberwindbar ist.

Schreitet die Zerstörung im gleichen Ausmaß wie in der Vergangenheit fort, werden viele der Wälder und damit ihre einzigartigen Bewohner in 10 Jahren verschwunden sein. Damit wären viele der nur dort vorkommenden Tierarten ausgestorben bevor sie überhaupt entdeckt werden. Jetzt gibt es zumindest noch die Möglichkeit die gefundenen Arten zu benennen, ihre Besonderheiten und Lebensweise zu erfassen, sie für die Nachwelt zu konservieren und vielleicht durch die Ergebnisse die wenigen Schutzbemühungen zu intensivieren, um einige der einmaligen Lebensräume mit seinen Bewohnern zu erhalten.

Kontakt und weitere Informationen:

Dipl.- Biol. Thomas Wesener
Museum Koenig
'Niedere Arthropoda'
Adenauerallee 160
53113 Bonn
Tel. 0228 9122 285 E-Mail: twesener@uni-bonn.de
Dipl.- Biol. Kai Schütte
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum
Tierökologie und Naturschutz
Martin-Luther-King-Platz 3
20146 Hamburg
Tel. 040 42838 5631 E-Mail: Kai_Schuette@public.uni-hamburg.de

Sabine Heine | idw
Weitere Informationen:
http://www.museumkoenig.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Insekt Madagaskar Tausendfüßer Tierart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops