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Pseudomonas-Bakterium verursacht neue Krankheit an Rosskastanien

23.08.2007
Biologische Bundesanstalt bittet um Meldung bei Baumschäden für Datensammlung zum Auftreten kranker Rosskastanien und Vorkommen des neuen Erregers

Nicht genug, dass unsere einheimischen Rosskastanien unter dem Befall der Rosskastanienminiermotte (Cameraria ohridella) leiden. Jetzt macht ihnen auch noch ein Bakterium aus der Gruppe Pseudomonas zu schaffen.

Die neue Krankheit wurde zum ersten Mal 2002 in den Niederlanden im öffentlichen Grün an weiß- und rotblühenden Rosskastanien beobachtet. Seitdem hat sie sich dort rasant ausgebreitet. Inzwischen wird sie auch aus Belgien, Frankreich und in Südengland gemeldet. "Wir wissen bisher nicht, ob diese Krankheit auch schon in Deutschland an den Rosskastanien vorkommt", sagt Dr. Sabine Werres von der Biologischen Bundesanstalt für Land-und Forstwirtschaft (BBA). Dr. Werres und ihr Kollege Dr. Stefan Wagner, beide vom Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau, möchten sich daher einen Überblick über das Vorkommen und den möglichen Umfang und Ausmaß der neuartigen Krankheit in Deutschland machen. Sie sammeln in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdienststellen der Länder, Behörden und Grünflächenämtern deutschlandweit Daten zum Auftreten kranker Rosskastanien und untersuchen Proben auf das Vorkommen des neuen Erregers.

Leider sind die Krankheitssymptome relativ unspezifisch. Sie können nach Aussage der Wissenschaftler leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden, z. B. mit Infektionen durch die phytopathogenen Mikroorganismen Phytophthora sp. oder Verticillium sp. Verdächtige Krankheitssymptome sind schüttere Kronen mit einzeln absterbenden Ästen, blutende Flecken am Stamm, Risse in der Borke, aber auch so genannte Kambiumnekrosen (absterbendes Baumgewebe). Pseudomonaden sind als Krankheitserreger bei Gehölzen nicht unbekannt. So ist z.B. Pseudomonas syringae für die Fliederseuche und den Eschenkrebs verantwortlich. "Nun befällt offenbar eine neue Varietät die Rosskastanien", konstatiert Dr. Wagner. Bisher fehlen Informationen darüber, wie und wann das Bakterium die Rosskastanien infiziert. In den Niederlanden werden derzeit der Einfluss des Standortes, genetische Hintergründe, aber auch Stressfaktoren wie Trockenheit untersucht. An einigen Bäumen wurde ein Virus nachgewiesen, das evtl. die Bäume schwächt und sie anfälliger für die Bakterien macht.

Hintergrundinfo zum Krankheitsbild:
Ein Monitoring in 2006 ergab, dass 40% der Rosskastanien in den Niederlanden erkrankt sind. Erste Bestandsaufnahmen der Krankheitssymptome an deutschen Rosskastanien haben ergeben, dass die Symptome denen in den Niederlande zum Teil ähnlich sind, zum Teil aber auch anders aussehen. Oft weist die Krone eine sehr schüttere Belaubung auf und einzelne Äste sind abgestorben. Am Hauptstamm und/oder an einzelnen Ästen finden sich oft fleckenförmige blutende Stellen. Stämme zeigen vereinzelt Risse und Dellen. Unterhalb der blutenden oder rissigen Stellen ist das Gewebe nekrotisch und weist eine braune bis rotbraune Färbung auf. Die Nekrosen sind fleckenförmig bis flächig. Die Nekrosen beschränken sich in der Regel auf die Kambiumzone.
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Sabine Werres
Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau
Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299-4407
E-Mail: s.werres(at)bba.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de

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