Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Babyfood" - Europaweites Projekt für mehr Sicherheit bei Nahrungsmitteln für Babys etabliert

25.07.2007
Stillen ist nicht mehr "in". Deutlich mehr als die Hälfte aller Babys in Deutschland werden gar nicht oder nur sehr kurzzeitig gestillt. Stattdessen werden Neugeborene und Babys mit industriell gefertigter Milchnahrung oder Feststoffnahrung wie Gemüsebrei ernährt. Allerdings ist bislang noch unklar, ob sich chemische Rückstände in kommerzieller Babynahrung auf die Gesundheit und insbesondere für das Hormonsystem von Babys auswirken.

Eine Antwort auf diese wichtige Frage soll das jetzt beginnende und auf zwei Jahre angelegte europaweite Projekt "Babyfood" des multinationalen Konsortiums CASCADE geben. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dr. Karl-Werner Schramm am GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit hat "Babyfood" initiiert und ist maßgeblich an der Umsetzung und Finanzierung beteiligt. Im Rahmen von CASCADE kooperieren mehr als 24 wissenschaftliche Arbeitsgruppen aus neun Ländern der Europäischen Union.

Der Organismus eines Kleinkindes bedarf des besonderen Schutzes, denn "Chemikalien in kommerzieller Babynahrung beeinflussen noch unausgereiftes Gewebe eines wachsenden kindlichen Organismus stärker als Gewebe eines Erwachsenen mit abgeschlossenem Wachstumsprozess. Da bei Babys Organsysteme wie Nerven-, Atem- und Reproduktionsorgane noch nicht völlig ausgereift sind, ist die Toxinausscheidung erschwert. Weiterhin nehmen Kinder gesundheitsschädliche Inhaltstoffe aus der Nahrung leichter auf als Erwachsene", warnt der Münchner Ökotoxikologe Karl-Werner Schramm.

Früheren Untersuchungen zufolge können schon sehr geringe Chemikalienmengen in Lebensmitteln das Hormonsystem des Menschen beeinträchtigen. Diese Substanzen imitieren häufig menschliche Hormone und wechselwirken mit Rezeptoren, die im Kern der Körperzellen lokalisiert sind. Zu dieser großen Familie strukturell verwandter Rezeptoren gehören auch jene für die Hormone Östrogen und Testosteron sowie für das Schilddrüsenhormon Thyroxin. Werden nukleare Rezeptoren durch Umweltchemikalien fehlgesteuert, kann dies langfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Deshalb stehen bei Babyfood vor allem Umweltchemikalien, welche Hormonrezeptoren aktivieren, im Mittelpunkt des Interesses.

Der Ablauf ist wie folgt geplant: In den Ländern Deutschland, Spanien, Slowakei, Schweden und Italien wird zunächst basierend auf Verbraucherzahlen kommerzielle Babynahrung für die ersten neun Monate akquiriert. Nach anerkannten Ernährungsgesichtspunkten werden drei gemeinsame Pools gebildet: Jeweils in den ersten vier Monaten stehen normale Trockenmilch-Babynahrung (Gruppe A), teilweise ergänzt durch Tee und Honig, Sojanahrung (Gruppe B) und hypoallergene Milchnahrung (Gruppe C) auf dem Speisezettel. Ab dem 5. Monat bis 9. Monat folgt einheitliche Feststoffnahrung wie zum Beispiel Gemüsebrei.

Daraus werden insgesamt 19 Proben hergestellt und untersucht: 13 davon werden chemisch auf den Gehalt an Cadmium, Dioxin, PCB, Pestizid-Organochlorverbindungen untersucht; Gruppe C speziell noch auf Genistein, ein Phytoöstrogen, das in der Sojabohne vorkommt. Die chemische Analytik für Dioxin und PCB erfolgen bei der GSF.

Neun Proben werden sowohl in vitro als auch in vivo getestet, um herauszufinden, wie nukleare Rezeptoren auf das komplexe Gemisch an Umweltchemikalien reagieren und um die Frage zu klären, ob die heutigen Verfahren überhaupt in der Lage sind, die benötigte Diagnostik in der komplexen Matrix "Babyfood" tatsächlich bereit zu stellen. "Es gibt z.B. Hinweise, dass Cadmium und Pestizide Östrogenrezeptoren beeinflussen und Dioxin und PCB an jenen Rezeptor andocken, der in einer Zelle schädigenden oxidativen Stress hervorruft", erklärt Schramm. Auffällige Proben sollen zusätzlich an Larven und Eiern von Zebrafisch (Danio rerio) und am Krallenfrosch (Xenopus laevis) untersucht werden. Die molekularen Mechanismen ihrer nuklearen Rezeptoren sind in einer frühen Entwicklungsphase nämlich ähnlich denen des Menschen.

Geplant ist, aus den Untersuchungsergebnissen eine Bewertung abzuleiten sowie eine Risikoabschätzung für die einzelnen Gruppen von Babynahrung vorzunehmen. Da die Babynahrungsprodukte gepoolt werden, ist zwar keine Beurteilung der Produkte einzelner Hersteller möglich. Es können jedoch Empfehlungen für eine möglichst schadstoffarme Ernährung eines Kleinkindes in den ersten neun Monaten abgeleitet werden. Erste Ergebnisse für die beiden Gruppen A und B sollen bereits Ende Oktober beim nächsten Jahrsetreffen von CASCADE vorliegen.

Kontakt zur GSF- Pressestelle:
GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Abteilung Kommunikation
Tel: 089/3187-2460, Fax 089/3187-3324, E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2007/babyfood.php

Weitere Berichte zu: Baby Babynahrung CASCADE Dioxin PCB Probe Rezeptor Umweltchemikalien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie