Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genomweite Suche identifiziert erstes Risikogen für Gallensteine

16.07.2007
Cologne Center for Genomics der Universität zu Köln setzt auf neue Genchips

Das renommierte Wissenschaftsmagazin Nature Genetics berichtet in seiner aktuellen Onlineausgabe (http://dx.doi.org/ DOI 10.1038/ng2101) über die Entdeckung eines Risikogens für das Gallensteinleiden. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Kiel, Köln, Greifswald und Chile hat eine Genvariante entdeckt, die das Risiko für Gallensteine deutlich erhöht.

Gallensteine sind ein sehr häufiges und relevantes Gesundheitsproblem in den Industrieländern. Die Erkrankung hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen - heute hat zum Beispiel bei den über 60jährigen Frauen jede zweite einen Gallenstein. In der Hälfte der Fälle macht der Gallenstein Probleme: Schmerzen, Entzündung der Gallenwege oder auch der Bauchspeicheldrüse können die Folge sein. Am Ende steht dann meist die chirurgische Entfernung der Gallenblase. Im Jahre 2005 wurden allein in Deutschland über 192.000 Gallenblasen entfernt.

Um Genvarianten, die für die Auslösung dieser und anderer Krankheiten relevant sind, erkennen zu können, werden sogenannte "Genchips" eingesetzt. Mit ihnen lässt sich das gesamte Erbmaterial in einem einzigen Experiment an mehr als einer Million Positionen auf Unterschiede zwischen kranken und gesunden Menschen prüfen. Bei der Einführung dieser Technologie in Deutschland hat das Cologne Center for Genomics (CCG) der Universität zu Köln Pionierarbeit geleistet und inzwischen zahlreiche Studien zusammen mit klinischen Partnern durchgeführt. Mehr als 6000 Patienten mit den unterschiedlichsten Erkrankungen, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Asthma oder Epilepsie, wurden bisher auf diese Weise untersucht. Bei der Erkennung von Gallensteinleiden nun erstmals mit deutlichem Erfolg. "Hier ist uns endlich mal ein richtig dicker Fisch ins Netz gegangen", freut sich der Leiter des Cologne Center for Genomics, Prof. Dr. Peter Nürnberg.

Die entdeckte Genvariante birgt ein für Volkskrankheiten ungewöhnlich hohes Risiko: Bei den Anlageträgern bilden sich im Laufe des Lebens zwei- bis siebenmal häufiger Gallensteine als in der übrigen Bevölkerung. Am Kölner CCG wurde bei 280 Patienten die gesamte Erbsubstanz mit einem "Genchip" der Firma Affymetrix auf Krankheitsvarianten untersucht. Eine Auswahl der auffälligsten Varianten wurde dann bei über 2000 weiteren Patienten am Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie geprüft und der Befund erhärtet. "Einen so deutlichen Einfluss der Genvariante hätten wir nicht erwartet, erklärt der Kieler Internist Prof. Dr. Ulrich Fölsch. Für den starken Effekt spricht auch, dass Kollegen aus Bonn bei nur 178 Patienten die Risikovariante bestätigen konnten.

"Dieser Erfolg wurde durch die gute Kooperation hier am Universitätsklinikums Schleswig-Holstein mit den regionalen Krankenhäusern möglich", erklärt der Projektleiter PD Dr. Jochen Hampe. Vor zwei Jahren sind wir hier über Land gefahren und haben die Chirurgen der umliegenden Krankenhäuser überzeugt, mit uns gemeinsam nach den Genen für die Gallensteinentstehung zu fahnden, erinnert sich der Kieler Chirurg PD Dr. Jürgen Tepel.

Die entdeckte Genvariante eröffnet erstmals die Möglichkeit, die Ursachen der Gallensteinerkrankung neu zu verstehen. Die Mediziner hoffen nun, dass dieses Wissen in die Entwicklung von Medikamenten mündet und damit Patienten mit Gallensteinleiden in Zukunft auch ohne Operation geholfen werden kann.

Bei Rückfragen:
PD Dr. Jochen Hampe
1. Medizinische Klinik (Professor Dr. U. R. Fölsch)
Telefon: 0431/5971246
E-Mail: jhampe@1med.uni-kiel.de
Prof. Dr. Peter Nürnberg
Cologne Center for Genomics
Telefon: 0221/4707821
E-Mail: nuernberg@uni-koeln.de

Merle Hettesheimer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ccg.uni-koeln.de

Weitere Berichte zu: Gallenstein Gallensteinleiden Genomics Genvariante Risikogen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie