Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fruchtige Getränke aus der Brauerei

14.08.2007
Johannes Bader vom Fachgebiet Mikrobiologie und Genetik der TU Berlin entwickelt neues Getränk

Deutsche Brauereien könnten in naher Zukunft neben dem traditionellen Bier ein weiteres Naturprodukt anbieten, das ohne Alkohol und vor allem ohne den bitteren Geschmack des Hopfens auskommt und stattdessen mit gesundheitsfördernden Komponenten auftrumpft. Johannes Bader entwickelt solche Getränke mit fruchtigem Geschmack am Fachgebiet Mikrobiologie und Genetik des Instituts für Biotechnologie der Technischen Universität Berlin (TUB).

Die Hauptarbeit in einer Brauerei erledigen mikroskopisch kleine, aber hoch entwickelte Organismen, die Bierhefen. Da diese Mikroorganismen mit Gerste wenig anfangen können, darf das Getreide erst keimen, wird danach aber getrocknet. Das so entstandene Malz enthält reichlich Stärke, die anschließend mit natürlichen Enzymen in so genannten Malzzucker umgewandelt wird, den Fachleute auch als "Würze" bezeichnen. Mit dieser Würze füttern die Brauer nun die Bierhefe, die den Zucker unter anderem zu Alkohol umsetzt. Gleichzeitig entstehen auch andere Substanzen, von denen Forscher inzwischen bis zu achttausend verschiedene in Bier nachweisen können.

TUB-Forscher Johannes Bader aber verwendet spezielle Hefen, die kaum noch Alkohol liefern, um neuartige Getränke herzustellen. Diese Mikroorganismen reichert er mit der Würze aus der Bierherstellung an. Alleine aber macht Hefe aus dem Zucker kein aromatisches Getränk. Also setzt Johannes Bader zusätzlich auch noch Bakterien ein, die ebenfalls schon seit Jahrhunderten verwendet werden, um Sauerkraut und Joghurt herzustellen. Milchsäurebakterien wandeln zum Beispiel den Zucker in der Würze in Milchsäure um. Essigsäurebakterien heißen die dritten eingesetzten Mikroorganismen, die den Zucker nur wenig verändern und dabei die so genannte Gluconsäure erzeugen. Für diese Substanz interessieren sich viele Forscher, weil sie nicht nur einen positiven Einfluss auf den Darm hat, sondern auch noch der Entstehung von Krebs vorbeugt und giftige Substanzen im Körper unschädlich macht. Da in der Würze obendrein bereits Mineralstoffe, Vitamine und so genannte phenolische Verbindungen vorkommen, die ebenfalls die Gesundheit fördern, sollten Hefen und die beiden Bakterienarten mit traditionellen Methoden ein gesundes Naturgetränk erzeugen.

Bei der Arbeit mit einer solchen Mischung aus zwei Bakterien-Arten und einer Hefe taucht aber schnell ein Problem auf: Jeder der Mikroorganismen benötigt eine andere Temperatur, einen unterschiedlichen Säuregrad und andere Sauerstoffmengen, um optimal zu arbeiten. Aus einer Sammlung von 2000 Hefestämmen und 400 Bakterienstämmen testet TUB-Forscher Johannes Bader daher erst einmal, welche von ihnen am besten zusammenwirken, um ein erfrischendes Getränk zu erhalten. Und da Hefen bei ihrer Arbeit auch noch Verbindungen herstellen, die Chemiker als "Ester" und "Laktone" kennen, die häufig sehr aromatisch schmecken und vielen Früchten ihren fruchtigen Geschmack verleihen, untersucht der Forscher nicht nur die Zusammensetzung des Getränks, sondern probiert auch, ob die Flüssigkeit schmeckt.

Das Ergebnis hat nicht nur Johannes Bader überzeugt, sondern auch die Brauereien: Deren Verein zur Wissenschaftsförderung hat die Forschung unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ulf Stahl und Dr. Edeltraud Mast-Gerlach gefördert, und die Brauereien interessieren sich sehr für das Verfahren. Es liefert schließlich neben der Bierbrauerei ein weiteres Getränk, das gleichzeitig ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein der Branche werden könnte.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Johannes Bader, Fachgebiet Mikrobiologie und Genetik der TU Berlin, Seestraße 13, 13353 Berlin, Tel.: 030/ 45080-277, E-Mail: J.Bader@lb.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/medieninformationen/

Weitere Berichte zu: Brauerei Getränk Hefe Mikroorganismus Würze Zucker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz