Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

03.08.2007
Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München konnten zeigen, dass Stammzellen am Wachstum von Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) beteiligt sind. Für ihr Projekt wurden sie auf dem Kongress des Europäischen Pankreas Clubs unter 500 eingereichten Studien mit dem Preis für die beste Arbeit ausgezeichnet.

Das Knochenmark beherbergt Stammzellen, die sich außerhalb des Körpers vermehren lassen und sich in verschiedene Zelltypen umwandeln können. Diese Eigenschaften machen die sogenannten mesenchymalen Stammzellen (MSC) zu einem attraktiven Werkzeug für den klinischen Gebrauch.

Diese Stammzellen wandern im Organismus offenbar dorthin, wo Auf- und Umbauprozesse stattfinden, etwa bei Verletzungen. Man vermutet, dass sie dann an der Neubildung von Knochen, Sehnen, Knorpel, Muskeln oder Fett beteiligt sind. Auch von chronischen Entzündungen werden diese Stammzellen angezogen - sie reparieren dort als "Retter in der Not" die Entzündungsschäden. Von besonders großem therapeutischem Interesse ist die Beobachtung, dass die Stammzellen ebenso magisch von wachsenden Tumoren angelockt werden. Warum das so ist, weiß man nicht genau. Aber die seit langem bekannte Verbindung zwischen Krebs und einer chronischen Gewebeentzündung wie bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung könnte auf kontinuierlich ablaufenden Gewebereparatur-Prozessen des Körpers beruhen, die aus der Kontrolle geraten sind.

Ärzte der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München um Professor Dr. Helmut Friess und Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg vermuten nun, dass diese Stammzellen auch im Zusammenhang mit dem Pankreaskarzinom eine wichtige Rolle spielen und sich sogar zur Therapie dieses äußert bösartigen Tumors eignen könnten. In einem Forschungsprojekt haben Privatdozent Dr. Peter Büchler, Chirurgischer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar, und Frau Professor Dr. Ingrid Herr vom Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen mit Kollegen herausgefunden, dass Stammzellen gezielt in Pankreaskarzinome einwandern und dort vermutlich am Wachstum der Tumoren beteiligt sind.

Bei den Analysen menschlicher Krebszellen stellte sich heraus, dass MSC stark von Stoffen angezogen werden, die von bösartigen Geschwülsten abgegeben werden. Um den Mechanismus näher zu untersuchen, pflanzten die Krebsforscher Mäusen menschliche Pankreaskrebszellen in ihre Bauchspeicheldrüse und injizierten farbig markierte MSC in die Blutbahn. Die Folge: Die farbigen Stammzellen fanden sich in der Mehrzahl im Tumor wieder und waren dort offenbar auch in die Blutgefäße eingewandert.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen, wo man ansetzen könnte, um MSC mit therapeutischen Genen auszustatten und effizient in Tumoren und ihre Metastasen einzuschleusen. Allerdings sind vor einer sicheren klinischen Anwendung noch viele Fragen der Grundlagenforschung zu beantworten. Die bisherigen Daten dieses Projektes haben die Kooperationspartner im Juli auf dem 39. Kongress des Europäischen Pankreas Clubs in Newcastle, England, vorgestellt. Unter 500 anderen Projekten wurden sie mit dem ersten Preis für die beste wissenschaftliche Arbeit gewürdigt, nicht zuletzt aufgrund der hohen klinischen Relevanz und des hohen Zukunftspotentials dieser Arbeit.

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Bauchspeicheldrüse Krebsforschungszentrum MSC Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive