Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moose geben Aufschluss über die ökologische Stabilität der Regenwälder

28.08.2007
Wissenschaftler untersuchen phylogenetische Entwicklung der Familie der Lejeuneaceae

Die phylogenetische Entwicklung einer speziellen Gruppe von Moosen, die vor rund 100 Millionen Jahren entstanden ist und heute vor allem tropische Regenwälder besiedelt, haben jetzt Wissenschaftler aus Göttingen und London (Großbritannien) entschlüsselt: Ihnen ist es gelungen, mit Hilfe molekularer Analysen einen umfangreichen Stammbaum der Familie der Lejeuneaceae zu erstellen.

"Die nun vorliegenden Informationen zu Artbildungsraten und Zeiträumen der Diversifikation dieser Pflanzengruppe können einen wichtigen Beitrag sowohl zur aktuellen Klimadiskussion als auch zur Einschätzung der ökologischen Stabilität unserer heutigen Regenwälder liefern", betont Dr. Jochen Heinrichs, der an der Abteilung Systematische Botanik der Georg-August-Universität lehrt und forscht. Die Ergebnisse der in Zusammenarbeit mit dem Natural History Museum London durchgeführten Forschungsarbeiten wurden in den "Biology Letters" veröffentlicht.

Tropische Regenwälder beherbergen den größten Teil der auf der Erde wachsenden Pflanzen, zu denen auch die so genannten Lebermoose als vermutlich älteste lebende Landpflanzen gehören. Unter den Lebermoosen tritt besonders die Familie der Lejeuneaceae in den Vordergrund. Mit weltweit etwa 1.000 Arten ist sie ein wesentlicher Teil in der Pflanzenwelt der Regenwälder. Die verschiedenen Moos-Arten wachsen einerseits als Aufsitzerpflanzen auf der Borke von Bäumen und Sträuchern, andererseits als sogenannte "Epiphylle" direkt auf ihren Blättern. Einige Vertreter der Lejeuneaceae sind als Bernstein-Einschlüsse aus dem Frühtertiär des Baltikums vor rund 50 Millionen Jahren und dem Miozän des tropischen Amerikas vor rund 15 Millionen Jahren bekannt. Um die stammesgeschichtliche Entwicklung der Lejeuneaceae nachzuzeichnen, haben die Wissenschaftler die DNS-Sequenzen zahlreicher Arten dieser Pflanzengruppe analysiert.

Wie die Göttinger Wissenschaftlerin Rosemary Wilson erläutert, konnte über die Variation der Sequenzen und des Alters der jeweils untersuchten Fossilien ein Chronogramm erstellt werden, das die Aufspaltung in verschiedene Arten innerhalb der Lejeuneaceae in einen zeitlichen Rahmen stellt. Danach geht die Entstehung der heutigen Diversität der Lejeuneaceae auf die Späte Kreidezeit zurück. "Nach unseren Rekonstruktionen kam es seither zu einer bemerkenswert stetigen Zunahme von Diversität durch die Zeit", so Dr. Heinrichs. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Artenvielfalt der Lejeuneaceae von den Klimaänderungen während der letzten hundert Millionen Jahre wenig beeinflusst worden ist und die Tropen ein "Museum" für diese Pflanzengruppe darstellen. Nach den Worten von Dr. Heinrichs legen die Forschungsergebnisse außerdem nahe, dass die Lejeuneaceae in den Tropen entstanden sind und von dort die gemäßigten Breiten, etwa Europa, besiedelt haben.

Originalveröffentlichung
Wilson, R., Heinrichs, J., Hentschel, J., Gradstein, S. R. & Schneider, H.: Steady diversification of derived liverworts under Tertiary climatic fluctuations. Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2007.0287).
Kontaktadressen:
Rosemary Wilson
Dr. Jochen Heinrichs
Georg-August-Universität Göttingen
Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
Abteilung Systematische Botanik
Untere Karspüle 2, 37073 Göttingen
Tel. (0551) 39-2269 oder 39-2220
e-mail: rwilson@uni-goettingen.de
jheinri@uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.sysbot.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Biology Lejeuneaceae Pflanzengruppe Regenwald

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics