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Neuer Kinase Hemmstoff gegen fortgeschrittene Tumoren

09.07.2007
Überprüfung in klinischer Studie (Phase 1) an zwei Zentren in Deutschland

Medikamente, die überaktive Kinasen hemmen, gehören zu den Hoffnungsträgern der modernen Krebsmedizin. Im Rahmen einer klinischen Studie (Phase 1) wird jetzt an zwei Zentren in Deutschland ein Wirkstoff geprüft, der die so genannte Aurora Kinase (AK) hemmt. "Im Gegensatz zu einem Zytostatikum, das alle Zellen im Körper angreift, die gesunden ebenso wie die Krebszellen, verfolgt das neue Medikament eine sehr zielgerichtete Strategie. Es greift direkt in die Kommunikation ein, welche die Zellteilung steuert und versucht so zu verhindern, dass das Tumorgewebe weiter wächst", erklärt der Studienkoordinator Privatdozent Dr. med. Klaus Mross, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg. Die Kinase-Hemmstoffe gehören zu einer neuen Generation von Medikamenten, die als "Targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) bezeichnet wird.

Da der Einsatz von Zytostatika (Chemotherapie) bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung oft nur begrenzt erfolgreich ist, konzentrieren sich die Wissenschaftler inzwischen verstärkt auf neue Therapiekonzepte. Die so genannten Kinase Hemmstoffe sind deshalb so vielversprechend, weil sie bereits bei der Zellteilung ansetzen. Das heißt sie greifen ganz gezielt in die Signalwege ein, die die Teilung der Krebszellen steuern und versuchen so, das Wachstum des Tumors zu verhindern. "In sämtlichen präklinischen Prüfungen zeigte der neue Wirkstoff, dass er in der Lage ist, die Zellteilung in genau definierten Phasen des Zellzyklus zu blockieren", so Mross. Im Rahmen einer ersten klinischen Prüfung (Phase I) wird die Studie an zwei Behandlungszentren des europäischen Netzwerks CESAR (Central European Society of Anticancer Drug Research) durchgeführt, die über große Erfahrung in Phase I Studien verfügen (Klinik für Tumorbiologie Freiburg, Tumorklinik des Universitätsklinikums Essen). Teilnehmen können Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankungen.

Stichwort: Kinase-Hemmstoffe

Derzeit sind mehr als 500 Kinasen bekannt. Kinasen leiten Zellsignale weiter und beeinflussen zahlreiche biologische Prozesse im Körper. Eine Reihe von Kinasen steht im Verdacht, bei Krebs, Entzündungsprozessen oder kardiovaskulären Erkrankungen eine zentrale Rolle zu spielen. Die Kinasen bilden ein komplexes Netzwerk, das bei diesen Erkrankungen gestört ist. Durch Medikamente, die einzelne Kinasen hemmen, kann inzwischen das Tumorwachstum therapeutisch beeinflusst werden. Der Durchbruch für diese neue Generation von Medikamenten gelang mit einem Wirkstoff, der 2001 gegen Chronisch Myeloische Leukämie und 2002 gegen Gastrointestinale Stromatumore zugelassen wurde (Proteinkinase Inhibitor: Imatinib). Inzwischen sind bereits zwei weitere Kinaseinhibitoren für die Behandlung von Krebserkrankungen (Nierenzellkrebs) zugelassen worden (Sunnitinib und Sorafenib). Der neue Wirkstoff ist der erste Aurora-Kinase-Hemmstoff, der bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in Deutschland geprüft wird.

Kontakt:
Barbara Riess
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg
Tel.: 0761 206 1109
Fax: 0761 206 1107
riess@tumorbio.uni-freiburg.de
weitere Informationen:
Tel.: 0761 206 1220
Fax: 0761 206 1814
pdir@tumorbio.uni-freiburg.de

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

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