Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe am Alfred-Wegener-Institut

13.06.2007
"Marine phytoplankton observed with global biooptical methods" (PHYTOOPTICS)

Ab Juli startet eine neue Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Dr. Astrid Bracher wird die Arbeitsgruppe "Phytooptics" leiten, um Kleinstalgen im Meer, das Phytoplankton, mit Hilfe von biooptischen Methoden zu beobachten. Mit der Kombination aus Satellitenfernerkundung, Experimenten, Messungen vom Schiff und Modellen sollen Karten entstehen, die bei der Einschätzung von globalen Klimaveränderungen helfen sollen. Am 16. Juni um 11:00 Uhr stellt Astrid Bracher ihr Forschungsprogramm bei "Wissen um 11" im Haus der Wissenschaft vor. Titel ihres Vortrags: "Detaillierter Blick aus dem All - Meeresalgen global beobachtet."

Das Forschungsprojekt wird zunächst über fünf Jahre gefördert. Die Kosten werden zur Hälfte aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft gedeckt, zur anderen Hälfte vom Alfred-Wegener-Institut getragen. Neben der eigenen Stelle kann Dr. Bracher noch vier weitere Mitarbeiter einstellen und ihre eigenen Forschungsideen verfolgen. Lehrverpflichtung an der Universität Bremen mit zwei bis vier Semesterwochenstunden gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Das Programm der Helmholtz-Gemeinschaft dient der besseren Vernetzung zwischen Helmholtz-Zentren und den Partnerhochschulen. Nach drei Jahren erfolgt eine Begutachtung, die im positiven Fall der Gruppenleiterin zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, einer so genannten Tenure-Position, verhelfen kann.

Im Rahmen des Forschungsprogramms untersucht die Arbeitsgruppe die Veränderungen von Zusammensetzung, Wachstum und Produktivität des Phytoplanktons und zwar in allen Weltmeeren über längere Zeiträume. Dabei spielt der Einfluss abiotischer und biotischer Faktoren auf das Phytoplankton und dessen Funktion im Ökosystem Meer eine wichtige Rolle. Ein Schwerpunkt ist der Kohlenstoffkreislauf. Mit Hilfe von Photosynthese produzieren sie Nahrung und Sauerstoff. Dabei nehmen sie Kohlendioxid auf und entziehen es der Atmosphäre. Ein Teil der Algen wird gefressen und gelangt in die Nahrungskette, andere sinken an den Meeresboden und versenken auf diese Weise Kohlendioxid. Somit stellt das Phytoplankton eine natürliche Senke für CO2 dar.

Die Arbeitsgruppe wird Daten des Satelliten Envisat auswerten, dessen wichtigste Aufgaben die ständige Beobachtung des Klimas, des Ozeans, und der Landfläche der Erde ist. Die Satellitenfernerkundung liefert räumlich und zeitlich hoch aufgelöste Daten, die Einblick in die Luftfeuchtigkeit der Atmosphäre und die Temperaturen an der Erdoberfläche geben. Die Wissenschaftler können daraus aber noch mehr ableiten. Sie wollen die seit 2002 erfassten Satellitendaten nutzen, um verschiedene Phytoplanktongruppen abzuleiten. Dabei machen sie sich die Eigenschaften der winzigen Algen zu Nutzen, Licht aufzunehmen. Die aufgenommene Strahlung wird als so genanntes Absorptionsspektrum ermittelt und ist für verschiedene Algengruppen aufgrund ihrer Pigmentzusammensetzung gruppenspezifisch. Die Absorptionseigenschaften der Algen werden auch direkt im Wasser ermittelt und mit den Satellitendaten verglichen. Diese Validierung der Satellitendaten gehört zum so genannten "ground truthing", was so viel bedeutet wie Überprüfung am Boden.

Die Helmholtz-Nachwuchsgruppe wird an Expeditionen mit den Forschungsschiffen Polarstern und Maria S. Merian teilnehmen, um diese Messungen durchzuführen. Die typischen spektralen Muster können helfen beispielsweise Diatomeen, Kalkalgen, Blaualgen und auch toxische Algen zu identifizieren. Es sollen Karten entstehen, die die Verteilung des Planktons, ihre Biomasse und Produktivität aufzeigen. Da verschiedene Algengruppen unterschiedliche Funktionen im marinen Ökosystem und dem Kohlenstoffkreislauf haben, sollen die Karten dazu dienen, die Auswirkungen des Klimawandels besser einschätzen zu können.

Astrid Bracher hat am Alfred-Wegener-Institut über die Photoakklimatisierung von antarktischem Phytoplankton promoviert. Seit 6 Jahren ist sie am Institut für Umweltphysik der Universität Bremen im Bereich der Satelliten-Validierung atmosphärischer Daten von Instrumenten des europäischen Umweltsatelliten ENVISAT tätig. Die Helmholtz- Nachwuchsgruppe arbeitet Fächer übergreifend und ist am Alfred-Wegener-Institut in die Bereiche Klima- und Biowissenschaften mit den Themen Erdbeobachtung, Ozean Dynamik, Biologische Ozeanographie und Biogeochemie eingebunden. An der Universität Bremen ist die Gruppe am Institut für Umweltphysik angesiedelt, wo die Auswertung der Satellitendaten und die Modellierung der Daten erfolgt.

Die Nachwuchsgruppe kooperiert international mit dem Scripps Institute of Oceanography in San Diego und dem Centre d'Océanologie de Marseille, sowie national mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel und dem Institut für Küstenforschung im GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht.

Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartnerin ist Dr. Astrid Bracher (Tel. 0421/218-8958, E-Mail: bracher@uni-bremen.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie