Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Moleküle mit dem Licht reden

16.08.2007
Universität Jena beruft junge Spanierin auf Professur für Physikalische und Theoretische Chemie

Was die Welt im Innersten zusammenhält, das hat Leticia González bereits während ihres Studiums fasziniert. Die Spanierin hat jedoch wenig mit Germanistik zu tun, sie begeistert sich für Chemie - und dies in der grundlegendsten Form: der Theoretischen Chemie.

Dieses Fach hat sie in ihrer Geburtsstadt Madrid studiert, darüber hat sie ihre Masterarbeit in London geschrieben und 1998 in Madrid promoviert. "Ich will verstehen, was in den Molekülen und Atomen vorgeht", sagt González und ist davon überzeugt: "Das kann man nur durch die Theorie verstehen". Konsequenterweise habilitierte sie sich 2004 in Theoretischer Chemie an der FU Berlin, wohin sie 1999 mit einem Stipendium gekommen war - wegen damals fehlender Deutschkenntnisse etwas zögerlich. Doch dann verliebte sie sich in das Land, "in dem die Quantenmechanik geboren wurde".

Nun hat diese Liebe einen neuen Höhepunkt erreicht: Die Alexander von Humboldt- und Heisenberg-Stipendiatin, die inzwischen perfekt deutsch spricht, hat den Ruf auf die Professur für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Jena angenommen. Am 1. Oktober tritt sie die Professur offiziell an, nachdem sie die Stelle bereits im Sommersemester vertreten und dabei Jena so sehr schätzen gelernt hat, dass sie sogar die Großstadt, "an der mein Herz hängt", gegen das überschaubare Jena verlassen hat.

... mehr zu:
»Molekül

"Jena ist ein Platz, an dem ich noch wachsen kann", begründet die 36-jährige Chemikerin die Wahl. Eine Wahl, die die Friedrich-Schiller-Universität zu einer von nur fünf Universitäten in Deutschland macht, an der eine Frau eine theoretische Chemie-Professur besetzt. Wenig verwunderlich ist es daher auch, dass fast die Hälfte ihres zukünftig 12-köpfigen Teams weiblich besetzt ist. "Ich habe wohl so etwas wie eine Vorbildfunktion", sagt Prof. Dr. Leticia González dazu bescheiden. Dabei liegt es sicher auch an der Leidenschaft, mit der sie über ihr Fach und ihre Forschungen spricht.

Im Mittelpunkt ihres Interesses stehen die Reaktionen und Eigenschaften von Molekülen, wenn sie mit Licht bestrahlt werden. Wohin sich Moleküle bei Lichteinstrahlung drehen, das untersucht sie an maximal 10 bis 100 Atomen. "Wir können verstehen, wie die Moleküle miteinander sprechen", vergleicht sie es mit Sprache und nennt als ihr Forschungsziel: "Wir wollen die Kommunikation zwischen Molekül und Licht anregen und beeinflussen". Das sei zwar vor allem Grundlagenforschung, die überwiegend am Computer geschieht, betont die Neu-Jenaerin, die besonderes "Interesse an komplexen Problemen, wie sie etwa in der Dynamik vorkommen", hat. Doch wenn diese Grundlagen, die sie gerne "bei der Natur abschaut", aufgeklärt sind, dann könnten daraus molekulare Maschinen entstehen, für die Licht das ist, "was der Wind für Windmühlen ist", so González.

Konkret erforscht sie derzeit die Photostabilität von DNA-Basen sowie Grundlagen für die photodynamische Therapie. Für all diese Themen findet die sprachgewandte Spanierin viele Partner in Jena - so dass sie hier in ein gutes Netzwerk kommt, um zu berechnen, wie Licht die Welt im Innersten zusammenhält.

Kontakt (ab 01.10.07):
Prof. Dr. Leticia González
Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena
Helmholtzweg 10
07743 Jena
Tel.: 03641 / 948360
E-Mail: leticia.gonzalez[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.chemie.fu-berlin.de/gonzalez
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Molekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
28.07.2017 | Technische Universität München

nachricht Mit einem Flow-Reaktor umweltschonend Wirkstoffe erzeugen
28.07.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise