Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Affenmamas sprechen mit Babys

27.08.2007
Rhesus-Affen: "Gaga-Sprache" für den Nachwuchs

Nicht nur Menschenmütter sprechen ihren Nachwuchs in der Babysprache an. Forscher der University of Chicago haben dieses Verhalten nun auch bei Rhesusaffen festgestellt. Die Affenmütter verändern ihre Stimmlage, um beim Nachwuchs Aufmerksamkeit zu erregen. Das Interessante an der Studie: Die weiblichen Affen wechseln in der Kommunikation mit dem Nachwuchs ähnlich wie Menschenmütter in deutlich höhere Tonlagen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Ethology.

"Die Affenmütter sind sichtlich aufgeregt, wenn sie Babys anschauen, denn das verrät allein schon ihre Stimme", erklärt Studien Co-Autor Dario Maestripieri, Professor für vergleichende Humanentwicklung an der University of Chicago. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass die Affen den Babys keine Informationen übermitteln, sondern lediglich die Aufmerksamkeit der Kleinen auf sich ziehen wollen. "Wenn Nachwuchs in der Nähe der Affenweibchen anwesend war, stießen sie Grunzlaute aus und umschlangen mit ihren Schwänzen die Kleinen", so der Forscher. Solche Bewegungen machten die Tiere sonst nicht.

Was die Wissenschaftler allerdings interessierte, war die Frage, ob die Babysprache, die beim Menschen in allen Erdteilen beobachtet wurde, auch bei Affen nur dem eigenen Baby galt oder nicht. Die untersuchten 19 freilebenden Rhesusaffen zeigten doch, dass dieses Verhalten generell beim Anblick von Nachwuchs geschah. Menschenmütter tun dies, weil Babys auf die höhere Tonlage und das singende Sprechen reflektieren. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Praxis einen sinnvollen biologischen Ursprung hat. "Sieht man im Vergleich dazu die Rhesusaffen an, ist man enttäuscht, weil diese Laute praktisch keine Bedeutung haben. Sie heißen nichts. Es geht nur um die Intonation", meint der Wissenschaftler.

... mehr zu:
»Affe »Baby »Menschenmütter »Primat »Rhesusaffen

"Diese Laute beschreiben keine Gegenstände, aber sie erfüllen eine äußerst wichtige soziale Funktion, um Individuen zusammenzubringen", so Lisa Parr vom Yerkes National Primate Center an der Emory University in Atlanta. Es gehe nämlich um die Interaktion zwischen Müttern und fremdem Nachwuchs, die im Zentrum steht. "Rhesusaffenmütter brauchen mit ihren Jungen nicht zu kommunizieren, denn die Babys hängen den ganzen Tag über an der Brust ihrer Mütter", so Maestripieri. Die "Babysprache" dient daher wahrscheinlich dazu, den anderen Weibchen gegenüber versöhnlich aufzutreten und zu signalisieren, dass keine Gefahr droht.

Die Forscher stellen sich die Frage, inwieweit Affen ihre Laute nutzen können, um Informationen mitzuteilen, oder ob die Tiere nur in der Lage sind, Aufmerksamkeit zu erregen. "Bekannt ist, dass Affen Warn- und Futterrufe abgeben. Viele dieser Rufe sind mehr als ein bloßes Aufmerksamkeit erregen", meint Winrich Freiwald, Leiter der Nachwuchsgruppe vom Zentrum für Kognitionswissenschaften am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, gegenüber pressetext. Dass Primaten allerdings über eine echte Sprache verfügen, hält Freiwald für ausgeschlossen. "Wir haben bei zahlreichen Neuweltaffen quietschartige, an Vogellaute erinnernde Töne festgestellt, die sehr wohl Gefühle wie Angst oder Erregung aber offensichtlich auch einen Informationsaustausch über bestehende Futterplätze ausdrücken", meint der Wissenschaftler.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uchicago.edu
http://www.yerkes.emory.edu
http://www.brain.uni-bremen.de

Weitere Berichte zu: Affe Baby Menschenmütter Primat Rhesusaffen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie