Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentechnisch veränderte Mäuse sollen Schizophrenie-Rätsel lösen

06.08.2007
Tierisches Modell ermöglicht entscheidende neue Erkenntnisse

Wissenschaftler der Johns Hopkins University haben Mäuse gentechnisch verändert, um die anatomischen und verhaltensbedingten Defekte darzustellen, die mit Schizophrenie in Zusammenhang stehen. Frühere Studien, die auf Medikamenten basierten, konnten nur die Symptome wie Wahnvorstellungen und Paranoia imitieren. Die aktuelle Studie soll basierend auf einer entscheidenden genetischen Veränderung zu einem größeren Wissen über diese Krankheit führen. Details der Forschungsergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Tierische Modelle der Schizophrenie waren laut BBC immer schwer zu entwickeln, da für eine Erkrankung eine ganze Reihe von Ursachen verantwortlich ist. Die Wissenschaftler nutzten die aktuelle Entdeckung eines entscheidenden Risikofaktors. Das Gen DISC 1 produziert ein Protein, das den Nervenzellen hilft, die richtige Position im Gehirn einzunehmen. Die gentechnisch veränderten Mäuse produzierten zusätzlich zu der normalen eine unvollständige, verkürzte Form dieses Proteins. Die veränderte Form band sich in der Folge an die normale an und störte die normale Funktionsweise.

Als diese Tiere erwachsen wurden, waren sie in einem offenen Raum aufgeregter, hatten Probleme beim Auffinden von versteckter Nahrung und konnten weniger gut schwimmen als normale Artgenossen. Diese Verhaltensweise findet sich in der Hyperaktivität, der Schwächung des Geruchssinns und der Apathie bei Schizophrenie-Patienten wieder. Eine Kernspinresonanztomografie machte zusätzlich die charakteristischen Defekte in der Gehirnstruktur sichtbar. Dazu gehörten unter anderem auch vergrößerte laterale Ventrikel. Diese Gehirnregion spielt bei der Zirkulation der Rückenmarksflüssigkeit eine entscheidende Rolle und schützt auch gegen körperliche Traumata.

Der leitende Wissenschaftler Akira Sawa erklärte, dass die Defekte dieser Mäuse nicht so schwer waren, wie jene, die normalerweise bei Schizophrenie-Patienten auftreten. Mehr als ein Gen sei erforderlich, um diese Krankheit auszulösen. "Jetzt können wir aber erforschen, wie externe Faktoren wie Stress oder Viren die Symptome verstärken können." Zusätzlich sei es jetzt möglich, diese Mäuse mit anderen gentechnisch veränderten Mäusen zu kreuzen und so weitere Schizophrenie-Gene zu finden. "Unser Ziel ist es, einen Ansatz zur Heilung von Schizophrenie zu finden."

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jhu.edu
http://www.pnas.org

Weitere Berichte zu: Gen Mäuse Protein Schizophrenie Schizophrenie-Patienten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie