Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SpongeBob mit Untermietern

28.06.2007
Wissenschaftler des Museums für Naturkunde in Berlin machten eine ungewöhnlichen Entdeckung, die sie nun in der Zeitschrift Biology Letters veröffentlichten: Das Team aus Garnelen-, Schwamm- und Schneckenforschern fand in einem See auf der indonesischen Insel Sulawesi eine bisher unbekannte Lebensgemeinschaft zwischen einem Schwamm und einer Garnele.

Naturschwämme sind recht luftige Gebilde mit vielen kleinen Hohlräumen. Jeder kennt sie, ob aus dem Tauchurlaub oder aus der eigenen Badewanne. Garnelen kennt ebenfalls jeder, sei es vom eigenen Teller oder aus dem Heimaquarium. So weit so gut, aber was haben Schwämme mit Garnelen zu tun?

Sulawesi, bekannt durch seine teils skurrile und einzigartige Tierwelt (Babirussa, Kuskus), ist seit mehr als hundert Jahren Ziel zahlreicher Forschungsreisen, darunter auch die des berühmten Naturforschers Alfred Russel Wallace. In dem im zentralen Bergland der Insel gelegenen Süßwassersee entdeckten die Berliner Forscher einen Schwamm, der eine Reihe kleiner und auffallend hübsch gefärbter Garnelen beherbergt. Zunächst nichts Ungewöhnliches, da aus dem Meer zahlreiche solcher Beispiele bekannt sind.

Für reine Süßwasserseen jedoch eine kleine Sensation, da bisher noch nie zuvor beschrieben. Auffallend ist bereits die Form des Schwammes, der eher einem typischen (marinen) Badeschwamm mit vielen größeren Hohlräumen gleicht als seinen meist eher unscheinbaren Verwandten aus dem Süßwasser. Die Garnele Caridina spongicola, ebenfalls erst kürzlich von den Berliner Wissenschaftlern entdeckt und benannt, lebt nur auf dem Schwamm bzw. in dessen Hohlräumen. In einem einzelnen Schwamm wurden bis zu 137 Garnelen gefunden. Beide Arten kommen ausschließlich in der Ausflussbucht des Towuti-Sees vor und bilden eine Zweck- oder Lebensgemeinschaft. Im Vergleich zu anderen in dem See vorkommenden Garnelen ist C. spongicola sehr klein und vermutlich aus felsenbewohnenden Vorfahren hervorgegangen. Genetische und ökologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sowohl Garnele als auch Schwamm relativ junge Arten sind, deren Entstehung durch Klimaschwankungen begünstigt worden sein könnte.

... mehr zu:
»Garnele »Garnelen »Naturkunde »Schwamm

Natürlich interessierte die Forscher besonders der Sinn dieser Lebensgemeinschaft. Welche Vor- oder Nachteile brachte es dem Schwamm oder umgekehrt der Garnele? Von Seiten der Garnele hatte man schnell eine Vermutung: Der Schwamm bietet ihr Schutz vor Fressfeinden und ebenso Nahrung. Letzteres nicht durch fressen des Schwammgewebes, wie man vermuten könnte, sondern durch zahlreiche Nahrungspartikel, die sich auf dem Schwamm ansammeln. Lecker, denkt die Garnele und greift zu, aber ohne dem Schwamm direkt zu schaden. Die Schwammperspektive ist jedoch bisher noch ungeklärt. Vermutlich führen beide eine Art junger Zweckehe zum gegenseitigen Nutzen, hier besteht aber noch weiterer Forschungsbedarf. Klar ist jedenfalls, dass diese ungewöhnliche Lebensgemeinschaft durch menschlichen Einfluss stark gefährdet ist und es wäre schade, wenn sie verschwinden würde, bevor man sie genauer untersuchen und hinter ihr wahres Geheimnis kommen könnte.

Fotos zum Downloaden unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Spongebob

Kontakt:
Wissenschaft: Kristina von Rintelen, geb./née Zitzler
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin
Invalidenstr. 43, 10115 Berlin, Germany
Tel.: +49 (0) 30 2093 8404
Fax: +49 (0) 30 2093 8565
Kristina.Rintelen@museum.hu-berlin.de
Evolution in Aktion! Die neuen Ausstellungen im Museum für Naturkunde ab 13. Juli 2007!
Dr. Gesine Steiner / Pressesprecherin
Servicebereich Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin
Invalidenstrasse 43
10115 Berlin
Tel. +49(0)30 2093 8917
Fax. + 49(0)30 2093 8914
e-mail gesine.steiner@museum.hu-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.museum.hu-berlin.de
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

Weitere Berichte zu: Garnele Garnelen Naturkunde Schwamm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten