Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effizientere Impfung dank bakteriellem Signalmolekül

13.08.2007
Helmholtz-Immunologen bereiten den Weg für Impfungen über die Schleimhäute

Forscher des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) haben einen bakteriellen Botenstoff als vielversprechendes Werkzeug für wirksamere und kostengünstigere Immunisierungen beschrieben: Eine Impfung bei gleichzeitiger Gabe dieses Moleküls soll es ermöglichen, Erreger künftig bereits beim Eintritt in den Körper zu stoppen.

"Die meisten Erreger von Infektionskrankheiten dringen über die Schleimhäute in den Körper ein", sagt Prof. Dr. Carlos A. Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI). "Den Zugang zum Körper mit einer Impfung zu schließen, ist unser Forschungsanliegen." Dem ist die Gruppe um Guzmán nun einen deutlichen Schritt näher gekommen.

"Impfstoffe benötigen Hilfsstoffe, sogenannte Adjuvantien, um gut wirken zu können", erläutert Dr. Thomas Ebensen, Immunologe am HZI. Gemeinsam mit seinem Team hat Ebensen jetzt einen neuen, viel versprechenden Hilfsstoff beschrieben. Adjuvantien werden gemeinsam mit dem Impfstoff verabreicht und sind offensichtlich rar: In Europa haben bislang nur zwei verschiedene Hilfsstoffe die Zulassung. Dabei benötige man eigentlich eine ganze Schublade voller Adjuvantien, da für die unterschiedlichen Infektionskrankheiten auch verschiedene Immunantworten benötigt werden; dies erreiche man durch den Einsatz von unterschiedlich wirkenden Adjuvantien, so der Forscher Ebensen.

... mehr zu:
»HZI »Hilfsstoff »Impfung »Signalmolekül

In einer von Bakterien produzierten Substanz liegt nun des Forschers ganze Zuversicht: "Warum nicht Signalmoleküle der bakteriellen Zell-Zell-Kommunikation nutzen, die unserem Immunsystem seit jeher bekannt sind", fragte sich Ebensen und erklärt: "Bakterien interagieren während einer Infektion mit ihrer Umgebung, also auch mit den menschlichen Immunzellen. Unsere Abwehrzellen erkennen die bakteriellen Signalmoleküle als Gefahr, als sogenannte danger signals, und reagieren.

Wir untersuchten in diesem Kontext zyklische Monophosphate, die in der bakteriellen Kommunikation eine Rolle spielen."

"Die Substanz ist auch in sehr geringer Dosierung hoch wirksam", ergänzt Ebensens Kollege Dr. Kai Schulze. Durch den Einsatz effizienter Adjuvantien wie diesem könnten Impfungen künftig kostengünstiger angeboten werden, da die Konzentration des Impfstoffes deutlich reduziert werden kann, sagen die Forscher. Was für sie aber noch viel interessanter ist, ist die Möglichkeit der besseren Verabreichungsform, etwa als Spray: "Impfungen werden heute vornehmlich mittels Spritze durchgeführt", so die Immunologen. Das stelle ein großes Problem dar; der schmerzhafte "Pieks" reduziere die allgemeine Akzeptanz von Impfungen. Auch in den hygienischen Verhältnissen der Länder der Dritten Welt seien Nadelimpfungen eine potentielle Gefahr: Der mehrfache Einsatz der Spritzen bedeute ein erhöhtes Infektionsrisiko. "Die Verabreichung über die Schleimhäute, etwa durch ein Nasenspray, ist einfacher und schmerzfrei", sagt Schulze. Zudem wird so auch ein Schutz auf den Schleimhäuten stimuliert und der Erreger wird bereits vor dem Eindringen, also vor der Infektion gestellt.

Hilfe verspricht das neue Adjuvans bei einer Vielzahl von Impfungen. Am HZI wurde es mit Wirkstoffen, die gegen AIDS, Grippe und Hepatitisinfektionen gegeben werden, erfolgreich an Mäusen getestet.

"Jetzt geht's aber erst richtig weiter", sagt Ebensen. In seinem Labor wird er nun weitere Tests durchführen, um sicher zu stellen, dass Monophosphate als neue Hilfsstoffe zugelassen werden. In Kooperation mit der Industrie und anderen Partnern, wie der Medizinischen Hochschule Hannover, soll das Adjuvans weiter entwickelt und letztendlich in die Anwendung gehen.

Sabine Kluge | Helmholtz Infektionsforschung
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Berichte zu: HZI Hilfsstoff Impfung Signalmolekül

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops