Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Echt Kaschmir?

03.07.2007
Hundert Prozent Kaschmir – Realität oder leeres Werbeversprechen? Eine DNA-Analyse der Wolle verrät, ob im Pullover wirklich die unteren Flaumhaare der Kaschmir-Ziege stecken oder ob der teure Rohstoff durch herkömmliche Schafwolle ersetzt wurde.

»Hundert Prozent Kaschmir«, ist auf dem Schildchen im Pullover zu lesen. Doch hält diese Angabe, was sie verspricht? Oder handelt es sich dabei um ein leeres Werbeversprechen, und die teuren unteren Flaumhaare der Kaschmirziege sind mit gewöhnlicher Schafwolle gestreckt worden? Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Schmallenberg sind nun in der Lage, solche Mogeleien aufzudecken. »Dazu extrahieren wir die DNA aus der Wolle«, sagt Dr. Björn Seidel, der das Projekt am IME geleitet hat.

Ein schwieriges Unterfangen, denn in Haaren finden sich nur Spuren von DNA. Zudem wird Wolle zum Teil chemisch behandelt und zum Färben erhitzt, was wiederum ein Vielfaches der vorhandenen Erbsubstanz zerstört. »Die DNA, die wir aus der Wolle bekommen, müssen wir daher millionenfach vervielfältigen, bevor wir ihre Herkunft analysieren können, beispielsweise Ziege, Schaf oder auch Kamel«, sagt Seidel.

Die Vervielfältigung läuft über ein molekularbiologisches Verfahren, die Polymerase-Kettenreaktion, kurz PCR: Der DNA-Doppelstrang wird erhitzt und spaltet sich dabei in zwei einzelne Stränge. Gleichzeitig geben die Forscher kleine DNA-Fragmente, Primer, zu, die sich an das passende Gegenstück der Woll-DNA anlagern – ähnlich wie ein Schlüssel in ein Schloss passt. Dieser Teil dient als eine Art Anker, aus der umgebenden Lösung lagern sich nun einzelne Bausteine an und vervollständigen das Puzzle zu zwei kompletten Doppelsträngen. Dieser Schritt wird mehrfach wiederholt. Dadurch wird die DNA millionenfach vervielfältigt, so dass man anschließend selbst geringste DNA-Mengen nachweisen kann.

... mehr zu:
»DNA »IME »Kaschmir »Schafwolle

Üblicherweise geben Wissenschaftler bei einem solchen Verfahren Primer hinzu, die entweder Ziegen- oder Schafs-DNA vervielfältigen. »Man würde also nur finden, was man sucht«, sagt Seidel. »Mit unserer Methode können wir mit einem Primer die DNA aller enthaltenen Wollarten gleichzeitig vervielfältigen und sind dadurch wesentlich schneller, als die herkömmlichen Verfahren.« Anschließend geben die Forscher ein Enzym zu, das die DNA an ganz bestimmten Stellen zerschneidet. An der Länge der zerschnittenen Stränge erkennen sie, von welchem Tier die DNA und damit die Wolle stammt. In einem weiteren Schritt arbeiten die Forscher nun daran, auch die prozentualen Anteile der Wollarten bestimmen zu können.

Dr. Björn Seidel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/07/Mediendienst72007Thema5.jsp

Weitere Berichte zu: DNA IME Kaschmir Schafwolle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise