Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Luft weg bleibt - Neues Gen als Verursacher von Asthma bei Kindern

08.08.2007
Tierhaare, Pollen oder Hausstaub: In der Regel sind es für andere Menschen ungefährliche äußere Reize, die bei Asthmakranken eine lebensgefährliche Verengung der Bronchien auslösen.

Eine internationale Kooperation unter der Federführung von Forschern der LMU München und der Oxford University, UK, konnte nun ein Gen identifizieren, das in bestimmten Varianten das Risiko, in der Kindheit an Asthma zu erkranken, deutlich erhöht.

Ebenfalls an dieser groß angelegten Studie beteiligt war Dr. Thomas Illig, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Epidemiologie am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München.

Das Team untersuchte über 300.000 genetische Merkmale bei Tausenden von asthmakranken Kindern und verglich deren Daten mit denen gesunder Altersgenossen. Das neu gefundene Gen, ORMDL3, ist ein viel versprechendes Forschungsobjekt: Es könnte helfen, die Prävention und Diagnostik von Asthma zu verbessern sowie möglicherweise eine Therapie zu entwickeln.

... mehr zu:
»Asthma »Gen »LMU »ORMDL3

An Asthma leidet jedes zehnte Kind in Deutschland - ohne auf Heilung hoffen zu können. Denn bislang werden bestenfalls nur Symptome behandelt. Das Forscherteam konnte nun aber wohl einen der Hauptakteure im komplexen Zusammenspiel aus genetischen und umweltbedingten Faktoren, die zu Asthma führen, identifizieren. Die Wissenschaftler machten sich dabei zunutze, dass das genetische Material verschiedener Individuen Unterschiede aufweist. Bei diesen so genannten SNPs, kurz für "Single Nucleotide Polymorphisms", handelt es sich um hoch variable genetische Variationen an jeweils einer Stelle des Erbmoleküls DNA. Sie können für statistische Analysen verglichen und ausgewertet werden, wenn sie in der Bevölkerung oft genug vorkommen.

In bislang unerreichter Größenordnung wurden im vorliegenden Fall mehr als 300.000 SNPs bei rund 2300 Studienteilnehmern ausgewertet, wobei knapp die Hälfte seit Kindheitstagen an Asthma litt. Der Vergleich ihrer genetischen Daten mit denen der gesunden Altersgenossen zeigte, dass mehrere genetische Varianten das Risiko für Asthma im Kindesalter deutlich erhöhen. Beeinflusst wurde davon vor allem die Aktivität des Gens ORMDL3. Signifikante Assoziationen müssen aber in so genannten Replikationsstudien an unabhängigen Populationen von Probanden untersucht werden. "Am GAC, dem Genomanalysezentrum der GSF, haben wir deshalb eine Asthmapopulation, die an der LMU durch Privatdozent Dr. Michael Kabesch rekrutiert wurde, analysiert und so die Ergebnisse letztlich bestätigen können", berichtet Illig.

Die Asthma-Studie wird in Deutschland vom nationalen Genomforschungsnetzwerk (NGFN) gefördert und wurde im Rahmen des EU-finanzierten GABRIEL-Projekts zur Entschlüsselung der Ursachen von Asthma durchgeführt. Illig ist als Partner an beiden Projekten beteiligt. Nun haben er und seine Kollegen Nachfolgeuntersuchungen geplant. "Das war wirklich eine hervorragende Kooperation, die wir weiterführen werden und wollen", so der Molekularbiologe. "Die GSF ist nicht zuletzt an derart hochkarätigen Projekten beteiligt, weil das Genomanalysezentrum zu den wenigen Einrichtungen gehört, die genomweite Studien in dieser Größenordnung durchführen können. Was die Genotypisierung angeht, gehören wir in Deutschland zu den führenden Gruppen."

Genetic variants regulating ORMDL3 expression contribute to the risk of childhood asthma
Miriam F.Moffatt, Michael Kabesch, Liming Liang, Anna L. Dixon, David Strachan, Simon Heath, Martin Depner, Andrea von Berg, Albrecht Bufe, Ernst Rietschel, Andrea Heinzmann, Burkard Simma, Thomas Frischer, Saffron A.G. Willis-Owen, Kenny C.C. Wong, Thomas Illig, Christian Vogelberg, Stephan K. Weiland, Erika von Mutius, Goncalo R. Abecasis, Martin, Farrall, Ivo G. Gut, G. Mark Lathrop & William O.C. Cookson

Nature, 4. Juli 2007, S. 470-473, doi: 10.1038/nature 06014

Kontakt zur GSF-Pressestelle:

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Kommunikation
Tel: 089 3187-2460
Fax 089 3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2007/asthmagen.php

Weitere Berichte zu: Asthma Gen LMU ORMDL3

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise