Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zum Anti-Tumor-Impfstoff

12.06.2007
Thioether als immunologisch geeignete Verknüpfung zwischen Tumor-Antigen und Trägerprotein

Wie bringt man den Körper dazu, mit den eigenen Waffen des Immunsystems gegen Krebs vorzugehen? Im Prinzip nicht anders als im Fall von Infektionskrankheiten: Durch eine Impfung. Einen selektiven Impfstoff herzustellen, ist allerdings keine triviale Aufgabe. Ein Team um Horst Kunz von der Universität Mainz hat nun einen Weg gefunden, ein tumortypisches Molekül an ein Trägerprotein zu knüpfen, ohne das Immunsystem zu irritieren. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, basiert die Methode auf der immunkompatiblen Verknüpfung über ein Schwefelatom, einen Thioether.

Epitheliale Tumorzellen tragen ungewöhnlich hohe Mengen des Mucins MUC1 auf ihrer Oberfläche, das zudem im Vergleich zu seinen "normalen" Vettern in ganz charakteristischer Weise verändert ist. Mucine, Schleimstoffe, die die Oberfläche von Schleimhäuten schützen, sind Glycoproteine - Makromoleküle mit einer zentralen Eiweißkette und langen Seitenketten aus Zuckerverbindungen (Polysacchariden). Dieses veränderte MUC1 wäre ein geeignetes Zielmolekül (Antigen) für Antikörper im Rahmen einer immunologischen Antitumortherapie.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass solche zuckerhaltigen Verbindungen ausgesprochen ineffektiv beim Stimulieren des Immunsystems zur Bildung von Antikörpern sind. "Die Immunisierung gelingt erst, wenn sie über einen Abstandhalter an einem immunisierenden Trägerprotein verankert werden," erklärt Kunz. Was sich bei Zuckerketten noch recht simpel verwirklichen lasse, gestalte sich bei Glycoproteinen sehr kompliziert, denn der Proteinteil trage viele reaktive Atomgruppierungen, die bei einer Verknüpfungsreaktion angegriffen werden. "Zudem," so Kunz, "sind viele an sich als Anker geeignete Strukturen selber hoch immunogen, sodass die Immunantwort gegen das eigentlich Ziel, das Glycoprotein, unterdrückt sein kann."

Das Team fand nun einen geeigneten Verankerungsweg: Ihr Anker ist ein so genannter Thioether (zwei über ein Schwefelatom miteinander verbundene Kohlenstoffatome). Das Trägerprotein wird dazu zunächst mit einem Abstandhalter versehen, an dessen Ende eine Allylgruppe (zwei über eine Doppelbindung verbundene Kohlenstoffatome) hängt. Das Gylcopeptid wird mit einem Baustein gekuppelt, der Thiole (Schwefel-Wasserstoff-Gruppen) aus dem Molekül ragen lässt. Bei der folgenden, durch Licht initiierten (photochemischen) Reaktion werden ausschließlich die gewünschten Thioetherbindungen geknüpft, Nebenreaktionen an anderen Stellen der Peptidkette finden nicht statt.

"Synthetische Glycopeptidantigene, die tumortypische Strukturelemente sowohl im Zucker- als auch im Eiweißteil tragen," erklärt Kunz, "können auf diese Weise kontrolliert mit Trägerproteinen verbunden werden. Die kaum immunogenen Thioether-Brücken könnten den Weg für die Entwicklung von Vakzinen zur Aktivimmunisierung gegen Tumorzellen ebnen."

Angewandte Chemie: Presseinfo 23/2007

Autor: Horst Kunz, Universität Mainz (Germany), http://www.uni-mainz.de/FB/Chemie/AK-Kunz/akkunz.htm

Angewandte Chemie 2007, 119, No. 27, doi: 10.1002/ange.200700964

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Weitere Berichte zu: Glycoprotein Immunsystem Kohlenstoffatome Thioether Trägerprotein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einblick ins geschlossene Enzym
26.06.2017 | Universität Konstanz

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie